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Designierte EU-Gesundheits­kommissarin will Kampf gegen den Krebs vorantreiben

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Stella Kyriakidis gestern Abend im Europäischen Parlament in Brüssel /picture alliance/Virginia Mayo/AP

Berlin – Als hohe Priorität für die nächste Europäische Kommission hat die designierte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides den Kampf gegen Krebs bezeichnet. „Es gibt kaum Familien in Europa, die nicht in irgendeiner Weise von der Krankheit betroffen sind“, sagte sie gestern Abend in Brüssel bei ihrer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments, das der Besetzung der Kommission zustimmen muss.

Um den Krebs zu besiegen, müssten alle Aspekte der Erkrankung betrachtet werden, von der Forschung über Prävention, Diagnostik und Therapie bis hin zur Palliativversorgung und den Patientenrechten, sagte Kyriakides. Auch Umweltfaktoren und der Lebensstil müssten stärker in den Fokus rücken. „Allein durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten könnten 30 Prozent der Krebserkrankungen verhindert werden“, sagte die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin.

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Sie betonte zudem, es dürfe beim Zugang zu wirksamen Krebsbehandlungen keine Unter­schiede zwischen den Mitgliedstaaten geben. Zu einem gerechten Zugang zur Versorgung gehöre darüber hinaus, dass Medikamente bezahlbar blieben, sagte sie mit Blick auf die ungewöhnlich hohen Preise, die für manche neuen Arzneimittel gezahlt werden müssen. „Da brauchen wir eine neue Strategie.“

Antibiotikaresistenzen sind eine Zeitbombe

Vorantreiben will die Zypriotin auch internationale Bemühungen, die zunehmenden Resistenzen bei Antibiotika einzudämmen. „Das ist eine Zeitbombe“, warnte sie. Sie wolle sich für ein völkerrechtliches Abkommen einsetzen, denn Antibiotikaresistenzen seien ein weltweites Problem. Angesichts von 30.000 Patienten, die jedes Jahr stürben, weil Antibio­tika nicht mehr wirkten, wolle sie sich für eine angemessene Forschungsförderung ein­setzen, sagte Kyriakides. „Wir wollen die Industrie anregen, neue Wirkstoffe zu entwickeln. Europa sollte hier führend werden“, erklärte sie.

Kyriakides, die seit 2006 für die christdemokratische konservative Democratic Rally Party im zypriotischen Parlament sitzt, betonte bei ihrer Befragung, dass sie eng mit dem Europa­parlament und ihren Kolleginnen und Kollegen in der Kommission zusammenarbeiten wolle. Gesundheit sei ein Querschnittsthema in allen Politikbereichen. „Sie hängt auch ab von der Gesundheit unseres Planeten, von Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit“, betonte Kyriakides.

Als Herausforderung sieht sie neben der demografischen Entwicklung und dem Klima­wandel auch die Digitalisierung. Es gelte, die digitalen Technologien für die Gesundheits­versorgung zu nutzen, ohne den Datenschutz zu gefährden. Dazu gehöre auch der Austausch von Gesundheitsdaten, um insbesondere die Forschung und Entwicklung von Therapien gegen seltene Erkrankungen voranzutreiben.

„Das Problem ist, dass nicht alle EU-Mitglied­staaten bei der Digitalisierung auf einer Stufe stehen“, erklärte Kyriakides. „Wir müssen die Staaten, die weniger fortschrittlich sind, ermutigen, mit E-Health voranzukommen.“ Außerdem müssten die Patienten besser informiert werden. Die Bürger benötigten Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen.

Überzeugender Auftritt

Ihr Auftritt vor dem Gesundheitsausschuss brachte Kyriakides viel Beifall ein. Die desig­nierte Gesundheitskommissarin habe ihre Anhörung ausgezeichnet gemeistert und durch Fachwissen und Empathie für die Anliegen der Patientinnen und Patienten überzeugt, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten), Peter Liese im Anschluss an die Anhörung am späten Dienstagabend.

„Ich habe keinerlei Zweifel, dass Stella Kyriakides eine ausgezeichnete Gesundheitskommis­sarin wird. Als eine Frau die seit vielen Jahren Gesundheitspolitik betreibt und auch prak­tische Erfahrung als klinische Psychologin hat, ist ihre fachliche Eignung unbestritten. Dies hat sie heute auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“ © HK/aerzteblatt.de

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