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Politik

Neue Zeitrechnung für Qualitätsmessung in Pflegeheimen

Dienstag, 1. Oktober 2019

/dpa

Berlin – Für Pflegeheime startet ab dem 1. Oktober die neue Sammlung für Qualitätsdaten in der pflegerischen Versorgung. Damit werden die bisherigen viel kritisierten Pflegenoten abgeschafft und durch ein neues Kriteriensystem verändert. Dafür wurden von der UniversitätBielefeld und dem AQUA-Institut in Göttingen 15 Bewertungskriterien entwickelt, die der Spitzenverband der Krankenkassen sowie der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen heute in Berlin vorstellten.

Für die rund 13.000 Heime in Deutschland beginnen ab dem 1. November die Qualitäts­erhebungen nach einem neuen zweistufigen Verfahren. Alle Heime sollen bis Ende 2020 geprüft worden sein. Für die neue Prüfung sollen die Heime in zehn Bereichen selbst Daten liefern – in dieses interne Qualitätsmanagement gehören zum Beispiel Indikatoren wie Mobilität der Bewohner, Sturzfolgen, Gewichtsverlust oder den Erhalt des selbstständigen Lebens. Diese Faktoren soll bei jedem Bewohner zwei Mal pro Jahr gemessen und an eine Datenstelle gemeldet werden. Daraus bildet sich ein Durchschnitt, der künftig für alle Häuser gelten soll.

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In einer zweiten Stufe kommen alle 14 Monate Prüfer der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, die Qualität der einzelnen Heime zu 24 Aspekten prüfen und dabei auch die Stimmigkeit der gesammelten Daten bewerten. In dieser sogenannten externen Qualitäts­prüfung ist der Katalog umfassender, es gibt zusätzlich Gespräche mit den Heimbewohnern, mit den Mitarbeitern sowie eine Bewertung der Unterstützung von Mobilität und Selbstversorgung.

Im Gegensatz zu den früheren Heimprüfungen nach den alten Pflegenoten, sollen die Prüfer sich nun einen Tag vorher anmelden und jeweils neun Bewohner begutachten. Gleichzeitig sieht der MDS auch die Aufgabe darin, die Heime zu beraten. Wenn Heime eine gute Qualität liefern, sollen sie künftig alle 24 Monate überprüft werden. „Diese Kombination aus internem Qualitätsmanagement und externen Qualitätsprüfungen für die bundesweite Langzeitpflege ist absolut neu“, erklärt Monika Kücking, Leiterin Abteilung Gesundheit beim GKV-Spitzenverband bei der Vorstellung der neuen Systematik.

Sämtlicheschwerwiegenden Defizite werden künftig erkennbar

Bei der Veröffentlichung sollen Pflegebedürftige und Angehörige sehen können, wie gut oder wie schlecht die Heime bei den einzelnen Themen und Bereichen im Vergleich zum Durchschnitt abschneiden. Dargestellt wird auch, ob die Prüfer Qualitätsdefizite fanden - für die einzelnen Prüfpunkte jeweils einzeln. Eine Gesamtbewertung ist nicht geplant. Aber alle schwerwiegenden Defizite würden künftig erkennbar, sagte der Geschäftsführer der Medizinischen Dienste der Krankenkassen, Peter Pick. Eine Gesamtnote, wie bisher, sei wissenschaftlich nicht möglich, erklärten Vertreter des MDS sowie des GKV-Spitzenverbands. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch hatte das Fehlen der Gesamtnote kritisiert.

Freiwillig können die Heime ebenso zusätzliche Ausstattungsmerkmale wie Zimmergröße sowie Balkone oder Garne angeben. Das Kriterium, mit welchen Ärzten ein Heim einen Versorgungsvertrag hat, wird auch nur freiwillig angegeben. Die Personalausstattung mit Pflegekräften soll erfasst, aber nicht als Qualitätsmerkmal abgefragt werden.

Das Auffinden eines geeigneten Heimes sowie der Vergleich soll künftig einfacher werden. „Wir fordern, dass es genügend Filter gibt, wie ich ein gutes Heim für einen Angehörigen finde. In dieser Situation sind Pflegebedürftige keine normalen Konsumenten“, betonte Ines Verspohl, Abteilungsleiterin Sozialpolitik beim Sozialverband VdK. Ebenso sollen die Daten über die Pflegeheime nicht nur auf den Webseiten der Pflegekassen veröffentlicht werden. Sie betonte, dass bei der Entwicklung der neuen Qualitätsmaßstäbe für Pflege die Angehörigenverbände von Beginn an eingebunden waren.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) begrüßte, dass jetzt nach rund vier Jahren der Beratung, ein neues System gestartet wurde. „Der bisherige Pflege-TÜV war leider eine Farce.“ Künftig gehe es darum, wie es den Bewohnern wirklich geht. „Das ist ein Riesen­schritt für mehr Vertrauen ins System.“ Auch die Pflegebeauftragte der SPD-Fraktion, Heike Baehrens, lobte, dass künftig die Qualität der Versorgung im Mittelpunkt stehe. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sprach von einem "guten Tag für all diejenigen, die sich fundiert und objektiv über Pflegeeinrichtungen informieren wollen".

Die Grünen-Expertin Kordula Schulz-Asche forderte die stärkere Einbeziehung der Angehörigen in die Qualitätsprüfungen. Die FDP-Expertin Nicole Westig verlangte einfachere Darstellungen. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, nannte es fraglich, ob die neue Darstellung wirklich eine schnelle Einschätzung bei der Heimsuche bringen werde. © dpa/bee/aerzteblatt.de

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