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Weltweit mehr als 200.000 Neuerkrankungen an Lepra

Donnerstag, 26. September 2019

Ein Leprakranker zeigt seine Hände. /frank29052515, Stock.adobe.com
Lepra /frank29052515, Stock.adobe.com

Berlin – Im Jahr 2018 wurden 208.619 Menschen registriert, die neu an Lepra erkrankt sind. Das geht aus der globalen Leprastatistik hervor, die die Weltgesund­heitsorganisation (WHO) kürzlich veröffentlicht hat.

Zwar ist die Zahl der neuen Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr leicht um ein Prozent zurückgegangen, im Vergleich zu 2009 sogar um 15 Prozent. „Es werden aber nach wie vor viele Betroffene erst entdeckt, wenn die Lepraerkrankung bereits schwer­wiegende Behinderungen verursacht hat“, sagte Christa Kasang, medizinische Expertin bei der Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW).

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Mehr als 11.000 der neu registrierten Leprafälle litten Kasang zufolge bereits an schwer­wiegenden Behinderungen, jede 13. Neuinfektion betreffe ein Kind. Angesichts dieser Zahlen fordert die DAHW verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen die Krankheit. Vor allem die Entdeckung von Neuinfektionen müsse der DAHW zufolge verbessert werden, denn: Lepra sei heilbar.

Bei rechtzeitiger Diagnostik und Behandlung könnten permanente Behinderungen durch die Krankheit vermieden werden, sagte Kasang, und kritisierte: „In ihrer 2016 verabschie­deten globalen Leprastrategie hat die WHO sich allerdings zum Ziel gesetzt, die Rate von Neuerkrankten mit sogenannten Grad-2-Behinderungen bis 2020 auf unter eins pro eine Milli­on Einwohner zu senken. Davon sind wir weit entfernt“.

Die infolge einer Lepraerkrankung oft entstehenden Entstellungen im Gesicht sowie Ver­unstaltungen an den Gliedmaßen durch nervenbedingte Lähmungen führen neben den körperlichen Behinderungen oft zu ernsten psychosozialen Problemen für erkrankte Men­schen. Bis heute gibt es in einigen Ländern der Welt wie etwa Brasilien, Indien und Ägyp­ten Leprakolonien, in denen Betroffene in sozialer Isolation und oft abgeschnitten von effektiven Behandlungsangeboten leben.

Großteil der Neuinfektionen im globalen Süden

Die Diagnostik, Behandlung und statistische Erfassung von neu an Lepra erkrankten Men­schen werde oft durch politische und soziale Umstände erschwert, sagte DAHW-Expertin Kasang. 95 Prozent der Neuinfektionen seien in den Staaten des globalen Südens regis­triert worden. Als Tropenkrankheit sei Lepra oft in Ländern vorzufinden, in denen es an einem funktionierenden Gesundheitssystem und entsprechenden Kontrollprogrammen mangele.

Manche Regionen, in denen Lepraerkrankungen zu erwarten sind, seien durch Kriege und Konflikte nicht zugänglich. Dazu komme die soziale Dimension: Lepra gelte als Krankheit der Armen, so die DAHW. Betroffene versteckten ihre Erkrankung aus Angst vor Vorurtei­len und sozialer Ausgrenzung, Regierungen hielten Informationen zu Leprainfektionen aus Sorge um das nationale Ansehen unter Verschluss.

Immer mehr Staaten übermitteln Daten zu Leprainfektionen an die WHO

Nach DAHW-Informationen hätten Massenuntersuchungen in Indien viele zuvor nicht diagnostizierte Fälle von Leprainfektionen ans Tageslicht befördert, was auf eine exorbitant hohe Dunkelziffer schließen lasse. Immerhin hätten dieses Jahr bereits 159 Staaten Daten zu Lepraneuinfektionen an die WHO übermittelt, eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 136 Ländern aus dem Jahr 2015.

Dabei sei hilfreich gewesen, dass die WHO für den Bereich Lepra nun ein Tool zur Online-Datenerhebung nutze, das ursprünglich für HIV- und Tuberkuloseinfektionen entwickelt worden sei. Neben dem Aufbau robuster Gesundheitssysteme in betroffenen Ländern sei aber eine weitere Ausweitung der Fallsuche wichtig, forderte Kasang. © mh/aerzteblatt.de

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