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Medizin

Neuer Pocken-Impfstoff schützt auch vor Affenpocken

Donnerstag, 26. September 2019

/dpa

Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen (weiteren) Impfstoff gegen das Pockenvirus zugelassen. Die vom dänischen Hersteller Bavaria Nordic hergestellte Vakzi­ne schützt auch vor dem in Nigeria endemischen Affenpocken-Virus, mit dem sich gele­gent­lich Touristen infizieren.

An den Pocken sind zwar seit 1977 keine Menschen mehr erkrankt. Die Viren werden je­doch noch in den USA und in Russland gelagert. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass sie in falsche Hände gelangen. Die Verbreitung würde wegen der fehlenden Immu­nität der jüngeren Bevölkerung eine verheerende Epidemie auslösen.

Die USA lagern in einer „Strategic National Stockpile“ Impfstoffe für den Fall eines bio­terro­ris­tischen Angriffs. Zugelassen ist derzeit (seit 2007) nur der Lebendimpfstoff ACAM2000 (als Ersatz für den Impfstoff Dryvax, der vor der Eradikation eingesetzt wurde).

ACAM2000 ist ein Lebendvirus, das sich im Körper vermehrt. Es verursacht keine Sympto­me, solange das Immunsystem intakt ist. Bei abwehrgeschwächten Menschen darf ACAM­2000 nicht eingesetzt werden. Der neue Impfstoff Jynneos des Herstellers Bavaria Nordic aus dem dänischen Kvistgård enthält das „Modified Vaccinia Ankara“-Virus. Es ist nicht in der Lage, sich im Körper zu vermehren und kann deshalb auch bei abwehrgeschwächten Menschen eingesetzt werden.

Die Entwicklung des neuen Impfstoffes wurde von der US-Regierung gefördert. Die Schutzwirkung gegen Pocken wurde in einer klinischen Studie an etwa 400 gesunden Erwachsenen erprobt, die aufgrund ihres Alters nicht an den früheren Schutzimpfungen teilgenommen hatten.

Die Probanden wurden mit 2 Dosen Jynneos im Abstand von 28 Tagen oder mit einer Do­sis ACAM2000 geimpft. Endpunkt war die Immunantwort. Beide Impfstoffe erzielten in et­wa die gleiche Schutzwirkung. Jynneos erfüllte laut FDA das Non-Inferioritätskriterium.

Die Laboruntersuchungen lassen vermuten, dass der neue Impfstoff auch vor Affenpocken schützt. Es handelt sich um eine seltene Viruserkrankung, die von Tieren auf den Men­schen übertragen wird. Erreger ist das „Monkeypox virus“ MPV, das dem echten Pockenvi­rus ähnelt. Zwischen beiden Viren besteht eine Kreuzimmunität.

Das Affenpocken-Virus ist von Mensch zu Mensch weniger ansteckend als das echte Pocken­virus. Größere Epidemien sind deshalb selten. Bei einer Erkrankung beträgt die Letalität bis zu 10 %. Die Affenpocken sind in Nigeria bei Affen endemisch.

Hin und wieder infizieren sich Menschen, etwa durch den Verzehr von „Bushmeat“. Gele­gentlich kommt es zu Infektionen unter Touristen, die nach der Rückkehr erkranken und manchmal andere Menschen infizieren, wie dies zuletzt in England, in Israel und in Singapur passiert ist. © rme/aerzteblatt.de

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