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Medizin

Tumor-Organoide sagen Wirksamkeit einer Chemotherapie mit Irinotecan bei Darmkrebs vorher

Freitag, 11. Oktober 2019

Phasenkontrastbild der Organoide, die aus Krebszellen der Patienten kultiviert wurden. /S.N. Ooft and M Mertz
Phasenkontrastbild der Organoide, die aus Krebszellen der Patienten kultiviert wurden. /S.N. Ooft and M Mertz

Amsterdam – Kleine Organoide, die im Labor aus Krebszellen gezüchtet wurden, haben in einer prospektiven Studie in Science Translational Medicine (2019; 11: eaay2574) die Wirksamkeit einer Chemotherapie bei Darmkrebs mit Irinotecan vorausgesagt. Für eine Kombinationstherapie aus 5-Fluoruracil (FU)/Irinotecan war die Vorhersage wenig verlässlich und bei 5-FU/Oxaliplatin nicht möglich.

Fast alle Patienten mit metastasierten Krebserkrankungen erhalten heute eine Chemo­therapie. Die Zytostatika können das Leben vieler Patienten um Monate bis Jahre verlängern. Es gibt aber auch Patienten, die nicht auf die Behandlung ansprechen, aber den Nebenwirkungen ausgesetzt sind, was die Lebensqualität in den letzten Lebenstagen herabsetzt.

Bisher ist es nicht möglich, die Wirksamkeit einer Chemotherapie vorherzusagen. Organoide, die im Labor aus einzelnen Tumorzellen gezüchtet werden, gelten als mögliches Instrument. Die Zellballen, die aus etwa 10.000 Krebszellen bestehen, sollten im Prinzip in gleicher Weise auf die Zytostatika reagieren wie die Metastasen im Körper des Patienten.

Organoide lassen sich heute mit einer hohen Erfolgsrate innerhalb von 3 Wochen aus einzelnen Zellen züchten. Bei vielen Krebsarten könnte der Beginn der Chemotherapie vermutlich ohne Nachteile für den Patienten für diese Zeit aufgeschoben werden.

Irinotecan führt bei jedem fünften zu einer Remission

Ein Team um Emile Voest vom Niederländischen Krebsinstitut in Amsterdam hat die Organoide bei 61 Patienten untersucht, die an einem metastasierten Kolorektalkarzinom erkrankt waren. Bei dieser Krebserkrankung gehört Irinotecan zu den Zweitlinien-Medikamenten. Das Zytostatikum allein erzielte nur bei 20 % eine Remission. Die von den niederländischen Forschern entwickelten Organoide konnten in etwa 80 % der Fälle diesen Erfolg vorhersagen.

Dies traf allerdings nur auf Patienten zu, die eine Monotherapie mit Irinotecan erhalten hatten. Bei Patienten, die mit einer Kombination aus Irinotecan und 5-FU (beziehungsweise Capecitabin) behandelt wurden, waren die Vorhersagen unpräzise. Bei den Patienten, die mit Oxaliplatin und 5-FU behandelt wurden, ermöglichten die Organoide überhaupt keine Vorhersage.

Warum die Organoide bei einem Zytostatikum in gleicher Weise wie die Metastasen auf die Behandlung reagieren, bei einem anderen Zytostatikum aber nicht, ist unklar. Ein Unter­schied zum natürlichen Tumor besteht darin, dass die Organoide keine Abwehrzellen enthalten, die im Körper an der Abwehr der Metastasen beteiligt sind. Ein weiterer Nachteil ist, dass es nicht bei allen Patienten gelingt, Organoide aus den Tumorzellen zu züchten. © rme/aerzteblatt.de

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