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Politik

Automatismus sorgt für Einlieferung vieler Pflegeheimbewohner in Notaufnahmen

Donnerstag, 10. Oktober 2019

/dpa

Bremen – Ängste vor rechtlichen Konsequenzen beeinflussen die Entscheidung, Pflege­heimbewohner in ein Krankenhaus einzuliefern. Das geht aus der Untersuchung „Hospi­talisierung und Notaufnahmebesuche von Pflegeheimbewohnern“ (HOMERN) um Falk Hoffmann vom Department für Versorgungs­forschung an der Fakultät Medizin und Ge­sundheitswissenschaften der Universitäten Oldenburg hervor.

„Häufig haben Pflegekräfte ohne Einbeziehung von Ärzten die Ent­schei­dung getroffen“, sagte Guido Schmiemann von der Abteilung Versorgungsforschung des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen. Dort verantwortet er einen Teil­bereich der Studie. Schmiemann spricht von einem Automatismus und einer „zu häufi­gen“ Einlieferung ins Krankenhaus.

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„Der Pflegedienst ruft die 112. Der Dispo­nent, der den Anruf entgegennimmt, haftet per­sönlich für seine Entscheidung, also wird er im Zweifel eher einen Rettungswagen alar­mie­ren. Der wird für Leerfahrten in den meisten Regionen nicht bezahlt, also nimmt er im Zweifel den Bewohner des Pflegeheims mit“, erklärte Schmiemann. Es müssten Wege ge­funden werden, wie man aus dieser Schleife herauskomme.

Das zweite Grundproblem seien Mängel in der Kommunikation. Heim und Ärzte arbeite­ten oft nicht strukturiert zusammen. In der Hälfte der Fälle wurde die Arztpraxis nicht in­for­miert, wenn ein Patient Symptome aufwies. „Eine Stärkung der Pflegenden, eine Ver­besse­rung struktureller Rahmenbedingungen und eine verstärkte Kommunikation und Koope­ration zwischen den beteiligten Akteuren könnte die Zahl vermeidbarer Kranken­haus­transporte aus Pflegeheimen verringern“, so der Versorgungsforscher.

Die häufigsten Gründe für den Anruf beim Rettungsdienst sind laut der Untersuchung Stürze, Unfälle, Verschlechterungen des Allgemeinzustands und neurologische Auffällig­keiten. Ein höheres Risiko für ungeplante Krankenhaustransporte hatten Männer sowie Bewohner mit einem höheren Pflegegrad.

In die Untersuchung haben die Wissenschaftler 14 Pflegeheime in Bremen einbezogen. 802 Bewohner, die bei der AOK Bremen/Bremerhaven versichert sind, wurden erfasst. Die Hälfte von ihnen war dement, ein Viertel über 90 Jahre alt. Sie kamen in zwölf Monaten auf 627 Krankenhaus­aufenthalte, darunter auch Wiederho­lungs­­aufent­halte in der Klinik.

Für die Studie wurden darüber hinaus Hausärzte, Pfle­gende und Rettungskräfte befragt. Außerdem wurden über zwölf Monate Krankenhaus­transporte aus 14 Pflegeeinrichtungen in der Metropolregion Nordwest systematisch erfasst und analysiert.

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss fördert das Forschungsvorhaben mit 500.000 Euro über den Innovationsfonds. Laut den Wissenschaftlern der Studie leben in Deutschland etwa 800.000 Menschen in Pflegeheimen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79081
dietborch
am Montag, 14. Oktober 2019, 12:24

Es hilft nur soziales Miteinander

Die Welle älterer, verwirrter, häufig dementer, schwerhöriger und amaurotischer Patienten, die in den Notaufnahmen anflutet ist beeindruckend. Das wir diesen Alltag, dieses Thema erst beforschen müssen, um es allen Beteiligten in Politik und Gesellschaft goutierbar und unbestreitbar vor Augen zu halten, spricht seine eigene Sprache. Es ist in der Tat zum Erbarmen diese vielen alten Menschen mit Frakturen, blutenden Verletzungen, exazerbierender Verwirrung, Infektionen, Schädel-Hirn-Traumen in den Notaufnahmen zu sehen. Von der Wasserlinie aus betrachtet, hat man eigentlich immer nasse Füße. Häufig sind die Ursachen vermeidbare Stürze und Blutverdünner - aber da ist niemand der Zeit hat sich um die richtige Einstellung der Blutverdünner zu kümmern, deren Sinnhaftigkeit zu hinterfragen und deren Wirkung konstant zu überprüfen, da ist niemand der acht geben kann und Zeit hat, die Stürze und Selbstverletzung der alten Menschen zu verhindern. Da ist niemand, der die Verwahrlosung der alten Menschen durch täglich Zuwendung abfängt. "Betreutes Wohnen", schimpft die alte Dame, "da kommt doch gar niemand!" Die Entsolidarisierung war zu allen Zeiten ein Problem - das ist nicht neu. Und Pflegekräfte gibt es sowieso zu wenig - das will doch heute keiner mehr machen, wenn man mit gaming im Internet reich werden kann. Der Rettungsdienst ist auch nur ein Beruf. Was vom Rettungsdienst an Informationen aus dem Pflegeheim übermittelt wird, ist häufig ein Farce. Keiner weiß nichts genaues und die alten Patienten können keine Auskunft geben. Der amtlich bestellte Betreuer ist nicht erreichbar, allenfalls per Fax. Also Maximaltherapie in der Notaufnahme. Die wiederholte Aufnahme in das Krankenhaus mit dem immer gleichen Problem ist eine Standardsituation. Aufzufangen ist das alles nur durch ein soziales Miteinander. Wenn die Familie, die sich traditionell um die älteren Menschen gekümmert hat, denn nicht mehr zur Verfügung steht, dann müssen neue Formen des sozialen Miteinander erprobt werden - das gilt im übrigen für Megaprobleme anderer Art, wie der Umweltproblematik, genauso wie für das was unseren alten Menschen widerfährt. Es ist auch nicht so, dass "die da in der Politik" das richten sollen - nein, das muss Gesellschaft selbst erbringen. Was Politik aber machen kann ist, vorsichtig an kleinen Schräubchen drehen und die größte Not lindern, gleichzeitig die Debatte fördern. Das wäre schon viel. Was Politik auch machen kann, ist der Erprobung neuer Formen des sozialen Miteinander Raum zur Entwicklung zu geben - zum Beispiel in der Lausitz - dort wäre genügend Platz und Freiraum dafür. Stellen wir uns statt einer Landesgartenschau eine Landes - Altenschau vor (und das ist nicht respektlos gemeint), bei der sich andere Kommunen ein Beispiel nehmen, wie man soziales Miteinander gestalten, sinnlose Krankenhausbehandlung vermeiden, Kosten im Gesundheitswesen senken, Ressourcen bewahren und für andere Dinge zur Verfügung stellen kann. Hoffen wir, das die neue Versorgungsforschung sinnvolle Hinweise zum Handeln geben kann.
Avatar #754103
Biochemie
am Freitag, 11. Oktober 2019, 12:50

Angst vor Strafe ???

Ich denke zum einen Teil ist die Angst vor Strafe, eine Ausgrenzung durch unterlassene Hilfeleistung, weil man einen Menschen nicht geholfen hat, eine gute Wirkung, um eine Handlung auszulösen. Sie kann aber auch überfordern und die Menschen unter Druck setzen.

"Der Mann bewegt sich nicht mehr, der Blutdruck ist auf über 150, was soll ich machen? Wenn er stirbt meine Arbeit, meine Familie. Ich kann es nicht beurteilen, Wo ist das Telefon 112"

Ob eine Lebensgefahr vorliegt oder nicht kann nur ein Arzt oder Ärzte Gruppe mit entsprechender Erfahrung entscheiden.
Selbst da ist es nicht immer leicht.

Ich denke es wäre gut genausten zu erfragen, welche Gedanken und Gefühle in allen betroffen vorgeht und wie es für alle eine Erleichterung in nächsten Zeit werden kann, eine Lösung zu entwickeln. Es gilt hier auch das Gesetz des ausprobieren, wird es besser oder schlechter für alle beteiligten Personen.

Bei einen Vergleich mit einer Küchenmaschine die nicht mehr funktioniert kann eine Person mit Kenntnissen entscheiden, ob er sie wieder zum laufen bringen kann oder nicht. Eine Person die diese Kenntnisse nicht hat kann dieses nicht. Nur steht die zu entscheidende Person nicht unter druck bestraft zu werden wenn sie eine Entscheidung treffen muss die sie aber nicht treffen kann, weil sie keine Erfahrung darin hat.

Um jetzt den Blick aus der Situation zu verlassen und dieses etwas mehr aus einer sich entwickelten Zeit und Situationen zu betrachten.

Was können wir entwickeln in allen Richtungen, Gedanken, Gefühle, Ernährung, Umfeld, Bildung, usw.
So das wir nach der Satz leben können.
"Ein langes gesundes Leben und einen schnellen Tod."

Wir werden geboren und wir werden alle sterben und ich schreibe bei Lebzeiten keine Geschichten von einen Leben nach dem Tod. Ich will Geschichten schreiben von den Menschen die nach meinen Tot auf dem Planeten Erde leben werden. In Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt.

Ich denke heute in diese Richtung können wir nach Lösungen suchen und kontrollieren ob wir sie verbessern können.
















Avatar #18922
stennes
am Freitag, 11. Oktober 2019, 05:43

Pfleheheimbewohner

Dieser Missstand ist mir seit 20 in meiner Praxis ein ewiges Ärgernis. Selbst über 100-jährige werden aus rein forensischen Gründen des Nachts in die Klinik gebracht.
Dr. Alfred Stennes, bis September 2018 Praxis für Allgemeinmedizin in Velbert
LNS

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