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Unfallchirurgen warnen: Datenschutz­bestimmungen gefährden Versorgung Schwerstverletzter

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Bei einer Übung versorgen Ärzte und Sanitäter beim SRH Zentralklinikum einen Darsteller, der nach einem Unfall im Tunnel einen Verletzten mimt. /picture alliance
Bei einer Übung versorgen Ärzte und Sanitäter beim SRH Zentralklinikum einen Darsteller, der nach einem Unfall im Tunnel einen Verletzten mimt. /picture alliance

Berlin – Die Sterblichkeit nach schwerer Verletzung konnte, dokumentiert im Trauma­register der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich gesenkt werden. Dieser Trend könnte schon bald ein Ende finden, befürchten Experten der Fachgesellschaft. Schuld daran seien die neuen Datenschutz­bestimmungen, sagten sie heute bei einer Pressekonferenz in Berlin im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU).

Mit mehr als 270.000 dokumentierten Behandlungsverläufen von schwer verletzten Patienten ist das Traumaregister mittlerweile das größte Register zur Erfassung von Schwer­verletzten der Welt. Nach 25 Jahren erfolgreicher Datenerhebung und Analyse, musste die DGU heute jedoch mitteilen, dass die Registerdaten von 2018 „nur einge­schränkt auswertbar“ wären.

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Der Bundesbericht zu den Traumaregisterdaten würde „Unregelmäßigkeiten“ aufweisen. Damit sei das für die Schwerstverletztenversorgung unschätzbare Forschungs- und Quali­tätssicherungsinstrument bedroht, warnte DGU- und DGOU-Präsident Paul Alfred Grütz­ner.

„Durch die Datenschutzgrundverordnung wird die Erfassung der Patientendaten erheblich erschwert“, sagte der Ärztliche Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und führte weiter aus: Denn diese seien nicht anonymisiert, sondern nur pseudonymisiert. Zusätzlich würden die unterschiedlichen Re­gelungen der Bundesländer erschwerend hinzukommen.

„Das führt zu der absurden Situation, dass manche Kliniken nur noch Daten von verstor­be­nen Polytraumapatienten in das Register eintragen – denn nach dem Tod hört der Datenschutz für sie auf“, beschrieb Grützner die Auswirkungen. In zwei Bundesländern hört der Datenschutz nach dem Tod jedoch nicht auf, in Hamburg und Brandenburg. „Die Kliniken in diesen Bundesländern geben daher keine Daten Verstorbener in das Register ein“, so Grützner. Angehörige könnten die Daten auch im Nachgang nicht mehr freigeben.

Bei jenen Schwerverletzten, bei denen eine Einverständniserklärung nachträglich einge­holt werden könnte, gestaltet sich dies in der Praxis ebenfalls schwierig. „Obwohl wir ei­nen Mitarbeiter an unserer Klinik für die nachträgliche Einholung der Einverständniser­klärung freigestellt hatten, gelang es nur in 50 Prozent der Fälle“, berichtete Grützner. Das Resultat sei ein Traumaregister für 2018 mit „erheblicher Unschärfe“.

Experten appellieren an Politiker für mehr Rechtssicherheit

Die orthopädischen und unfallchirurgischen Fachgesellschaften wollen daher den Druck auf die Politik erhöhen und fordern, das bisher freiwillige Register verpflichtend zu ma­chen.

„Eine verpflichtende Teilnahme ohne Einwilligungserklärung würde Rechtssicherheit schaffen“, erklärte Carsten Perka, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC).

Eine solche Vorgabe würde derzeit jedoch nicht konform gehen mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union, räumte der ärztliche Direktor des Cen­trums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin ein. Hierfür wäre zunächst eine gesetzliche Änderung oder Ergänzung notwendig.

Der Generalsekretär der DGU, Dietmar Pennig, berichtete von mehreren Gesprächen mit dem Gesundheitsausschuss und auch mit der Gematik. Über das Problem aus Sicht der Ärzteschaft seien die Politiker folglich informiert.

Mehr als 500 Publikationen sind bisher aus den Daten des Traumaregisters resultiert. Die erhobenen Daten werden auch dazu genutzt, den mehr als 600 zertifizierten Kliniken Auffälligkeiten zurückzuspiegeln.

Sie sorgen für ein regelmäßiges Feedback, so dass diese die Polytraumaversorgung kontinuierlich verbessern können. Die Qualitätssicherung ist auch Thema des heute neu erschienen Weißbuchs Schwerverletztenversorgung (3. Auflage), das heute in Berlin vorgestellt wurde. © gie/aerzteblatt.de

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