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Medizin

West-Nil-Virus-In­fektion: Erster durch Stechmücken übertragener Fall in Deutschland bestätigt

Freitag, 27. September 2019

West-Nil-Virus /dpa

Berlin – In Deutschland ist erstmals ein Mensch durch einen Mückenstich mit dem West-Nil-Virus (WNV) infiziert worden und in der Folge an einer Meningoenzephalitis erkrankt. Es sei die erste dokumentierte, mückenassoziierte WNV-Erkrankung, bei der der Patient sich nicht auf einer Auslandsreise, sondern in Deutschland selbst infiziert habe, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) heute mitteilte.

Die erkrankte Person ist ein 70-jähriger Mann mit ländlichem Wohn- und Arbeitsort in Sachsen, ohne vorherige Reise ins Ausland und ohne wesentliche Vorerkrankung. Er sei nach Behandlung mittlerweile wieder genesen. „Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht“, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. In den kommenden Sommern müsse jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen ge­rechnet werden.

Bereits im Juni dieses Jahres hatten Experten im Deutschen Ärzteblatt prognostiziert, dass mit dem ersten mückenassoziierten West-Nil-Virus-Fall in Deutschland in diesem oder nächstem Jahr zu rechnen sei. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika. Die Erreger werden von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen, aber auch Säugetiere – vor allem Pferde – und Menschen können durch Mückenstiche infiziert werden.

Infektionsrisiko für Menschen in Ostdeutschland bestätigt

Der WNV-Nachweis bei dem Patienten aus Sachsen unterstützt die Erkenntnisse aus den Daten der WNV-Tes­tung von Vögeln und Pferden, dass insbesondere in Ostdeutschland WNV in diesem Sommer zirkulierte. Er bestätigt, dass auch ein Infektionsrisiko für Men­schen bestand. Die Etablierung des WNV nördlich der Alpen könne am ehesten durch die ungewöhnlich warmen Sommer 2018 und 2019 erklärt werden, heißt es im Epidemio­lo­gischen Bulletin des RKI.

„Glücklicherweise verläuft der Großteil der Fälle mild“, betonte Wieler. Infektionen beim Menschen verlaufen zu circa 80 % ohne Symptome, bei knapp 20 % mit meist milder und unspezifischer Symptomatik wie Fieber oder Hautausschlag. Nur bei unter 1 % aller Be­troffenen – in der Regel bei Älteren mit Vorerkrankungen – kommt es zu einer Meningitis oder seltener zu einer Enzephalitis, die tödlich enden kann.

Durch Zugvögel und Stechmücken ist das Virus in nördlichere Regionen gelangt und kann dort während der Mückensaison verbreitet werden. Das West-Nil-Virus wird in Deutsch­land vorwiegend von den einheimischen Hausmücken übertragen. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind durch Bluttransfusionen möglich.

Das RKI erforscht zusammen mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) die Infektionshäufigkeit von WNV und Risikofaktoren in der Bevölkerung. Seit Juli 2019 beispielsweise werden in Regionen, in denen Tiere mit WNV gefunden wurden, syste­ma­tisch Blutspenden auf die Viren untersucht. Bislang waren die mehr als 2.000 getes­teten Spenden negativ.

Neue Erreger gefährden auch die Blutsicherheit

Die zunehmende Verbreitung von exotischen Krankheitserregern in Deutschland lässt einigen Experten allerdings Zweifel daran aufkommen, ob Tests künftig ausreichen wer­den, um die Blutsicherheit zu gewährleisten. Sie sprechen sich für die Einführung von Pa­thogeninaktivierungsverfahren aus. Auf diese Weise würden im Spenderblut auch Erreger abgetötet, die so neu in Deutschland sind, dass noch nicht darauf getestet wird.

Infektionen mit dem West-Nil-Virus sind meldepflichtig. Seit 2018 empfiehlt das RKI Ärz­ten in den betroffenen Regionen, Patienten mit Enzephalitiden unklarer Herkunft auf West­-Nil-Viren untersuchen zu lassen. Auch bei vermehrtem Auftreten von Fieberer­kran­kungen mit und ohne Hautausschlägen muss das Virus als Auslöser in Betracht gezogen werden. Die Labordiagnostik sollte möglichst ein Speziallabor übernehmen.

Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen mit dem West-Nil-Virus lassen sich dem RKI zufolge nur durch persönlichen Mücken­schutz vorbeugen. © nec/aerzteblatt.de

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