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Ärzteschaft

Ärzte der Welt kritisiert Lebensumstände in bayrischem Ankerzentrum

Freitag, 27. September 2019

picture alliance/Lino Mirgeler/dpa

München – Die Hilfsorganisation Ärzte der Welt wird sich Ende Oktober aus dem Anker­zentrum Manching/ Ingolstadt zurückziehen. Das hat die Hilfsorganisation gestern an­lässlich der öffentlichen Anhörung „Ankerzentren“ im Bayerischen Landtag mitgeteilt.

Grund für die Entscheidung seien die unzureichenden Lebensbedingungen in der Flücht­lingsunterkunft. Seit Januar bietet ein Ärzte-der-Welt-Team zweimal im Monat eine Sprech­stunde zur psychologischen und psychiatrischen Versorgung von Asylsuchenden in der früheren Max-Immelmann-Kaserne an.

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„Die krankmachenden Lebensbedingungen in der Anker-Einrichtung Manching/Ingolstadt verhindern eine erfolgreiche Behandlung. Ärzte der Welt kann unter diesen Bedingungen die Verantwortung für die Verfassung von schwer psychisch kranken Patienten und deren Medikamenteneinnahme nicht tragen“, unterstrich Ärzte der Welt-Vorstandsvorsitzender Heinz-Jochen Zenker.

Aufgrund belastender Faktoren wie unzureichendem Schutz vor Übergriffen, fehlender Privatsphäre, nächtlicher Ruhestörung in Kombination mit unsicheren Zukunftsperspekti­ven und mangelnder Kontrolle über das eigene Leben könnten Patienten weder stabili­siert noch geheilt werden. Dies führe zu einer unzumutbaren Belastung des Einsatz­teams, so Zenker.

Darüber hinaus kritisiert die Hilfsorganisation, dass es in der Ankereinrichtung kein syste­matisches Vorgehen gibt, um besonders schutzbedürftige Bewohner zu identifizieren. Zu­dem gebe es kein ausreichendes Personal, um den Menschen die notwendige Unterstüt­zung zu ermöglichen.

Auch die vom Bundesfamilienministerium publizierten Mindeststandard zur Unterbrin­gung von Flüchtlingen werden der Hilfsorganisation zufolge in dem Ankerzentrum nicht eingehalten. Deshalb habe man sich entschieden, sich aus der Unterkunft zurückzu­ziehen. © hil/sb/aerzteblatt.de

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