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Medizin

Studie: Vaginale Entbindung nach einem früheren Kaiserschnitt führt etwas häufiger zu Komplikationen

Donnerstag, 26. September 2019

/olly, stock.adobe.com

Oxford – Eine vaginale Entbindung ist nach einem oder mehreren früheren Kaiser­schnitten mit einem leicht erhöhten Komplikationsrisiko für Mutter und Kind verbunden. Dies ist das Ergebnis einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in PLOS Medicine (2019; doi: 10.1371/journal.pmed.1002913).

Frauen, die schon einmal per Sectio caesarea entbunden wurden, wird bei einer nächsten Schwangerschaft häufig eine erneute Schnittentbindung angeboten, auch wenn hierfür keine absolute Indikation besteht. Ob dies die Mutter und ihr Kind vor Komplikationen schützt, ist umstritten.

Kathryn Fitzpatrick vom Nuffield Department of Population Health an der Universität Oxford und Mitarbeiter haben hierzu die Daten von 74.043 Einzel­schwangerschaften von Frauen ausgewertet, die in Schottland schon einmal per Kaiserschnitt entbunden worden waren und in den Jahren 2002 bis 2015 ein weiteres Kind zur Welt brachten.

Zwei Drittel der Frauen entschieden sich mit ihrem Frauenarzt für einen Kaiserschnitt. Ein Drittel wurde vaginal entbunden. Um die Risiken fair beurteilen zu können, musste Fitz­patrick einige Unterschiede zwischen den beiden Gruppen berücksichtigen. Dazu ge­hörte, dass Frauen mit einer vaginalen Geburt etwas jünger waren als Frauen, bei denen ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde.

Sie waren häufiger außerhalb des Vereinigten Königreichs geboren worden, waren häufi­ger alleinstehend und hatten im Durchschnitt einen niedrigeren sozioökonomischen Sta­tus. Sie hatten häufiger nur einen Kaiserschnitt sowie eine oder mehrere vaginale Gebur­ten in der Vorgeschichte. Das Intervall zur letzten Schwangerschaft war kürzer und sie hatten bei der Anmeldung häufiger angegeben, dass sie rauchen, unter Bluthochdruck leiden, und es kam vor der Geburt häufiger zu einem vorzeitigen Blasensprung.

Die Analyse ergab, dass eine vaginale Geburt insgesamt mit höheren relativen Risiken für Mutter und Kind verbunden war. Fitzpatrick ermittelte eine adjustierte Odds Ratio (aOR) von 7,3 für eine Uterusruptur, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,9 bis 13,9 signifikant war. Diese wohl am meisten gefürchtete Komplikation trat allerdings insge­samt nur bei 69 von 28.464 Frauen auf (0,24 %). Unter den 45.579 Kaiserschnitt­entbin­dungen kam es zu 17 Uterusrupturen (0,04 Prozent).

Auch Bluttransfusionen (1,14 versus 0,5 Prozent, aOR 2,3; 1,9 bis 2,8) waren nach geplan­ter vaginaler Entbindung signifikant häufiger notwendig und es kam öfter zur Sepsis (0,27 versus 0,17 Prozent, aOR 1,8: 1,3 bis 2,7) oder Geburtsverletzungen (0,17 versus 0,09 %, aOR 3,0; 1,8 bis 4,8). Aber auch diese Komplikationen waren insgesamt selten.

Für das Neugeborene waren die Risiken bei einer vaginalen Geburt ebenfalls etwas höher. Es kam häufiger zu intrapartalen oder neonatalen Todesfällen (0,07 versus 0,01 %). Die Kinder wurden häufiger auf Intensivstationen betreut (5,45 versus 5,27 %) und sie mussten häufiger wiederbelebt werden (1,63 versus 0,33 %). Nach vaginaler Geburt hatten 7,99 % einen Apgar-Score von unter 7, nach dem Kaiserschnitt waren es 6,37 % (aOR 1,6; 1,5 bis 1,7).

Eine vaginale Geburt hatte allerdings auch Vorteile. Dazu gehörte die größere Chance, dass die Mutter anfing, das Kind zu stillen (63,6 versus 54,5 %, adjustierte Risk Ratio aRR 1,2; 1,1 bis 1,2) und auch nach 6 bis 8 Wochen weiterhin ihr Kind mit der Brust ernährte (43,6 versus 34,5 Prozent; aRR 1,2:; 1,2– bis 1,3).

An den Leitlinien dürfte sich aufgrund der Ergebnisse wenig ändern. Das absolute Kom­pli­­kationsrisiko war so gering, dass es bei den meisten Frauen in Kauf genommen werden könnte, weil die Vorteile der vaginalen Entbindung nach derzeitigem Kenntnisstand über die erhöhte Stillquote hinausgehen.

So führt die vaginale Geburt zu einer schnelleren Ausbildung einer gesunden Darmflora, die die Gesundheit des Kindes über die Säuglingsphase hinaus günstig beeinflussen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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