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Depression noch immer Tabuthema

Dienstag, 1. Oktober 2019

/hikdaigaku86, stockadobecom

Berlin – In Deutschland braucht es mehr Aufmerksamkeit und intensivere Aufklärung über Depressionen, damit die Erkrankung bei Betroffenen rechtzeitig erkannt wird. „Das gelingt nur, wenn in unserer Gesellschaft offen über Depressionen gesprochen wird und Betroffene und ihr Umfeld der Krankheit gemeinsam und entschlossen begegnen“, sagte Detlef Dietrich, ärztlicher Direktor der Burghof-Klinik in Rinteln, anlässlich des heu­tigen 16. Europäischen Depressionstages. Dietrich ist Vertreter der European Depression Asso­ciation (EDA) in Deutschland.

Obwohl Depressionen zu den Volkskrankheiten zählten, seien sie vielfach immer noch ein Tabuthema, kritisierte er. In Deutschland seien jedes Jahr circa 5,3 Millionen Menschen von einer Depression betroffen. Die Erkrankung sei unter anderem ein wichtiger Grund für Suizide, Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung.

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„Depressionen können wirkungsvoll behandelt werden, insbesondere wenn sie frühzeitig erkannt werden. Das setzt voraus, dass die Betroffenen über ihre Erkrankung informiert sind und hierüber sprechen. Einer der ersten Ansprechpartner ist der Hausarzt“, so Diet­rich.

„Depressionen sind in der Gesellschaft und Arbeitswelt noch immer ein heikles Thema“, bestätigte auch Iris Hauth, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Aus Angst vor Stig­ma­tisierung verheimlichten viele Betroffene ihre Krankheit zu lange und versuchten, „irgendwie weiterzumachen“, so die ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Kran­kenhauses in Berlin-Weißensee.

Die Fachgesellschaft fordert einen offenen Umgang und ein stärkeres politisches und gesellschaftliches Engagement für Aufklärung, Prävention, Therapie und Rehabilitation von Depressionen.

Die EDA ist eine Allianz aus Experten und Erfahrenen sowie medizinischen Fachkräften und Organisationen aus 17 europäischen Ländern. Seit 2004 setzen sich ihre Mitglieder dafür ein, das Bewusstsein der Bevölkerung für die Volkskrankheit Depression zu stärken. Der Europäische Depressionstag betont in diesem Jahr die Bedeutung offener Kommu­ni­ka­­tion über Depression mit dem Motto: „Der Depression heute gemeinsam und entschie­den begegnen!“

Laut EDA sind in Europa etwa 50 Millionen Menschen mindestens einmal in ihrem Leben von einer Depression oder depressiven Phase betroffen, das entspricht elf Prozent der Be­völkerung. Knapp vier Millionen Deutsche seien aktuell an Depressionen erkrankt. Aber nach Expertenschätzungen erhalte lediglich ein Drittel der in Deutschland Erkrank­ten professionelle Hilfe. Dies liege vor allem an Unwissen, Vorurteilen und dem immer noch vorherrschenden Stigma psychischer Erkrankungen, so die EDA. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #687412
MeHans
am Freitag, 4. Oktober 2019, 11:24

Depression gut behandelbar?

Überall, selbst in Fachzeitschriften, liest man, dass Depression gut behandelbar sei. Wenn man genauer nachforscht, findet man nur eine Erfolgsquote von jeweils ca. 60% - sowohl bei Psycho-, als auch bei Pharmakotherapie. Warum sagt man den Leuten nicht die Wahrheit? Weil man meint, sie dadurch vor Suizide/Suizidversuche zu bewahren? Das Vertrauensverhältnis zählt dagegen nichts?
Vielleicht sucht ja auch deswegen nur ca. 1/3 der Kranken eine Therapiemöglichkeit, weil sie sich nicht viel davon versprechen?

Wie wäre es denn, die Hauptursache für Depression, den Stress, der in heutiger Zeit massiv zugenommen hat, als erstes zu bekämpfen, d.h. insgesamt zu reduzieren?
Stattdessen wird versucht, die Leute an den gestiegenen Stress anzupassen: durch Antidepressiva, durch Meditation, Yoga, Achtsamkeit etc.
Insgesamt ist man doch überzeugt, dass Prävention besser sei als eine Therapie der Erkrankung. Warum nicht auch hier?

Gerade in einer Zeit, in der sowieso fast alles im Übermass geschieht, so dass man auch gleichzeitig einen Grund hätte, hier Grenzen zu ziehen - zum Wohle der Umwelt UND der Gesundheit der Menschen!
LNS

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