NewsAuslandLage im Flüchtlingslager auf Lesbos nach Feuer angespannt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Lage im Flüchtlingslager auf Lesbos nach Feuer angespannt

Montag, 30. September 2019

Migranten und Flüchtlinge stehen neben ausgebrannten Hauscontainern im Flüchtlingslager Moria. /picture alliance, Angelos Tzortzinis

Athen/Lesbos – Nach dem Tod einer Frau und möglicherweise auch ihren zwei Kindern im Migrantenlager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos bleibt die Lage im Camp äußerst angespannt. Zuvor war es nach dem Bekanntwerden des Todes in dem überfüll­ten Auffanglager zu schweren Unruhen gekommen.

„Es kann jeden Moment wieder losgehen“, sagte der Bürgermeister der Inselhauptstadt Mytilini, Stratos Kytelis, im griechischen Fernsehen. Ausschreitungen gab es aber heute nicht mehr. Im Lager harren mehr als 13.000 Migranten aus – bei einer angepeilten Ka­pazität von nur 3.000 Menschen.

Anzeige

Bei der Zahl der Opfer herrschte Unklarheit: Nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums in Athen war bei dem gestrigen Brand in einer Containerwohnung eine Frau ums Leben gekommen. Der Vertreter der humanitären Organisation Ärzte der Welt, Dimitris Patetsos, sagte dagegen griechischen Medien, die tote Frau habe zwei Kinder gehabt.

„Ich glaube nicht, dass man etwas (von den Kindern) finden wird. Von den Containern sind nur noch die Skelette übrig geblieben“, sagte er dem Nachrichtenportal Protothema. Zuvor hatte das Staatsfernsehen und der Gouverneur der Region, Kostas Moutzouris, von zwei Toten – der Frau und einem Kind – berichtet.

Zudem seien nach Angaben des Rettungsdienstes 16 Menschen verletzt worden. Alle sind laut Ge­sund­heits­mi­nis­terium außer Lebensgefahr. Das Feuer war nach ersten Erkennt­nis­s­en der Feuerwehr in der Küche oder nach einem Kurzschluss in einem Wohncontainer ausge­brochen. „Brandstiftung schließe ich aus“, sagte ein Sprecher des Bürgerschutz­mi­nisteriums im Staatsfernsehen (ERT).

Wie ERT weiter berichtete, will Athen die Asylverfahren beschleunigen, damit mehr Mi­gran­ten zurück in die Türkei geschickt werden. Dies sei beschlossen worden bei einer Sit­zung des Ministerrates unter Vorsitz des Regierungschefs Kyriakos Mitsotakis. Bereits ver­gangene Woche hatte Athen beschlossen, mehr als 10.000 Migranten von den Inseln zum Festland zu bringen.

Angesichts der katastrophalen Zustände in Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln pocht die Bundesregierung auf mehr und schnellere Rückführungen von dort in die Tür­kei. Dies sei ein Teil der Lösung, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert heute in Berlin. Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl forderte die sofortige Evakuierung der Flüchtlinge von den Inseln. Andere EU-Staaten und Deutschland sollten sie aufnehmen.

Eine Sprecherin der EU-Kommission sprach mit Blick auf das Feuer von einem „wirklich tragischen Vorfall“, den man tief bedauere. Zugleich verwies sie heute darauf, dass die EU-Kommission die griechischen Behörden unterstütze und Notfallmaßnahmen getroffen worden seien.

Nachdem am Vortag der Tod der Frau bekannt wurde, gingen Hunderte aufgebrachte Mi­granten – meist Jugendliche – auf die Polizei und die Beamten los, die im Lager arbeite­ten.

„Kill the Police“ (Tötet die Polizei) skandierten sie, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizisten von Lesbos, Wasilis Rodopoulos, dem Nachrichtensender Protothema. Sie hätten Steine und andere Gegenstände geschleudert und Feuer gelegt, hieß es. Die Poli­zei setzte massiv Tränengas ein, um die aufgebrachten Migranten zurückzudrängen, be­richteten Reporter.

Auf den der Türkei vorgelagerten Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos sind derzeit rund 30.000 Flüchtlinge unter teils prekären Umständen untergebracht, weil der Zustrom von Migranten aus der Türkei in den vergangenen Wochen zugenommen hat. Es ist die höchste Zahl an Migranten, die seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016 auf diesen Inseln lebt. Im April war die Zahl der auf den Inseln lebenden Migranten auf 14.000 zurückgegangen.

Der Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die EU alle Flüchtlin­ge und Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurück­schicken kann. Die Bearbeitung der Asylanträge kommt wegen Personalmangels jedoch auf den griechischen Inseln nur mühsam voran. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. November 2019
Athen – Mehr als 1.350 Migranten sind in den vergangenen Tagen auf den griechischen Ägäis-Inseln angekommen. Die griechische Küstenwache rettete nach eigenen Angaben zwischen dem vergangenen Freitag
Mehr als Tausend Migranten erreichen griechische Inseln
12. November 2019
Berlin – Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) kritisiert, dass viele traumatisierte Asylsuchende in Deutschland keinen Therapieplatz
Tausende traumatisierte Flüchtlinge ohne Therapieplatz
11. November 2019
Abuja – Menschenrechtler prangern den Umgang mit psychisch kranken Menschen in Nigeria an. Tausende von ihnen würden missbraucht, gefoltert und in Ketten gefangen gehalten, heißt es in einer heute
Menschenrechtler beklagen Folter an psychisch Kranken in Nigeria
8. November 2019
Idlib – Das von den Malteser unterstützte und vom Partner „Hand in Hand“ betriebene Kafr-Nobl-Krankenhaus in Idlib ist vorgestern innerhalb von fünf Minuten von drei Luftangriffen getroffen worden.
Syrien: Krankenhaus in Idlib nach Bombardierung außer Betrieb
7. November 2019
Sanaa – Ein von Ärzte ohne Grenzen geführtes Krankenhaus in Mokka im Südwesten des Jemen ist gestern durch einen Luftangriff auf ein benachbartes Militärlager teilweise zerstört worden. Zum Zeitpunkt
Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im Jemen bei Luftangriff teilweise zerstört
4. November 2019
Gera/Mühlhausen – Ob persisch, tigrinisch oder somalisch: Thüringer Vereine, Behörden und Ärzte finden inzwischen innerhalb kurzer Zeit problemlos den richtigen Dolmetscher für Zugewanderte. Grund
Großes Interesse an Videodolmetscher in Thüringen
4. November 2019
Berlin – Nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) kommen mehr afrikanische Migranten auf den Routen zur Küste ums Leben als bei den Fahrten über das Mittelmeer. „Wir gehen davon aus, dass
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER