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Präventionsforscher betonen Bedeutung des Darmkrebsscreenings

Dienstag, 8. Oktober 2019

/dpa

Bremen – Scharfe Kritik an einer Empfehlung im British Medical Journal (BMJ) zum Darm­krebsscreening hat das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) geübt. In dem Beitrag (doi 10.1136/bmj.l5515) empfehlen die BMJ-Autoren eine Screening­teil­nahme nur Personen, die mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens drei Prozent in den kommenden 15 Jahren an Darmkrebs erkranken.

Ulrike Haug, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am BIPS, kritisierte nicht nur die Empfehlung selbst, sondern auch die Methodik, mit der diese entstanden ist. Die Au­toren des BMJ-Beitrages haben ein 22-köpfiges Gremium um seine Einschätzung zu dem Scree­ning gebeten. Die bei der Befragung vorgegebenen Antwortmöglichkeiten sind laut BIPS jedoch unangemessen.

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„Es verwundert also nicht, dass letztlich die Schwelle relativ hoch angesetzt wurde und im Resultat sehr restriktive Empfehlungen entstanden sind“, kritisiert Haug. „People with an estimated 15 year risk of colorectal cancer below 3 % – we suggest no screening“, heißt es so unter anderem in der BMJ-Guideline. Würde man diese Empfehlung anwen­den, würde sich insbesondere bei Frauen das Screening insgesamt in höhere Altersgrupp­en verlagern, hieß es aus dem BIPS.

„Bei kaum einer anderen Krebserkrankung gibt es so wirksame Möglichkeiten zur Früher­kennung wie bei Darmkrebs. Hiervon abzuraten, weil eine kleine Gruppe von Fachleuten sich anmaßt, beurteilen zu können, was die Bevölkerung als relevanten Nutzen betrach­tet, erscheint absurd“, kritisiert Haug.

In Deutschland treten ihr zufolge 45 Prozent der Darmkrebserkrankungen bei Frauen auf. „Ich halte es für nicht vertretbar, Frauen vom Darmkrebsscreening abzuraten beziehungs­weise es erst im höheren Alter zu empfehlen. Selbst wenn es dann noch gelingt, Darm­krebs im frühen Stadium zu erkennen, reduziert man die Chance, das Auftreten der Er­kran­kung gänzlich zu verhindern“, so die Wissenschaftlerin.

Problematisch sei außerdem, wie herauszufinden sei, ob das persönliche Risiko, in den nächsten 15 Jahren an Darmkrebs zu erkranken, unter oder über drei Prozent liege. „Die derzeitigen Vorhersagemodelle sind dahingehend noch sehr fehlerhaft“, so Haug.

So würde etwa zwei Dritteln der Frauen, die in den nächsten fünf Jahren an Darmkrebs erkranken, fälschlicherweise vorhergesagt werden, dass ihr Risiko unter drei Prozent liege – und damit würde ihnen gemäß der BMJ-Empfehlung vom Darmkrebsscreening abgera­ten werden, erklärte die BIPS-Wissenschaftlerin.

In Deutschland werden alle Männer und Frauen, sobald sie 50 Jahre alt sind, von ihrer Krankenkasse zur Teilnahme am Darmkrebsscreening eingeladen. Darmspiege­lungen wer­den für Männer ab 50 Jahren, für Frauen ab 55 Jahren zweimal im Ab­stand von zehn Jahren von der Kasse bezahlt. Weitere Einladungen erfolgen – sofern die Versicherten nicht wider­sprechen – jeweils mit dem Erreichen des 55., 60. und 65. Lebensjahres. © hil/aerzteblatt.de

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