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Politik

Foodwatch erhebt schwere Vorwürfe gegen Ministerium nach Todesfällen durch Listerien

Mittwoch, 9. Oktober 2019

/picture alliance, Uwe Zucchi

Berlin – Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat schwere Vorwürfe gegen das hessische Umweltministerium im Skandals um zwei Todesfälle durch Listerien in Pro­duk­ten des Wurstherstellers Wilke erhoben. Foodwatch wirft dem Ministerium vor, bereits Mitte Septem­ber von der Bakterienbelastung in dem Werk gewusst zu haben. Die Behör­den hätten schon viel früher die Öffentlichkeit warnen und einen Rückruf anordnen lassen müssen, teilte Foodwatch heute in Berlin mit.

Demnach hätten dem Umweltministerium am 16. September Beweise über die Listerien­belastung vorgelegen. Am 18. September habe das Ministerium dann das Regierungsprä­si­dium in Kassel informiert. Spätestens an diesem Tag hätte die Öffentlichkeit gewarnt werden müssen, kritisierten die Verbraucherschützer. Ein Rückruf sei aber erst rund zwei Wochen später erfolgt. Warum die Behörden erst dann reagierten, habe das Ministerium gegenüber Foodwatch offen gelassen.

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„Statt schnell zu handeln und für einen öffentlichen Rückruf zu sorgen, hat die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) offenbar zugeschaut, wie potenziell listerienbel­as­tete Wurst an Supermärkte, Fleischtheken und Krankenhäuser geliefert wurde“, kritisierte Oliver Huizinga von Foodwatch.

Sollte nach dem 18. September noch jemand an den Produkten erkrankt sein, trage Hinz eine Mitverantwortung dafür. Von dem Verdacht einer möglichen Belastung mit Listerien im Wilke-Werk erfuhr das Umweltministerium laut Foodwatch schon am 12. August. Am 16. September sei dieser Verdacht dann bestätigt worden.

Eine Sprecherin des Umweltministerium bestätigte dem Deutschen Ärzteblatt auf Nach­frage, dass dem Ministerium am 12. August erste Hinweise vorlagen, dass es Probleme mit Listerien geben könnte. Die Anhaltspunkte seien aber sehr vage gewesen. Am 16. September hätten sich die Probleme bestätigt. Von diesem Tag an sei keine ungeprüfte und listerienbelastete Ware mehr ausgeliefert worden, sagte eine Sprecherin.

Sie wies darauf hin, dass am 16. September auf der Plattform „Verbraucherfenster“ in Hessen über die Probleme informiert worden sei. Als Grund, warum die Öffentlichkeit erst später aktiv vom Ministerium informiert worden sei, nannte sie Unternehmensrechte und mögliche Regressforderun­gen.

Foodwatch hatte gestern Abend einen Eilantrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen den für die Überwachung vor Ort zuständigen Landkreis Waldeck-Frankenberg beim Verwaltungsgericht Kassel eingereicht. Das Gericht bestätigte den Eingang des Antrags heute.

Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Lebens­mittel- und Futtergesetzbuch gegen den Geschäftsführer des inzwischen insolventen Wurstbetriebs Wilke. Die Ermittlungen wurden aufgrund einer Strafanzeige des Landkrei­ses Waldeck-Frankenberg eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft Kassel mitteilte.

Schwerpunktmäßig solle die Frage geklärt werden, ob der Todeseintritt auf den Verzehr belasteter Wilke-Produkte zurückzuführen ist. Bereits vergangene Woche seien die Firma und der Wohnsitz des Beschuldigten durchsucht worden. © dpa/may/aerzteblatt.de

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