NewsÄrzteschaftKritik an Ausgestaltung des Disease-­Management­-Programms Rückenschmerz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Kritik an Ausgestaltung des Disease-­Management­-Programms Rückenschmerz

Dienstag, 1. Oktober 2019

/fizkes, stockadobecom

Berlin – Der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) und die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) haben die Ausgestaltung des Disease-Management-Programms (DMP) „Chronischer Rückenschmerz“ kritisiert.

Patienten mit länger als zwölf Wochen andauernden Kreuzschmerzen mit deutlichen Ak­tivitätseinschränkungen, die auf eine leitliniengerechte Behandlung nicht angesprochen haben, können künftig an diesem strukturierten Behandlungsprogramm teilnehmen.

Anzeige

Die beiden Verbände begrüßen das DMP zwar im Grundsatz, jedoch berücksichtigt es ihrer Meinung nach aktuelle Erkenntnisse der multimodalen Schmerztherapie zu wenig. Bei schweren Krankheitsverläufen fehle in dem DMP zum Beispiel die Erfassung von psy­chosozialen Risikofaktoren. Auch sei nicht erkennbar, wann und unter welchen Bedingun­gen eine Weiterleitung zur multimodalen Schmerztherapie angezeigt sei.

Die Verbände kritisieren außerdem, dass der koordinierende Arzt vor Einschreibung in das DMP prüfen soll, ob eine medizinische Rehabilitation sinnvoll sei. „Hier wird die Priorität der kurativen Versorgung, die der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) selbst eindeutig formuliert, untergraben“, erklärten BVSD und DGS.

Die beiden Verbände begrüßen hingegen, dass multimodale Schulungen in dem DMP vor­gesehen sind. Allerdings müsse deren Umsetzung klarer geregelt werden: So seien die Inhalte der multimodalen Schulungen für Hausärzte bisher nicht definiert.

Schulungs­angebote sollten nach schmerzmedizinischer Auffassung disziplinenübergrei­fend konzi­piert sein, das heißt medizinische, verhaltenstherapeutische und verhaltens­the­rapeu­tisch orientierte bewegungstherapeutische Inhalte umfassen. „Sie müssten von qualifizierten Therapeuten durchgeführt werden“, so BVSD und DGS.

Der G-BA hatte Mitte April die inhaltlichen Anforderungen an das neue DMP beschlossen. Die Krankenkassen können von Oktober an mit Ärzten oder Krankenhäusern Verträge zur praktischen Umsetzung des Programms abschließen.

„Wir haben hohe Erwartungen an das neue Programm, wir gehen davon aus, dass es die medizinische Versorgung der Patienten mit chronischem Rückenschmerz verbessern wird“, hatte Elisabeth Pott, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unter­ausschusses DMP, erklärt.

Die Schwierigkeit bei der Entwicklung der einzelnen Bausteine bestünde – trotz einer guten wissenschaftlichen Erkenntnislage in Form von medizinischen Leitlinien – darin, dass Rückenschmerz kein klar umrissenes Krankheitsbild darstellten. Vielmehr handle es sich um Symptome mit unterschiedlichen Ursachen. Im DMP werde, um eine Fehlversor­gung zu vermeiden, großer Wert auf eine gesicherte Diagnose gelegt. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. August 2019
Berlin – Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) haben nach langer und hitziger Debatte das inzwischen 9. Disease-Management-Programm (DMP) beschlossen. Nachdem im April das DMP Rücken
G-BA beschließt einstimmig das DMP Depression
2. Juli 2019
Hamburg/Berlin – Mit dem Faire-Kassenwahl-Gesetz will Bundesgesundheitsmnister Jens Spahn (CDU) die Programmkostenpauschale für die Disease-Management-Programme (DMP) streichen. Die Ärzte hatten sich
Bundesländer setzen sich für Erhalt der DMP-Programmkostenpauschale ein
14. Juni 2019
Berlin – Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin hat sich auf ihrer gestrigen Sitzung gegen Inhalte des Faire-Kassenwahl-Gesetzes ausgesprochen. In der Kritik steht
KV Berlin gegen Streichung der DMP-Programmkostenpauschale
9. Mai 2019
Köln – Bei fast allen Aspekten des Chronikerprogramms (Disease-Management-Programm, DMP) zu Diabetes mellitus Typ 2 gibt es neue Erkenntnisse. Das berichtet das Institut für Qualität und
Chronikerprogramm zu Diabetes Typ 2 in Teilen veraltet
6. Mai 2019
Berlin – Die Allianz deutscher Ärzteverbände wertet die verschiedenen Regelungen des „Gesetzes für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung“ (Faire-Kassenwahl-Gesetz, kurz:
Geplante Kürzungen bei Chronikerprogrammen weiter in der Kritik
24. April 2019
Berlin – Der Referentenentwurf des „Gesetzes für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung“ sorgt weiter für Diskussionen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der
Ärzte gegen geplante Streichung der DMP-Förderung
18. April 2019
Berlin – Der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) hat in einer phasenweise turbulenten Sitzung das lang geforderte Disease Management Programm (DMP) Rücken beschlossen. Sofern das
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER