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Medizin

Neurologen erproben personalisierte Therapien bei Glioblastom

Dienstag, 1. Oktober 2019

/dpa

Stuttgart – Für Patienten mit Glioblastom stehen erste personalisierte Behandlungsansätze zur Verfügung. So können Ärzte mit einem molekularen Marker im Vorfeld prüfen, ob Patienten besser von einer Chemotherapie profitieren. Ganz aktuell sind neue Formen der sogenannten personalisierten therapeutischen Impfung, wodurch die Glioblastome für das Immunsystem angreifbar gemacht werden. Das haben Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) Ende September in Stuttgart berichtet.

Die MGMT-Promotor-Methylierung ist danach ein aussagekräftiger Marker, um den Erfolg einer Chemotherapie mit Temozolomid bei Glioblastompatienten vorherzusagen. Eine solche Therapie ist bei Patienten mit positiver MGMT-Promotor-Methylierung wirksamer als die bisherige Standardtherapie. Eine solche Methylierung liegt bei etwa einem Drittel der Erkrankten vor (DOI: 10.1016/S0140-6736(18)31791-4).

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Doch was ist mit der Mehrheit der Patienten, die keine positive MGMT-Promotor-Methylierung aufweisen? „Bei ihnen wurde versucht, neue zielgerichtete Substanzen, Antikörper und sogenannte ‚small molecules‘, einzusetzen, doch bislang mit geringem Erfolg. Die bisherigen Studien hatten unselektiert alle Glioblastom-Patienten mitein­geschlossen und nicht nach spezifischen molekularen Veränderungen ausgewählt. Mit diesem Gießkannenprinzip konnten keine signifikanten Therapieerfolge erzielt werden“, erläuterte Ghazaleh Tabatabai, Leiterin der Interdisziplinären Sektion Neuroonkologie, Tübingen, in Stuttgart.

Die neue „NCT Neuro Master Match”-Studie schließt daher Glioblastom-Patienten mit negativer MGMT-Promotor-Methylierung ein und beginnt zunächst mit einer umfassenden molekularen Charakterisierung des Tumorgewebes. Ziel dieser Untersuchungsphase ist es, in der anschließenden Behandlungsphase eine Zuordnung zu einem Medikament zu gewähr­leisten, das passgenau das vorhandene molekulare Profil angreift.

Die Studien­teilnehmer werden gemäß der unterschiedlichen Tumorbiologie stratifiziert und in Sub­studien einge­schlossen, in denen sie die zielgerichtete Therapie erhalten, die am besten zur molekularen Tumorbiologie passt und die höchste Aussicht auf Erfolgt hat. Getestet werden unter anderem die Substanzen Alectinib, Idasanutlin, Palbociclib, Vismodegib, und Temsirolimus.

Eine weitere vielversprechende individualisierte Therapie beim Glioblastom ist laut Tabatabei die personalisierte Tumorimpfung (DOI: 10.1038/d41586-018-07728-9).
„Bei der Strategie der therapeutischen Krebsimpfung trifft die Bezeichnung personalisierte Therapie in besonderem Maße zu“, betonte sie. Allerdings sei die Herstellung des Impfstoffs „extrem aufwendig“. Eine breite Anwendung in der klinischen Routine sei daher noch nicht möglich. „Es steht zunächst die Weiterentwicklung dieser Strategie in klinischen Studien an“, so Tabatabei. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #788679
52bf524nr4n3
am Mittwoch, 16. Oktober 2019, 10:42

Wie erhält man so eine Therapie

Mein Vater ist an Glioblastom erkrankt. In dem patalogischen Bericht steht, dass der Thumor eine positive MGMT-Promotor-Methylierung auffweist. Natürlich ist nun die Hoffnung da, dass uns geholfen werden kann. Ist das noch eine Studie? Wie kann man daran teilnehmen? Ich hoffe Sie können uns helfen?
Lilli Laukert (laukertlilli@yahoo.de)
LNS

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