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Politik

Grüne Schleife gegen Stigmatisierung bei psychischen Erkrankungen

Donnerstag, 10. Oktober 2019

/Andrey Popov, stock.adobe.com

Berlin – Psychische Erkrankungen sollen aus der Tabuzone: Bundesweit startet daher heute – dem Internationalen Tag der Seelischen Gesundheit – die „Woche der Seelischen Gesund­heit“.

Initiator ist das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit in Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).  Zu den über 100 Mitgliedsorganisationen zählen die Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit startet zu Beginn der Woche die Kampagne „Grüne Schleife für mehr Akzeptanz für psychische Erkrankungen“. Das Symbol, das be­reits international etabliert sei, werde jetzt auch in Deutschland eingeführt und für einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen und den betroffenen Menschen werben.

„Ziel der Kampagne ist es, dass Menschen jeden Alters in psychischen Krisen sich trauen können, ihre Probleme offen anzusprechen und so rechtzeitig verfügbare fachliche Hilfen in Anspruch nehmen“, betonte der Vorsitzende des Aktionsbündnisses, Wolfgang Gaebel. Psychische Erkrankungen gehörten in der Gesellschaft dazu, sie dürften kein Tabuthema mehr sein. Jeder, der die Grüne Schleife trage, setze ein sichtbares Zeichen für mehr Offenheit.

Prominente Botschafter der Grünen Schleife sind unter anderem der erste Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Rainer Koch, die Kabarettisten Harald Schmidt und Torsten Sträter sowie die Moderatorin Bettina Böttinger und der Berliner Journalist Hajo Schumacher. Der Kölner Rapper David Floyd liefert einen Song zur Kampagne.

Auch die Mitarbeiter des Projektes „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ (psyGA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unterstützen die Kampagne. „Mit diesem gut sichtbaren Accessoire hält das internationale Zeichen für mehr Akzeptanz und Offenheit gegenüber psychisch Erkrankten auch in Deutschland Einzug. Wer die grüne Schleife trägt, solidarisiert sich mit allen Menschen in unserer Mitte, die unter seelischen Erkran­kungen leiden“, hieß es.

„Um Tabus zu überwinden und Ausgrenzung zu verhindern, ist mehr Aufklärung über und Akzeptanz für psychische Erkrankungen nötig“, betonte Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik der Grünen, heute.

Anlässlich des Welttages der Seelischen Gesundheit und einer Kundgebung des Bünd­nisses „Mehr Personal und Zeit für psychische Gesundheit“ vor dem Bundesgesundheits­ministe­rium kritisierte sie die jüngsten Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Personalbemessung in Psychiatrie und Psychosomatik.

„Wir brauchen eine Personalbemessung, die das Notwendige und nicht nur das Mindeste in den Blick nimmt. Nur so können Zwangsmaßnahmen als Folge von zu wenig oder überlaste­tem Personal verhindert, eine menschenrechtsorientierte Versorgung ermöglicht und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten wirklich verbessert werden“, so Klein-Schmeink. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #771555
Rosenkohl
am Freitag, 11. Oktober 2019, 12:21

Modisches Symbol löst keine praktisches Problem

Ich denke, jeder kann sich eine grüne Schleife selbst anfertigen. Solche textilen Symbole haben meines Erachtens aber nichts mit der Basisarbeit mit psychisch Kranken zu tun. Umgang mit psychisch Kranken fordert Geduld und Zeit. Entabuisierung bedeutet auch zu erkennen, daß eine psychische Erkrankung nicht frei im geistigen Raum schwebt, sondern spezifische systemische oder somatische Ursachen hat. Eine psychische Störung anerkennen kann gerade nicht vollständige Akzeptanz bedeuten. Eine Ausgrenzung wird u.U. notwendig, z.B. um Selbst- oder Fremdgefährdung durch den psychisch Kranken zu verhindern, oder wenn er in bestimmten Situationen schlicht stört bzw. den Betrieb aufhält. Besonders kritisch wird es, wenn psychisch Kranken keine Grenzen gesetzt werden und sie in ein Verantwortungsvakuum, in Führungspositionen vorstoßen.
Avatar #777414
rotpoetin
am Freitag, 11. Oktober 2019, 06:46

Deutschland wieder spät

Schade, dass Deutschland zwar bei Burgern und Cola schnell international agiert, d.h., es in Deutschland einführt, auch bei Werbung wird jeder Mist übernommen, aber bei so etwas existentiell wichtigem ist Deutschland eher eine Schnecke.
Gut, dass es jetzt die Möglichkeit gibt, nach außen zu gehen, wobei, ich zweifle daran, dass Betroffene sich trauen.
Deshalb ist hier, wie bei vielen Themen, die Solidarität gefragt.
Da kann man nur hoffen, dass bei der herrschenden Politik noch ein Stückchen davon übrig ist.
Wo erhält man die grünen Schleifen eigentlich?
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