NewsMedizinHauptstammstenose: Stent und Bypass auch nach 5 Jahren annähernd gleichwertig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hauptstammstenose: Stent und Bypass auch nach 5 Jahren annähernd gleichwertig

Dienstag, 1. Oktober 2019

/lom123, stock.adobe.com

New York – Eine perkutane koronare Intervention (PCI) kann bei Patienten mit Stenosen im Hauptstamm der linken Koronararterie langfristig gleich gute Ergebnisse erzielen wie eine Bypass-Operation. Zu diesem Fazit kommt eine internationale Vergleichsstudie nach einer Beobachtungszeit von 5 Jahren.

Die auf einer Fachtagung in San Francisco vorgestellten und im New England Journal of Medicine (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1910836) publizierten Ergebnisse zeigen jedoch, dass es zwischen den beiden konkurrierenden Behandlungen durchaus Unterschiede gibt.

Anzeige

Kardiologen führen die PCI heute auch bei der Hauptstammstenose durch, die lange Zeit eine klare Indikation für eine Bypass-Operation war. Ob die Implantation eines Medika­men­ten-freisetzenden Stents gleich gute Ergebnisse erzielt, wie eine offene Herzopera­tion, die einen permanenten Umgehungskreislauf für das Blut schafft, ist weiterhin um­stritten. Viele Herzchirurgen sind überzeugt, dass die Bypässe langfristig überlegen sind.

Die EXCEL-Studie hat beide Ansätze verglichen. Bis zum März 2014 wurden an 126 Zent­ren in 17 Ländern 1.905 Patienten auf beide Therapien randomisiert. Die Patienten hatt­en Stenosen im Hauptstamm der linken Koronararterie von niedriger oder mittelgradiger anatomischer Komplexität (SYNTAX-Score 32 oder niedriger), die die Platzierung eines Stents ermöglichte.

Die Patienten waren bei Beginn der Studie im Mittel 66 Jahre alt. Inzwischen sind 5 Jahre seit der Behandlung vergangen. Bei etwa einem Fünftel der Patienten ist es zu einem Herz­infarkt, Schlaganfall oder zum Tod gekommen. Dieser primäre Endpunkt der Studie wurde in der PCI-Gruppe bei 22 % der Patienten erreicht gegenüber 19,2 % der Bypass-Patienten. Das deutet auf einen leichten Vorteil der Bypass-Operation hin. Doch die Diffe­renz von 2,8 Prozentpunkten verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,9 bis 6,5 Prozentpunkten das Signifikanzniveau.

Die Ergebnisse stimmten laut dem Team um Gregg Stone vom Mount Sinai Health System in New York in allen wichtigen Untergruppen überein: Die PCI erreichte bei Patienten mit und ohne Diabetes und bei niedrigeren und höheren SYNTAX-Werten gleich gute Ergeb­nisse wie eine Bypass-Operation.

Die Ergebnisse waren jedoch nicht zu allen Zeitpunkten gleich. In den ersten 30 Tagen trat der Endpunkt in der PCI-Gruppe signifikant seltener auf (Hazard Ratio 0,61; 0,42 bis 0,88), was an der höheren Komplikationsrate der offenen Herzoperation im Vergleich zur Herzkatheterbehandlung gelegen haben dürfte. Im Zeitraum von 30 Tagen bis zu einem Jahr waren die Ergebnisse in beiden Gruppen in etwa gleich gut (Hazard Ratio 1,07; 0,68 bis 1,70).

Im Zeitraum zwischen einem und 5 Jahren waren dann die Ergebnisse nach der PCI schlechter (Hazard Ratio 1,61; 1,23 bis 2,12). Bei einem Blick auf die Kaplan-Meier-Kurve erscheint es nicht ausgeschlossen, dass sich auf Dauer doch noch ein signifikanter Vorteil der Bypass-Operation ergeben könnte, wenn die Studie noch weiter fortgesetzt würde (was aber offenbar nicht geplant ist).

In dem härtesten Endpunkt, einem Tod aus jeglicher Ursache, zeigte sich ebenfalls ein mit der Zeit zunehmender Vorteil der Herzoperation. Von den Stent-Patienten sind bisher 13 % gestorben gegenüber 9,9 % der Bypass-Patienten. Die Differenz von 3,1 Prozent­punk­ten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,2 bis 6,1 signifikant. Auch hier ha­ben sich die Überlebenskurven seit etwa anderthalb Jahren nach der Behandlung immer weiter auseinander entwickelt und die Vorteile der Bypass-Operation scheint mit der Zeit zuzunehmen.

Stone argumentiert jedoch, dass 18 der 30 zusätzlichen Todesfälle in der PCI-Gruppe keine kardiovaskuläre Ursache hatten. Insgesamt war die Häufigkeit der kardio­vaskulären Todesfälle in der PCI-Gruppe mit 5 % gegenüber 4,5 % in der Bypass-Gruppe nur leicht erhöht. Die Differenz von 0,5 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 1,4 bis 2,5 Prozentpunkten nicht signifikant.

Auch Herzinfarkte traten langfristig nach der PCI tendenziell häufiger auf (10,6 versus 9,1 %). Die Differenz von 1,4 Prozentpunkten war jedoch mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 1,3 bis 4,2 Prozentpunkten nicht signifikant.

Noch deutlicher war der Nachteil bei den durch Ischämien ausgelösten Revaskulari­sie­run­gen: Sie wurden in der PCI-Gruppe in den 5 Jahren bei 16,9 % der Patienten notwen­dig gegenüber 10 % in der Bypass-Gruppe. Die Differenz von 6,9 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,7 bis 10 Punkten signifikant.

Nur Schlaganfälle sind im gesamten Verlauf der Nachbeobachtung in der PCI-Gruppe tendenziell seltener aufgetreten (2,9 versus 3,1 %. Die Differenz von 0,8 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,9 bis 2,4 Prozentpunkten nicht signifikant.

Stone kommt am Ende zu dem Ergebnis, dass beide Behandlungen gleichwertig sind. Viele Herzchirurgen dürften dies weiterhin anders sehen und für ihre Meinung auch Argumente in der Studie finden. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #717046
unobass2
am Dienstag, 1. Oktober 2019, 19:01

Vergleich PCI-/ Op-Klientel

Ist in der Studie auch berücksichtigt, dass sicherlich bei einigen Patienten aufgrund anderer Vorerkrankungen primär von einer Op abgesehen und das deutlich weniger invasive PCI-Procedere gewählt wurde?
LNS

Nachrichten zum Thema

10. Oktober 2019
Münster – Die Verwendung von Paclitaxel-beschichteten Ballons oder Stents zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) war bei deutschen Kassenpatienten nicht mit einem Anstieg
Paclitaxel-Stents: Kein erhöhtes Sterberisiko unter Barmer-Patienten
30. September 2019
New York – Die duale antithrombozytäre Therapie, die bei Patienten nach einer perkutanen koronaren Intervention (PCI) eine Stentthrombose verhindern soll, kann bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko
Acetylsalicylsäure kann drei Monate nach perkutaner koronarer Intervention abgesetzt werden
19. September 2019
Berlin – Nicht bei jedem Patienten mit Verdacht auf eine stabile koronare Herzkrankheit (KHK) muss eine invasive Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt werden. Die europäische Leitlinie empfiehlt eine
Myokardszintigrafie könnte mehr unnötige Herzkatheter verhindern
2. September 2019
Hamilton – Eine perkutane koronare Intervention (PCI), die zur Behandlung eines akuten Myokardinfarkts durchgeführt wird, bietet bei Patienten mit Mehrgefäßerkrankung die Möglichkeit, Stenosen in
STEMI: PCI in unbeteiligten Koronarien kann weiteren Herzinfarkten vorbeugen
26. Juli 2019
Freiburg – Ärzte und Forscher des Universitäts-Herzzentrums Freiburg, Bad Krozingen, arbeiten gemeinsam mit Ingenieuren an einem bioresorbierbaren Gefäßwand-Stent aus dem Spurenelement Zink. Das
Resorbierbarer Gefäßwand-Stent in der Entwicklung
14. Juni 2019
Silver Spring/Maryland und Bonn – Die Ergebnisse einer Metaanalyse, nach der mit Paclitaxel beschichtete Ballons oder Stents langfristig die Mortalität von Patienten mit peripherer arterieller
Periphere Verschlusskrankheit: Erhöhen mit Paclitaxel beschichtete Ballons und Stents langfristig die Mortalität?
31. Mai 2019
Minneapolis – Die endovaskuläre Aneurysmaausschaltung, bei der die Wand der Aorta von innen durch einen Stent stabilisiert wird, hat in einer US-Langzeitstudie gleich gute Ergebnisse erzielt wie eine
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER