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Ärzteschaft

Bundes­ärzte­kammer macht sich für nationale Arzneimittelreserve stark

Freitag, 27. September 2019

/dpa

Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat vor Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln gewarnt. Diese würden zunehmend die Patientenversorgung gefährden. Demnach listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte derzeit Lieferengpässe bei mehr als 200 Humanarzneimitteln auf. Eine wesentliche Ursache für diese hohe Zahl sieht die BÄK in der Verlagerung der Produktion in außereuropäische Länder, verbunden mit der Konzentration auf wenige Standorte.

„Die Politik muss konsequent gegen solche Engpässe vorgehen“, forderte BÄK-Vizeprä­si­dentin Ellen Lundershausen. Dabei gehe es neben dem Schutz der Patienten auch um die Stringenz gesundheitspolitischer Entscheidungen. „Es wäre doch eine Schildbürgerei son­dergleichen, wenn Deutschland die Impfpflicht einführt, während gleichzeitig die dafür notwendigen Impfstoffe fehlen“, so Lundershausen.

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Abhilfe könnte ihr zufolge eine nationale Arzneimittelreserve für versorgungsrelevante Medikamente schaffen. „Welche Medikamente in welchem Umfang vorgehalten werden müssen, sollten Ärzteschaft und Politik gemeinsam mit Kostenträgern und Pharmaun­terneh­men festlegen“, riet die Vizepräsidentin.

Nach den jüngsten Arzneimittelskandalen habe der Gesetzgeber mit der Stärkung der Ko­ordinierungsfunktion der Bundesoberbehörden bei gefälschten und qualitätsgemin­derten Arzneimitteln sowie der erweiterten Rückrufkompetenz die Sicherheit in der Arznei­mit­tel­­­­versorgung bereits verbessert. Allerdings sei es notwendig, weitere Überwachungs­lücken zu schließen.

„Für eine zuverlässige und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung müssen wir wissen, welche Medikamente wo und unter welchen Bedingungen produziert werden“, sagte Lundershausen.

Für eine nationale Arzneimittelreserve in Deutschland hatte sich gestern auch die Union im Bundestag ausgesprochen. Zudem hatten CSU und CDU in einem Entwurf für ein Po­siti­ons­papier weitere Maßnahmen gegen die Lieferengpässe vorgeschlagen, wie mehr Trans­parenz über das Liefer- und Marktgeschehen, verbindliche Meldepflichten bei drohenden oder bestehenden Lieferengpässen versorgungsrelevanter Arzneimittel, Exportbeschrän­kung im Falle bestehender Lieferengpässe sowie der Anpassung der Ausschreibungs- und Vergabemodalitäten. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #770007
JohannMed
am Montag, 30. September 2019, 11:01

Marketingtrick "künstliche Verknappung"

Immer dann, wenn Pharmaunternehmen etwas dringend verkaufen wollen, wird mit dem Marketingtrick "künstliche Verknappung" gearbeitet. Ein anderer Trick: "Bedrohungsszenerien" der WHO zu Epidemien aller Art.
Die Politik wird von der Pharmaindustrie förmlich infiltriert.
"(...)Für eine nationale Arzneimittelreserve in Deutschland hatte sich gestern auch die Union im Bundestag ausgesprochen. (...)" Nicht, dass die Politiker der CDU/ CSU mit der Pharmaindustrie kungeln würden, insbesondere nicht Hr. Spahn (siehe ausgedehnte Meldungen über ihn in Transparency International und Lobby Control).
Ein weiterer Trick: sogenannte "Experten" einkaufen, z.B. aus der Charité.
Avatar #771555
Rosenkohl
am Freitag, 27. September 2019, 17:30

Umgekehrt, Schildbürgerei wäre das Anlegen von Impfstoffvorräten

Es wäre doch eine Schildbürgerei son­dergleichen, wenn Deutschland die Impfpflicht einführt, während gleichzeitig die dafür notwendigen Impfstoffe fehlen“, so Lundershausen

Die Impfpflicht selbst ist ein Schildbürgerstreich. Masernimpfstoffe sind eh nur auf 18 Monate begrenzt haltbar, es ist somit gar nicht möglich durch Vorratshaltung einem größeren Lieferengpass vorzubeugen. Es entstünden enorme Kosten durch die gekühlte Lagerung bei 2-8°C; zudem logistische Probleme, wenn umschichtig die ältesten Chargen zuerst aufgebraucht und die frischen erst zwischengelagert werden sollen. In der Praxis wird es auf ein ständiges Wegschmeissen abgelaufener Chargen MMR aus der Arzneimittelreserve hinauslaufen, was allenfalls nochmals den Impfstoffherstellern zugute kommt.

Die Politik ist nicht in der Lage, das Oligopol der großen Impfstoffhersteller zu zerschlagen und einen tatsächlichen Wettbewerb zwischen den Anbietern in die Wege zu leiten. Dazu gehört auch das skandalöse Fehlen von Masern- Mumps und Rötelneinzelimpfstoffen. Gäbe es einen Marktwettbewerb, dann bestünde auch das Problem der Lieferengpässe nicht.
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