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Ärzteschaft

KV Schleswig-Holstein richtet Strukturfonds ein

Freitag, 27. September 2019

/Romolo Tavani, stockadobecom

Bad Segeberg – Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) will in länd­lichen und strukturschwachen Regionen ein neues Versorgungsmodell etablieren. Soge­nannte Teampraxen sollen die medizinische Betreuung sicherstellen. Dazu hat die KVSH zum 1. Oktober einen Strukturfonds in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro eingerichtet.

Hintergrund sind drohende Versorgungsengpässe. Laut KVSH sind rund ein Drittel der 1.985 Hausärzte in Schleswig-Holstein 60 Jahre oder älter. Diese Ärzte werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen und nach einem Nachfolger suchen. Da in der nächsten Zeit vor allem Einzelpraxen abgegeben werden, sieht die KVSH Chancen, neue Versorgungs­formen für die ländlichen Räume zu etablieren.

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Unter dem Begriff „Teampraxen“ sollen an zentralen Orten in ländlichen Bereichen Ärzte­gemeinschaften entstehen, die auch mit Einsatz von weitergebildetem Personal und Tele­medizin die Umgebung versorgen können.

Der Aufbau von Teampraxen soll über den Strukturfonds finanziell gefördert werden, mindestens rund 100.000 Euro pro Teampraxis sind vorgesehen. Als Standorte kommen Bezirke und Regionen infrage, in denen sich die Versorgungssituation aufgrund der Al­ters­struktur der Ärzte in den kommenden Jahren verschärfen wird. Die einzelnen förde­rungsfähigen Gebiete müssen noch detailliert geplant werden.

„Träger dieser lokalen Gesundheitszentren sollen ausschließlich niedergelassene Ärzte sein“, sagte KVSH-Vorstandsvorsitzende Monika Schliffke. Geplant sei, dass in der Team­praxis ein Kern aus mindestens drei bis fünf Hausärzten mit qualifiziertem Personal zu­sammenarbeite und bei Bedarf weitere fachärztliche Kompetenz durch Zweigpraxis- oder Videosprechstunden hinzuziehe.

Die Teampraxis könnte sich entweder als Berufsausübungsgemeinschaft oder als Medi­­­zi­­nisches Versorgungszentrum organisieren und würde einen Radius von zehn bis 15 Kilo­metern abdecken.

„Wichtig ist, dass sich die Teams durch Kosteneffizienz ein Praxismanagement leisten können und Angestelltenverhältnisse, Weiterbildungsassistenten und Teilzeitstellen für Nachwuchsärzte ermöglichen für Ärzte, die sich in dieser Region dauerhaft niederlassen möchten“, so Schliffke. Das sei auch eine unternehmerische Herausforderung, ohne die man aber auch Selbstständigkeit nicht erhalten könne. Von Investoren finanzierte Praxis­ketten lehne die KVSH ab.

Weitere Mittel aus dem Strukturfonds will die KVSH für Zuschüsse zu den Investitionskos­ten bei der Neuniederlassung oder der Gründung beziehungsweise Übernahme von Zweig­praxen, zur Nachwuchsförderung von Medizinstudierenden sowie für die Vergabe von Stipendien ver­wenden.

Über den Strukturfonds sollen zudem auch Hausärzte gezielt gefördert werden, die eine nichtärztliche Praxisassistentin (NäPa) beschäftigen wollen. Der Strukturfonds sieht außerdem einen finanziellen Zuschuss für Praxen vor, die Ärzte in Weiterbildung nach deren Abschluss bis zur Niederlassung beziehungsweise Anstellung weiterbeschäftigen sowie Honorarzuschläge für Ärzte, die in Regionen mit einem Versorgungsgrad von unter 90 Prozent praktizieren.

© hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Freitag, 27. September 2019, 18:40

Heckemann in Sachsen bedauerte

in einer gut 2-stündigen Rundfunkdiskussion, dass die KV leider kein Geld drucken dürfe ... aber wie man hier sieht, hat sie doch genug davon, um "neue Strategien" für angestellte oder freiberuflich tätige Ärzte umzusetzen.
Woran liegt das nur?
... wohl daran, dass die Gesamtvergütung nach § 85 SGB V stets über solche Kanäle zur KV läuft ... oder wie der Volksmund sagt:
Mit vollen Hosen ist gut stinken ...
Avatar #88767
fjmvw
am Freitag, 27. September 2019, 18:25

Alle Vertragsärzte verzichten auf Honorar, damit die KV SH das Geld verprassen kann?!

Oder wie habe ich mir das mit den Teampraxen so vorzustellen? Wieso ist es überhaupt erforderlich, eine beliebigen Praxis zu subventionieren?

Entweder ist eine Praxis wirtschaftlich tragfähig, dann braucht es keine Subventionen. Oder eine Praxis ist wirtschaftlich nicht tragfähig, dann helfen Subventionen auch nicht weiter.

Wären Praxen in wirtschaftlicher Sicht attraktiv, gäbe es genügend Interessenten. Ganz offensichtlich gibt es nicht genügend Interessenten. Daraus folgt doch zwangsläufig, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht attraktiv genug sind.

Wollt ihr, dass sich Ärzte in ausreichender Zahl niederlassen, dann bezahlt sie angemessen. Einmalige Subventionen verzögern lediglich die notwendigen Anpassungsmaßnahmen und schaden am Ende mehr als sie nutzen.
LNS

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