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Medizin

Nierentransplan­tation unter HIV-Infizierten langfristig erfolgreich

Dienstag, 8. Oktober 2019

/dpa

Kapstadt – Die Nieren von HIV-Spendern können offenbar gefahrlos an HIV-infizierte Em­pfänger transplantiert werden. Eine Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (2019; 381: 1387-1389) kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer „Superinfektion“ durch die Spenderorgane gering ist. Resistenzen wurden in keinem Fall übertragen und auch die Organ- und Patientenüberlebensrate war nicht vermindert.

In Südafrika, das weltweit mit die höchste Rate von HIV-Infizierten hat, gibt es, wie in anderen Ländern, einen Mangel an Spenderorganen. Hinzu kommt, dass nicht wenige potenzielle Spender HIV-infiziert sind. Ihre Organe kommen aufgrund des Infektionsrisi­kos für HIV-negative Empfänger nicht infrage. Auch auf eine Transplantation an HIV-po­sitive Patienten wurde lange verzichtet. Zum einen war unklar, ob die HIV-Infektion die Qualität der Spendernieren beeinträchtigt.

Im Rahmen der Infektion kann es zu einer HIV-assoziierten Nephropathie kommen. Dann wurde befürchtet, dass mit den Organen HI-Viren übertragen werden, die möglicherweise gegen Medikamente resistent sind, auf die der Empfänger vorher angesprochen hatte. Da die meisten Spenderorgane von Verstorbenen kommen, fehlen häufig Informationen über die frühere Behandlung der HIV-Infektion, wenn sie überhaupt durchgeführt wurde.

Am Groote Schuur Hospital in Kapstadt haben seit 2008 im Rahmen einer Kohortenstudie 51 HIV-positive Patienten Nieren von 28 HIV-positiven Spendern erhalten. Wie Elmi Muller und Mitarbeiter berichten, war die HIV-Infektion der meisten Spender vor dem Hirntod nicht bekannt und sie hatten deshalb auch keine antiretroviralen Medikamente erhalten. Bei allen Empfängern wurde vor und nach der Transplantation auf eine optima­le Virussuppression geachtet. Die Gefahr, dass mit dem Transplantat HI-Viren übertragen wurden, war also gegeben.

Bei 24 Empfängern wurden genaue Analysen der Virusgene durchgeführt. Der Schwer­punkt lag dabei auf der Suche nach Resistenzgenen. Bei 6 Patienten wurden Resistenzen entdeckt. Bei allen 6 Patienten waren die Resistenzen jedoch bereits vor der Transplanta­tion vorhan­den, sodass sich keine Änderungen für die antiretrovirale Behandlung erga­ben.

Bei 8 Patienten (32 %) wurden nach der Transplantation zunächst Viren des Spenders nachgewiesen. Diese Viren konnten sich jedoch in der Folge nicht durchsetzen, wie spä­tere genaue genetische Analysen bei 25 Patienten ergaben. Nur bei einem Patienten konnte am Ende eine „duale“ HIV-Infektion nachgewiesen werden.

Nachteile hatten die Patienten durch die Transplantation von HIV-positiven Nieren nicht. Nach 5 Jahren funktionierten noch 79 % der Nieren (95-%-Konfidenzintervall 58 bis 91 %) und es lebten noch 84 % der Patienten (68 bis 92 %). Die Ergebnisse waren laut Muller vergleichbar mit den Erfahrungen, die in den USA nach Transplantation von HIV-negati­ven Nieren an HIV-positive Patienten gemacht wurden.

Die Verwendung von HIV-infizierten Organen ist dort erst seit 2013 durch den HIV Organ Policy Equity (HOPE) Act erlaubt. Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases lässt derzeit die Sicherheit der Transplantationen in 2 Studien prüfen. Die Er­geb­nisse der „HOPE in Action Multicenter Kidney Study“ werden für 2021 und die Er­geb­nisse der „HOPE in Action Multicenter Liver Study“ für 2024 erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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