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Medizin

Listeriose: Sigma1-Ausbruch begann bereits 2014

Freitag, 11. Oktober 2019

Bakterien Listeria monocytogenes Erreger in einer Mikroaufnahme Vergrößerung 20.000:1 Rasterelektronenmikroskop REM-Color. /Dr.Gary Gaugler/OKAPIA
Bakterien Listeria monocytogenes Erreger in einer Mikroaufnahme Vergrößerung 20.000:1 Rasterelektronenmikroskop REM-Color. /Dr.Gary Gaugler/OKAPIA

Berlin – Der derzeitige Ausbruch von Listeriose-Erkrankungen, an denen mindestens 37 Menschen erkrankt und 3 Patienten gestorben sind, begann bereits im Jahr 2014. Dies zeigen genetische Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), die jetzt im Epidemi­ologischen Bulletin (2019; 41: 431-432) vorgestellt wurden.

Laut der Publikation wurde im letzten Jahr mittels Genomsequenzierung ein L. monocyto­genes-Stamm identifiziert, der intern als „Sigma1“ bezeichnet wird. Dieser Cluster wurde bisher in 38 Isolaten von 37 gemeldeten Erkrankungen gefunden. Die Übereinstimmung der Genomsequenzen war so hoch, dass das RKI von einer gemeinsamen Quelle aus­gehen musste.

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Eine retrospektive Analyse weiterer Isolate ergab, dass bereits in den Jahren 2014, 2016 und 2017 erste Fälle aufgetreten waren. Die meisten Erkrankungen (29 Fälle) wurden dann im letzten und in diesem Jahr registriert. Die 37 Erkrankungen verteilten sich auf 12 Bundesländer: Dies waren Nordrhein-Westfalen (11 Fälle), Hessen (5 Fälle), Baden-Württemberg (4 Fälle), Bayern (3 Fälle), Niedersachsen (3 Fälle), Brandenburg (3 Fälle), Sachsen-Anhalt (2 Fälle), das Saarland (2 Fälle) und jeweils 1 Fall in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen.

Die betroffenen Personen waren zwischen 31 und 91 Jahre (median: 74 Jahre) alt, was laut RKI dem üblichen Altersspektrum entspricht. 14 Patienten mit Sigma1-Listeriose wurden als verstorben gemeldet. Allerdings wurde nur in 3 Fällen die Listeriose für den Tod verantwortlich gemacht. Jeweils ein Patient stammte aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Nach der Identifizierung des Clusters wurden Befragungen der Patienten eingeleitet. 6 Patienten waren bereit, an der Aufklärung mitzuarbeiten (in anderen Fällen hatten die Patienten oder Angehörige die Befragung aus Alters- oder Gesundheitsgründen abge­lehnt). Bei den Patientenbefragungen fiel auf, dass mehrere Betroffene sich längere Zeit in stationärer Behandlung befunden hatten.

Die weiteren Untersuchungen konzentrierten sich deshalb auf diese Gesundheitsein­richtungen. Da es sich um verschiedene Einrichtungen (Krankenhäuser, Reha, Altersheime etc.) handelte, konnten Medikamente oder Medizinprodukte als gemeinsame Infektions­quelle ausgeschlossen werden.

Keime in Hessen gefunden

Der Verdacht fiel auf die Lebensmittelversorgung. Die weiteren Ermittlungen wurden dann dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebens­mittelsicherheit (BVL) überlassen. Bei der Überprüfung der in den Gesundheitsein­rich­tungen verwendeten Lebensmittel wurden die Keime dann in den Waren eines „nicht näher benannten Betriebs aus Hessen“ gefunden.

Dass der Ausbruch entdeckt wurde, ist der Tatsache zu verdanken, dass seit 2018 alle an das Konsiliar-Labor des RKI eingesendeten L. monocytogenes-Isolate mittels Ganz­genoms­equenzierung („Next Generation Sequencing“) untersucht werden. Erst dadurch wurde es möglich, eine Verbindung zwischen Erkrankungen herzustellen, die an weit entfernten Orten zu verschiedenen Zeiten auftraten.

Es ist davon auszugehen, dass nicht alle Erkrankungen erkannt wurden. Unklar ist auch, wie viele Menschen den kontaminierten Produkten ausgesetzt waren. Bei den meisten Menschen kommt es nach der oralen Aufnahme von L. monocytogenes, wenn überhaupt, nur zu einer akuten Gastroenteritis, deren Ursache selten ermittelt wird. Und wenn Stuhlproben im Labor positiv auf L. monocytogenes getestet werden, erfährt das RKI dies in der Regel nicht, weil in diesem Fall keine Meldepflicht besteht. © rme/aerzteblatt.de

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