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Medizin

Beim familiären Darmkrebsrisiko werden die Gene überschätzt

Freitag, 27. September 2019

/psdesign1, stockadobecom

Heidelberg – Die Genetik spielt beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko offenbar eine weniger wichtige Rolle als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine epide­miologische Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, die nun im International Journal of Cancer veröffentlicht wurde (doi: 10.1002/ijc.32664).

Eine familiäre Vorbelastung zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für das kolorektale Karzinom. Die Erkrankung gilt als zu 35 % erblich bedingt. In den vergangenen Jahren wurden rund 100 Single Nucleodid Polymorphisms (SNPs) identifiziert, die das Darm­krebs­risiko beeinflussen.

Die aktuellen Studienergebnisse weisen darauf hin, dass diese SNPs einen deutlich gerin­geren Anteil am familiär erhöhten Darmkrebsrisikos haben als bisherige Berechnungen ergaben.

„Die bislang gängigen statistischen Verfahren gingen davon aus, dass die familiäre Häu­fung letztendlich zu 100 % genetisch bedingt ist“, wird Korbinian Weigl, Erstautor der Studie, in einer Pressemitteilung zitiert. Aber diese Verfahren wiesen, so die Wissen­schaft­ler, eine Reihe von Schwächen auf, die letztlich eine Überschätzung des Anteils der SNPs begünstigten.

Weigl und seine Kollegen haben eine neue Berechnungsmethode entwickelt, die eben nicht davon ausgeht, dass das familiäre Risiko komplett durch die Genetik bedingt ist. Mit dieser Methode werteten sie die Daten von 4.447 Patienten mit Darmkrebs und 3.480 gesunden Personen in einer Fall-Kontroll-Studie aus.

Bisherige Berechnungen sprachen den SNPs einen Anteil von 9,6 bis 23,1 % am familiär erhöhten Darmkrebsrisiko zu. Die neuen Berechnungen der Heidelberger Forscher resul­tie­rten in einem geschätzten Einfluss der SNPs, der zwischen 5,4 und 14,3 % liegt.

Diese Ergebnisse sind konsistent mit den Ergebnissen einer im vergangenen Jahr publi­zier­ten Studie: Darin hatte sich gezeigt, dass bei Halbgeschwistern von Darmkrebspatien­ten das Risiko, selbst zu erkranken, ebenso erhöht ist wie bei Vollgeschwistern. Das lege nahe, dass gemeinsame Risikofaktoren, etwa spezielle Ernährungsgewohnheiten, Rau­chen oder ein Bewegungsmangel eine deutlich größere Rolle spielen als bisher ange­nommen, vermuten die Wissenschaftler.

Für die künftige Einschätzung des individuellen Darmkrebsrisikos bedeute dies aber nicht, dass die mit einem erhöhten Risiko assoziierten SNPs bedeutungslos geworden sind. „Vielmehr zeigt unsere Studie, wie wichtig es ist, sowohl genetische als auch andere Risikofaktoren in der Familie gleichermaßen zu betrachten, um zu einer realistischen Ein­schätzung zu gelangen“, so Weigl.

Wer nur wenige auffällige SNPs trage, dürfe sich nicht in Sicherheit wiegen, wenn etwa sein Lebensstil die Gefahr für ein kolorektales Karzinom erhöhe. Umgekehrt müsse Darm­krebs trotz ungünstiger Genetik kein Schicksal sein, wenn das individuelle Verhalten das Risiko senke. In jedem Fall sei es ratsam, die sehr effektiven Möglichkeiten der Darm­krebs­vorsorge zu nutzen. © nec/aerzteblatt.de

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