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Medizin

Mastzellen an der Abwehr von Krankheitserregern beteiligt

Donnerstag, 10. Oktober 2019

/7activestudio, stock.adobe.com

Berlin – Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben einen körpereigenen Abwehrmechanismus entdeckt, mit dem die Haut Bakterien aktiv abtötet. Dabei spielen Mastzellen und der Botenstoff Interleukin-6 eine zentrale Rolle. Die Arbeit ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America er­schienen (doi: 10.1073/pnas.1908816116).

Wird verletzte Haut von Bakterien oder anderen Krankheitserregern besiedelt, kann es zu schweren Entzündungen kommen. „Die steigende Zahl von Bakterien, die gegen Antibi­o­tika Resistenzen entwickelt hat, schränkt die Therapiemöglichkeiten inzwischen deutlich ein“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

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Die Wissenschaftler um Frank Siebenhaar von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Campus Charité Mitte gingen der Annahme nach, dass Mast­zellen daran beteiligt sein könnten, die Erreger auf der verletzten Haut abzuwehren. Mast­zellen sind für ihre zentrale Rolle bei Allergien bekannt.

Die Wissenschaftler vermuteten, dass diese fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems nicht die einzige Funktion von Mast­zellen sein kann. Dazu untersuchten die Forschenden am Tiermodell, wie sich das Fehlen von Mastzellen auf die Heilung infizierter Wunden auswirkt. Dazu verwendeten sie Mast-Cell-defiziente Mausstämme und testeten mittels einer Pseudomonas-Aeru­ginosa-Hautwundinfektion.

Sie konnten beobachten, dass die Zahl der Bakterien 5 Tage nach der Infektion um das 20-fache höher lag, wenn die Mastzellen fehlten. Infolgedessen dauerte es mehrere Tage länger, bis sich die infizierte Wunde vollständig schloss.

Wie die Arbeitsgruppe herausfand, erzielen die Mastzellen die bakterienabtötende Wir­kung dadurch, dass sie den Botenstoff Interleukin-6 ausschütten. Interleukin-6 wiederum regt die Zellen der obersten Hautschicht dazu an, sogenannte antimikrobielle Peptide in die Wunde abzugeben. Diese kurzen Eiweiß­ketten töten Bakterien, Viren und Pilze ab.

Die Forschenden untersuchten die Funktion des Botenstoffs Interleukin-6 weiter: Trugen sie diesen vor der Infektion auf die Wunde auf, führte dies selbst bei intaktem Immun­sys­tem zu einer besseren Bakterienabwehr. Die Gabe von IL-6-defizienten Mastzellen konnte die Wund­infektion dagegen nicht kontrollieren. Die Behandlung mit rekombinantem IL-6 führte zur Kontrolle von Wundinfektionen und normaler Wundheilung.

„Prinzipiell wäre eine Anwendung von Interleukin-6 oder Substanzen mit ähnlicher Wirk­weise zur Vermeidung von Wundinfektionen denkbar“, so der Dermatologe.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher die Funktion von Mastzellen und Interleukin-6 bei Menschen mit chronischen, schlecht heilenden Wunden genauer untersuchen, um einer neuen, möglichst antibiotikafreien Wundbehandlung näher zu kommen. © hil/aerzteblatt.de

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