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Medizin

Studie: Haushund senkt Sterberisiko nach Herzinfarkt und Schlaganfall

Mittwoch, 9. Oktober 2019

/sandra, stockadobecom

Uppsala – Ein Hund, der den Halter zu körperlicher Aktivität zwingt und soziale Kontakte fördert, könnte bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine sekundärpräventive Wirkung haben. In einer Kohortenstudie in Circulation (2019; doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.118.005342) hatten Hundebesitzer im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall bessere Überlebenschancen.

Haustiere scheinen viele Menschen zu einer gesünderen Lebensweise zu motivieren. Frühere Studien hatten gezeigt, dass vor allem Hundebesitzer sich mehr bewegen und einen niedrigeren Blutdruck haben.

Die American Heart Association kam deshalb bereits 2013 in einer wissenschaftlichen Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass der Besitz von Haustieren, insbesondere von Hun­den, zur Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos bei­tragen kann (Klasse IIb; Evidenzgrad B). Den US-Kardiologen war jedoch bewusst, dass der primäre Zweck der Tiere nicht die Redu­zierung des Herz-Kreislauf-Risikos sein kann (Klasse III; Evidenzgrad C). Tierliebe lässt sich nicht auf Rezept verordnen.

Eine Analyse schwedischer Forscher bestätigt jetzt die günstigen Auswirkungen von Hunden auf das Herz-Kreislauf-Risiko. Ein Team um Tove Fall von der Universität Uppsala hat die Daten von mehr als 335.000 Schweden ausgewertet, die zwischen 2001 und 2012 wegen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls im Krankenhaus behandelt wurden.

Über die Mitgliederverzeichnisse von zwei Hundeverbänden fanden die Forscher heraus, dass fast 6 % der Patienten einen Hund besitzen. Im nächsten Schritt ermittelten die Forscher, wie viele Patienten nach dem Herzinfarkt oder Schlaganfall verstorben waren.

Die Stärke der Studie besteht darin, dass sie eine Reihe von Patienteneigenschaften be­rück­­sichtigen konnte, die für sich genommen ebenfalls die Prognose beeinflussen. Dazu gehören etwa das Alter und der Familienstand. Hundebesitzer waren jünger und häufiger verheiratet. Sie hatten häufiger Kinder in der Wohnung und das Einkommen war höher. Wichtig ist auch, dass der Charlson-Komorbiditätsindex und frühere Herz-Kreislauf-Er­krankungen in die Berechnungen einflossen.

Ergebnis: Hundebesitzer haben nach einem Herzinfarkt ein signifikant vermindertes Ster­be­risiko. Für alleinstehende Hundebesitzer ermittelte Fall eine adjustierte Hazard Ratio von 0,67, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,61 bis 0,75 signifikant war.

Bei Patienten, die mit einem Partner oder einem Kind zusammenlebten, war die „Schutz­wir­kung" mit einer Hazard Ratio von 0,85 (0,80 bis 0,90) etwas geringer, aber signifikant. Im ersten Jahr nach dem Herzinfarkt wurde das Sterberisiko absolut um 2,4 % bei Männern und 2,1 % bei Frauen vermindert.

Auch nach einem ischämischen Schlaganfall hatten Hundebesitzer bessere Überlebens­chancen. Fall ermittelte eine adjustierte Hazard Ratio von 0,73 (0,66 bis 0,80) für allein­stehende Patienten und von 0,88 (0,83 bis 0,93) für Patienten, die mit einem Partner oder einem Kind zusammen lebten. Die absolute Risikoreduktion im ersten Jahr betrug 2,0 % für Männer und 1,9 % für Frauen.

Das Ausmaß der Risikominderung kann sich durchaus mit Medikamenten in der Sekun­där­­prävention messen. Allerdings wurde die Wirksamkeit der Medikamente in randomi­sierten klinischen Studien untersucht.

Die Evidenz für einen „therapeutischen“ Hund ist geringer. Epidemiologische Studien können nicht beweisen, dass tatsächlich der Umgang mit dem Hund für die günstige Wir­kung verantwortlich ist und nicht andere Faktoren, die in der Studie nicht erfasst wurden. Außerdem gibt es für Patienten, die sich mit Haustieren nicht anfreunden können, andere Mittel, um sich körperlich mehr zu bewegen und gesellschaft­liche Kontakte aufzuneh­men. © rme/aerzteblatt.de

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