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Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer sieht erhöhten Bedarf der „Ressource Arzt“

Mittwoch, 9. Oktober 2019

/dpa

München – Bayern benötigt nach wie vor mehr Medizinstudienplätze. Das hat der Präsi­dent der bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer (BLÄK), Gerald Quitterer, gestern im Vorfeld des 78. Baye­ri­schen Ärzte­ta­ges in München betont.

„Wir brau­chen künf­tig mehr von uns“, sagte er. Sowohl die demo­gra­fi­sche Entwick­lung als auch Arbeits- und Lebens­wel­ten von Ärzten hätten sich verän­dert. Zudem sei eine unge­steu­erte Inan­spruch­nahme der „Res­source Arzt“ durch die Pati­en­ten zu beob­ach­ten.

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Quitterer zufolge handelt es sich nicht um eine falsche Vertei­lung, sondern um einen er­höh­ten Bedarf. In diesem Zusam­men­hang begrüßte Quit­te­rer die Einfüh­rung einer Land­arzt­quote, in der Inter­es­sen­ten für ein Medi­zin­stu­dium jetzt die Möglich­keit haben, un­ab­­­hän­gig von der Abitur­note zuge­las­sen zu werden. Er bezeichnete die Land­arzt­quote als einen Bau­stein zur Lösung des Problems „erhöh­ter Versor­gungs­be­darf“.

Ab dem Winter­se­mes­ter 2020/2021 sollen rund 90 Studi­en­plätze in Bayern pro Jahr (5,8 Prozent) Bewer­bern vorbe­hal­ten sein, die später in unter­ver­sorg­ten oder drohend unter­ver­sorg­ten Regio­nen Bayerns haus­ärzt­lich tätig werden wollen.

In Bezug auf die Notfallversorgung mahnte Quitterer eine Steue­rung der Pati­en­ten in die rich­tige Versor­gungs­ebene je nach Dring­lich­keit an. Bei der Digitalisierung sagte er, dass die Ärzte diese „konstruk­tiv, aber auch kritisch beglei­ten“ werden.

Konstruk­tiv, wenn es um die Verbes­se­rung der Pati­en­ten­ver­sor­gung, kurze Doku­men­ta­ti­ons­wege, verbes­serte Befund­über­mitt­lun­gen, den Einsatz der Tele­kon­sile oder der Tele­me­di­zin bei der Einbin­dung von Versor­gungs­as­sis­tent­en in die Pati­en­ten­be­treu­ung oder die Kommu­ni­ka­tion mit ande­ren Leis­tungs­er­brin­gern gehe.

Kritisch, wenn es um die reine Gewin­nung von Daten gehe, die man belie­bi­gen Algo­rith­men preis­gebe ohne konkrete Frage­stel­lun­gen. Kritisch auch, wenn neue Versor­gungs­ebe­nen geschaf­fen würden, wie die Video-Behand­lung oder Behand­lungs­pfade über Gesund­heits-Apps, die schließ­lich sogar in eine Medi­ka­men­ten­emp­feh­lung münde­ten.

„Hier verlas­sen wir den geschütz­ten Raum der Arzt-Pati­en­ten-Bezie­hung, den persön­li­chen Kontakt“, sagte Quitterer. Dieser Kontakt sei uner­setz­lich. BLÄK-Vizepräsident Wolf­gang Rechl betonte, die ausschließ­li­che Fern­be­hand­lung sei ein Jahr nach dem Beschluss zur Locke­rung der Berufs­ord­nung vielfach keine Option. Vielen Ärzten sei be­wusst, dass es beispiels­weise Haftungs­fra­gen gebe oder sie hätten einfach keine freien Kapa­zi­tä­ten mehr neben dem regu­lä­ren Praxis­be­trieb.

„In der BLÄK regis­trie­ren wir vor allem Inter­esse bei gewerb­li­chen Insti­tu­ten, die in der ausschließ­li­chen Fern­be­hand­lung ein neues und mögli­cher­weise lukra­ti­ves Geschäfts­mo­dell sehen“, so Rechl. Die ärzt­li­chen Kolle­gen zeig­ten weni­ger Inter­esse. Keines­falls sollte mit der Möglich­keit der ausschließ­li­chen Fern­be­hand­lung eine neue Versor­gungs­ebene eröff­net werden, mahnte er.

Vermehrt will sich die BLÄK der Präven­tion widmen, insbe­son­dere in Hinblick auf den Klima­wan­del, der zu verän­der­ten Lebens­be­din­gun­gen und gesund­heit­li­chen Belas­tun­gen führen werde. In der Präven­ti­ons­kom­mis­sion der BLÄK wurde diesem Thema ein eige­ner Stel­len­wert einge­räumt, denn dabei seien Ärzte gefragt. © may/EB/aerzteblatt.de

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