NewsMedizinBlauer Kern im Hirnstamm mit Gedächtnisleistungen im späteren Erwachsenenalter verbunden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Blauer Kern im Hirnstamm mit Gedächtnisleistungen im späteren Erwachsenenalter verbunden

Montag, 30. September 2019

/Mopic, stockadobecom

Berlin – Der Locus coeruleus, eine kleine Region im Hirnstamm, könnte für die kognitive Gesundheit im Alter sehr bedeutsam sein. Das berichten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der University of Southern California in der Zeitschrift Nature Human Behaviour (doi:10.1038/s41562-019-0715-2).

Aufgrund seiner geringen Größe und der Lage tief im Hirnstamm war es den Forschern zufolge bislang nahezu unmöglich, den Locus coeruleus am lebenden Menschen genauer zu untersuchen. Dank neuer Methoden der MRT-Bildgebung und anderer Verfahren kann diese Gehirnregion aber nun nichtinvasiv sichtbar gemacht werden.

Anzeige

Der Kern ist etwa 15 Millimeter groß und über ein Netz von Nervenfasern mit nahezu dem gesamten Gehirn verbunden. Die Nervenzellen, aus denen er besteht, sind die Haupt­quelle des neuronalen Botenstoffs Noradrenalin. Als Neuromodulator reguliert Noradrenalin die Kommunikation zwischen Nervenzellen und trägt damit wesentlich zur Kontrolle von Stress, Gefühlen und Aufmerksamkeit bei.

Tierstudien haben den Forschern zufolge gezeigt, dass Noradrenalin auf zellulärer Ebene Umbauvorgänge unterstützt, die die langfristige Speicherung neuer Erinnerungen, Fähig­keiten und Kenntnisse ermöglichen. „Deswegen beruhen erfolgreiche Lern- und Gedächt­nisprozesse vermutlich auf einem gut funktio­nierenden Locus coeruleus“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Ihre Beobachtungsstudie stützt diese These: Die Forscher haben die Region bei 66 jünge­ren Menschen mit einem Altersdurchschnitt von 33 Jahren und 228 älteren Menschen mit einem Altersdurchschnitt von 72 Jahren näher untersucht.

Alle Probanden haben zudem im Rahmen der Berliner Altersstudie II (BASE-II) eine Reihe neuropsychologischer Gedächtnis­tests bearbeitet. Beispielsweise sollten sie sich eine 15 Worte umfassende Liste über mehrere Durchgänge hinweg einprägen und anschließend wiedergeben.

Wie erwartet lösten die jüngeren Probanden die Aufgaben im Mittel besser als die älte­ren. Auffällig war laut den Forschern jedoch, dass diejenigen älteren Probanden, deren Locus coeruleus denen der jüngeren Probanden ähnelte, höhere Gedächtnisleistungen zeigten als ältere Versuchsteilnehmer, deren Locus coeruleus deutliche Anzeichen alte­rungs­bedingter Veränderungen aufwies.

Bei Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz sind im Locus coeruleus laut den Forschern neuropathologische Veränderungen bereits sichtbar, bevor die ersten Verhaltensände­run­gen auftreten. Diese Periode könnte daher ein Zeitfenster darstellen, in dem die Krank­heitsentwicklung noch zu beeinflussen sei, hieß es. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. November 2019
Göttingen – Wissenschaftler der Abteilung Zelluläre Neurobiologie der Universität Göttingen sind einem alternativen Erythropoietin-Rezeptor auf der Spur, der möglicherweise Nervenzellen vor dem
Erythropoietin-Rezeptor könnte für Neuroprotektion genutzt werden
16. Oktober 2019
Bonn – Eine neue Studie liefert eine mögliche Erklärung dafür, wie sich ein epileptischer Anfall über das Gehirn ausbreiten kann. Wissenschaftler aus Bonn und aus Lissabon vermuten, dass bei manchen
Störungen bei Hemm-Zellen begünstigen epileptischen Anfall
4. Oktober 2019
Nantes – Nach einem Kreislaufstillstand und erfolgreicher Reanimation hat eine moderate therapeutische Hypothermie offenbar auch dann einen günstigen Effekt auf das neurologische Ergebnis komatöser
Kreislaufstillstand: Hypothermie auch bei nichtschockbarem Rhythmus vorteilhaft
6. September 2019
Oxford – Britische Forscher haben in einer genomweiten Assoziationsstudie 4 Genvarianten entdeckt, die zu einer Linkshändigkeit prädisponieren. Sie waren laut ihrem Bericht in Brain (2019; doi:
Linkshändigkeit: Genvarianten verändern Architektur in Sprachregionen
5. September 2019
Bonn – Auch ältere Nervenzellen des Zentralnervensystems (ZNS) haben das Potenzial, Beschädigungen ihrer Struktur zu beheben – ähnlich wie junge Zellen. Dies berichten Wissenschaftler um Frank Bradke
Proteinfamilie unterstützt Regeneration beschädigter Nervenzellen
30. August 2019
San Diego – US-Forscher haben aus Stammzellen erbsengroße Organoide der menschlichen Hirnrinde im Labor gezüchtet. Laut ihrem Bericht in Cell Stem Cell (2019; doi: 10.1016/j.stem.2019.08.002)
Mini-Gehirne im Labor zeigen komplexe EEG-Aktivität „wie bei Frühgeborenen“
29. August 2019
San Francisco – Eine seltene Variante im Gen des Beta1-Adrenozeptors sorgt dafür, dass mehrere Mitglieder einer Familie mit weniger als sechs Stunden Schlaf am Tag auskommen. Die Entdeckung in Neuron
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER