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Politik

Klimaschutz im Kabinett: Schulze verspricht Neuanfang

Mittwoch, 9. Oktober 2019

/ MACLEG, stock.adobe.com

Berlin – Die Bundesregierung macht den nächsten Schritt beim Klimaschutz: Sie hat dafür heute einen detaillierten Fahrplan beschlossen und somit ihre Grundsatzeinigung vom September präzisiert. Mit Anreizen und einem Preis für den Ausstoß von Treibhaus­gasen soll Deutschland sein Klimaziel für das Jahr 2030 erreichen.

Das Kabinett billigte auch ein Klimaschutzgesetz, das festlegt, dass einzelne Minister künftig für die Einhaltung jährlicher Treibhausgas-Sparziele in ihrem Bereich verantwort­lich sind. Damit geht nun das erste Gesetz aus dem Klimapaket an den Bundestag. Weite­re Vorhaben, etwa zur Erhöhung der Luftverkehrssteuer, sollen in den nächsten Monaten folgen.

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Das Gesetz sei eine Antwort auf die Versäumnisse der Vergangenheit, sagte Bundesum­weltministerin Svenja Schulze (SPD). „Es wurde zu oft ignoriert, was das Umweltministe­rium gesagt hat“, sagte sie. Zahlen seien schöngerechnet, Klimaschutz-Ratschläge zu spät befolgt worden. „Das alles wird sich so nicht mehr wiederholen.“ Ab jetzt seien alle Mi­nis­­terien Klimaschutzministerien.

Sowohl Umweltverbände als auch Wirtschaftsvertreter bemängelten indes, die Bun­des­regierung verzettele sich. Einzelne Maßnahmen seien teils schlecht aufeinander abge­stimmt. „Dieses Sammelsurium, das heute vom Kabinett gebilligt wurde, bringt lediglich ein Drittel dessen auf die Waage, was zur Erreichung der Klimaziele 2030 nötig ist“, be­fand der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.

Deutschland wird sein aktuelles Klimaziel für 2020 – 40 Prozent Kohlendioxid-Einspa­rung im Vergleich zu 1990 – wahrscheinlich verfehlen. Damit das mit den nächsten Zie­len nicht passiert, soll es zunächst bis 2030 jährliche Sparziele für sechs Bereiche von der Landwirt­schaft bis zum Gebäudesektor geben. Das System soll danach auch bis 2040 gelten. Wenn Ziele verfehlt werden, muss der zuständige Minister nachsteuern. Zum Teil lassen sich mangelnde Fortschritte in einem Bereich auch durch mehr Klimaschutz in einem anderen Sektor wettmachen.

Deutschland will seinen Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent reduzieren im Vergleich zu 1990. Bis Mitte des Jahrhunderts soll die Bundesre­publik weitgehend klimaneutral werden, also unter dem Strich keine klimaschädlichen Treibhaus­gase mehr ausstoßen (Treibhausgasneutralität). Deutschland sei weltweit das einzige Land, das das so festgeschrieben habe, sagte Schulze.

Umweltverbände bemängeln aber, dass Deutschland dieses Ziel laut Gesetz nur „verfol­gen“ will. Schulze beharrte darauf, dass die Formulierung Verbindlichkeit ausdrücke. Dazu soll unter anderem der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) einen Preis be­kommen, damit die Menschen sich etwa klimafreundlichere Autos und Heizungen zule­gen und die Industrie sie baut.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dazu dem Magazin Bunte: „Überall, wo CO2 ausgestoßen wird, wird es mit zunehmender Zeit teurer, und überall, wo CO2 vermieden wird, wird es mit zunehmender Zeit billiger.“ Dieser Anreiz, Geld zu sparen, werde zu zahl­reichen technischen Innovationen führen. Darin liege eine große Chance für Wirt­schaft und Arbeitsplätze in Deutschland.

Umweltverbände und Experten bemängeln allerdings den recht niedrigen Einstiegspreis von zunächst nur zehn Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2021. Die Klimaschutzinitiative Ex­tinc­­tion Rebellion (Aufstand gegen das Aussterben) blockierte an ihrem dritten Protesttag in Berlin mehrere Brücken und verursachte so Verkehrsbehinderungen. Die Polizei räumte zugleich den seit gestern besetzten zentralen Kreisverkehr an der Siegessäule. Die Bewe­gung hat für die ganze Woche Aktionen in mehreren internationalen Metropolen ange­kündigt. © dpa/aerzteblatt.de

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