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Medizin

Darmkrebs: Zytostatikafreie Tripeltherapie verlängert Leben bei BRAF V600E-Mutationen

Dienstag, 1. Oktober 2019

Kateryna_Kon - stock.adobe.com

Barcelona – Eine zytostatikafreie Tripeltherapie mit dem MAK-Inhibitor Encorafenib, dem MEK1-Inhibitor Binimetinib und dem EGFR-Antikörper Cetuximab hat in einer offenen Phase 3-Studie die Überlebenszeiten von Patienten mit metastasiertem Darmkrebs und BRAF V600E-Mutationen im Tumor verlängert. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology in Barcelona vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2019; DOI: 10.1056/NEJMoa1908075) publiziert.

BRAF V600E-Mutationen können das Wachstum von Krebszellen fördern und die Prognose der Patienten deutlich verschlechtern. Der MAP-Kinase-Inhibitor Encorafenib wurde entwickelt, um die Auswirkungen der BRAF V600E-Mutationen zu verhindern. Encorafenib ist seit Ende letzten Jahres in Kombination mit dem MEK1-Inhibitor Binimetinib zur Behandlung des malignen Melanoms zugelassen, wo BRAF V600E-Mutationen besonders häufig auftreten.

Beim Kolorektalkarzinom findet sich die Mutation bei etwa 15 % der Patienten im metastasierten Stadium. Die BEACON CRC-Studie hat untersucht, ob Encorafenib die Überlebenszeiten von Patienten mit BRAF V600E-Mutationen im Tumor verlängern kann, bei denen es nach einer oder zwei Chemotherapien erneut zu einem Tumorwachstum gekommen war. Encorafenib wurde bei den Patienten mit Cetuximab kombiniert (Doppeltherapie), da es nach der BRAF-Hemmung häufig zu einer Aktivierung des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) kommt. Bei einem Teil der Patienten wurde Encorafenib mit Binimetinib kombiniert, was zusammen mit Cetuximab eine Tripeltherapie ergibt.

Doppel- und Tripeltherapie wurden in der offenen Studie an 240 Zentren in 15 Ländern (mit deutscher Beteiligung) an 665 Patienten mit einer konventionellen Therapie nach Wahl der Onkologen verglichen: Cetuximab war hier entweder mit Irinotecan oder mit FOLFIRI (Folsäure plus 5-Fluorouracil) kombiniert. Primärer Endpunkt war die Überlebenszeit der Patienten, die infolge der BRAF V600E-Mutationen auf bis sechs Monate geschätzt wurde.

Wie ein Team um Josep Tabernero vom Vall d’Hebron Institut d’Oncologia in Barcelona jetzt berichtet, lebten die Patienten unter der Tripeltherapie noch median 9,0 Monate gegenüber 5,4 Monate in der Kontrollgruppe. Die Hazard Ratio von 0,52 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,39 bis 0,70 hoch signifikant. In der Tripeltherapie-Gruppe sprachen insgesamt 26 % (18 bis 35 %) auf die Behandlung an gegenüber 2 % (0 bis 7 %) in der Kontrollgruppe.

Die Doppeltherapie (ohne Binimetinib) verlängerte die mediane Überlebenszeit auf 8,4 Monate (Hazard Ratio 0,60; 0,45 bis 0,79), sie war also kaum weniger effektiv. Die Hazard Ratio für den Vergleich zwischen Tripel- und Doppeltherapie betrug 0,79 und verfehlte bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,59 bis 1,06 das Signifikanzniveau.

Die Nebenwirkungen entsprachen laut Tabernero den Erwartungen. Unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher traten in der Tripel-Therapiegruppe bei 58 % der Patienten und in der Doppel-Therapiegruppe bei 50 % der Patienten auf gegenüber 61 % in der Kontrollgruppe.

Die häufigsten Nebenwirkungen in der Tripel-Therapiegruppe waren Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie eine akneiforme Dermatitis. In den Laborwerten wurden am häufigsten ein Abfall des Hb-Werts und eine Anämie gefunden. Die Verträglichkeit war in der Tripel-Therapiegruppe etwas schlechter als in der Doppel-Therapiegruppe, es kam jedoch nicht wesentlich häufiger zu Therapieabbrüchen.

© rme/aerzteblatt.de
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