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Psychische Erkrankungen und Suizide nach Adipositas-Chirurgie häufig

Donnerstag, 26. September 2019

Stark übergewichtige Frau fühlt sich einsam. /Creativa Images, stock.Adobe.com
/Creativa Images, stock.Adobe.com

Perth – Jeder 6. adipöse Patient, der sich in Westaustralien einer bariatrischen Ope­ration unterzog, war wegen psychiatrischer Erkrankungen in Behandlung. Die psychi­schen Probleme haben sich einer Studie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.2741) zufolge nach der Operation häufig verschärft. Die Behandlung könnte das Suizidrisiko erhöht haben.

Fettleibige Menschen leiden häufig psychisch unter ihren Gewichtsproblemen. Die Adipositas greift das Selbstwertgefühl an und sie ist nicht selten Anlass für Depressionen. Soziale Ausgrenzung und Diskriminierung fördern die psychische Morbidität. Auf der anderen Seite kann Übergewicht aber auch Folge einer psychiatrischen Erkrankung sein. Viele Psychopharmaka fördern die Gewichtszunahme.

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Eine bariatrische Operation ist offenbar keine Patentlösung für die psychischen Probleme. Die Patienten verlieren zwar deutlich an Gewicht, es kann aber auch die Lebensfreude verloren gehen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Suizidrate nach einer bariatrischen Operation erhöht sein kann.

David Morga von St John of God Subiaco Hospital in Perth und Mitarbeiter haben die Zusammenhänge in einer Kohortenstudie an 24.766 Patienten untersucht, die sich in West-Australien in den Jahren 2007 bis 2016 einer bariatrischen Operation unterzogen hatten. Über die „Western Australian Department of Health Data Linkage Branch“, die die Daten aus verschiedenen Patientenregistern zusammenfasst, entnahmen die Forscher, dass nicht weniger als 3.976 Patienten sich im gleichen Zeitraum in psychiatrischer Behandlung befanden. Das sind 16,7 % aller operierten Patienten oder in etwa jeder 6. Die psychia­trische Komorbidität der Adipositas ist demnach hoch. Und die Behandlung könnte ihren Anteil daran haben.

Von den 3.976 Patienten waren 1.401 Patienten (35,2 %) nur vor der Operation, 1.025 (25,8 %) vor und nach der Operation und 1.550 Patienten (39,0 %) nur nach der Operation in psychiatrischer Behandlung.

Laut Morga verdoppelte sich nach der bariatrischen Operation die Häufigkeit vom ambulanten Behandlungen wegen psychiatrischer Erkrankungen (Inzidenzrate IRR 2,3; 95-%-Konfidenzintervall 2,3 bis 2,4) und es kam 3-mal so häufig zu Besuchen in Notfallambulanzen (IRR 3,0; 2,8 bis 3,2) oder zu psychiatrischen Kranken­haus­auf­enthalten (IRR 3,0; 2,8 bis 3,1). Die Zahl der absichtlichen Selbstverletzungen verfünffachte sich (IRR 4,7; 3,8 bis 5,7).

Nicht weniger als 25 von 261 Todesfällen (9,6 %), zu denen es nach den Operation kam, waren auf Suizide zurückzuführen. Morga rät Chirurgen dringend, die Patienten nicht ohne vorherige psychiatrische Untersuchung zu operieren. Im Erkrankungsfall müssten die Patienten zunächst psychiatrisch betreut werden. Aber auch in der Zeit nach der Operation würden viele Patienten eine psychologische Unterstützung benötigen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #769157
Isor70
am Freitag, 27. September 2019, 20:33

Adipositas und Deprssion

Ich bin so ein Patient. Nach einer haben und langen Kortisontherapie und Typ I Diabetes leide ich seit 2005 unter Adipositas. Borderline Persönlichkeitsstörung mit Selbstverletzung und Depression waren die Folge. Psychopharmaka tun den Rest.
Ich glaube, wenn man mir meinen v.a. Bauch entfernen würde ( der Rest ist soweit OK), brauchte ich auch keine Psychopharmaka mehr, da mein Selbsthaß und- Eckel verschwinden würden. Ja, ich bin sidar davon überzeugt. Mein Selbstbewußtsein würde größer, meine Essstörung bekäme ich mit einer Therapie sicher in den Griff, ich würde wieder mehr Körperpflege betreiben (!!!) und meine Suizidgedanken verschwinden.
Es müsste einfach alles Hand in Hand laufen.
Aber wer hilft einen dabei schon??
Lieber den Patienten mit noch mehr Psychos ruhig stellen. Scheiß auf meine Leber, Nieren und Diabetes!! Ist ja viel einfacher und betrifft ja nur mich.
Avatar #754103
Biochemie
am Freitag, 27. September 2019, 12:32

Wie kann man die Menschen aufklären über ihre Situation Medizinisch, Psychologisch und Gesamtheitlich?

Ich denke als erstes muss man feststellen ob es Organisch, Psychologisch oder Gentisch bedingt ist. Es gibt natürlich nicht nur entweder oder sondern auch Mischformen.

Bei Genetisch meine ich Menschen die eine solche Bauart in den Genen haben. Eltern? Hormone?

Bei Organe meine ich Personen die einen Organ defekt haben der aber nicht in den Genen liegt sondern sich durch den Geburtsvorgang und dem Umfeld der Mutter oder nach der Geburt sich entwickelt hat.

Bei Psychologisch sind es alle Möglichkeiten die wir kennen.

Dann muss man sich die ganze Biografie der Person ansehen.
Lebensgeschichte, Wohnung, Ernährungsverhalten, Bewegung, Ängste, Biografiearbeit, Sucht, usw.

Dann einen Lernplan entwerfen, welches wissen die Person benötigt, um sich in eine mögliche Richtung zu entwickeln.
Dieser ist nicht fest kann sich auch ändern.

Dann kommt die Zeit wo man erkennen kann ob sich etwas ändert.

Es muss ein Leidensdruck für die Fettleibigkeit da sein sonst gibt es keinen Grund sich zu ändern.
Ist dieser verdrängt und die Fettleibigkeit ist der Ausgleich durch Gegenwirkung die verdrängten Sorgen Aufzuheben muss dieser Zusammenhang erst bewusst werden.

Es gibt auch fettleibige Menschen die akzeptieren sich so wie sie sind. Dieses hat dann wieder mit der Einteilung zu tun im ersten Absatz.

Ich denke so in dieser Richtung können wir nach einer Entwicklung suchen, diese Menschen zu unterstützen.



















Avatar #705945
Dr West
am Freitag, 27. September 2019, 09:05

Abwarten

Diese Studie muss mit Zurückhaltung gesehen werden. Es handelt sich um eine retrospektive Untersuchung ohne Kontrollgruppe. Sie kann daher nur Indizien liefern. Ob hier nicht nur von Indizien ausgegangen werden kann, kann allein im Rahmen einer prospektiven kontrollierten Studie geklärt werden. Aber auch diese kann nur Korrelationen und keine Kausalitäten aufdecken. Dennoch wäre eine solche Untersuchung sehr interessant. Sie sollte möglichst langfristig angelegt sein und eine Gesamtbilanz sowohl der psychischen als auch der somatischen Vor- und Nachteile der operierten und der nicht-operierten Gruppe umfassen. Der Nutzen eines prä- und postoperativen psychologischen Screenings war auch schon vor dieser Untersuchung nicht zu bezweifeln.
LNS

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