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Medizin

Lungenembolie: Mortalität sinkt, auffälliger Gipfel bei jüngeren Frauen

Dienstag, 15. Oktober 2019

/sudok1, stockadobecom

Mainz – Die Zahl der Menschen, die in Europa an einer Lungenembolie sterben, hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast halbiert. Dies geht aus einer Auswertung der Mortali­tätsdaten­bank der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in Lancet Respiratory Medicine (2019; doi: 10.1016/S2213-2600(19)30354-6) hervor. Auffällig ist ein Mortalitätsgipfel bei Frauen im gebärfähigen Alter.

Eine massive Lungenembolie kann innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Die Erkrankung ist eine gefürchtete Komplikation bei bettlägerigen und frisch operierten Patienten, wes­halb diese Patienten heute eine Thromboseprophylaxe erhalten. Auch die Behandlung der Lungenembolie hat sich verbessert.

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Eine rasche Antikoagulation kann Patienten vor einem tödlichen Verlauf schützen. Der Rückgang der Case-Fatality-Rate kann jedoch auch mit der verbesserten Diagnose zu­sammenhängen. Die moderne Bildgebung ermöglicht die Diag­nose von leichteren Lun­genembolien, die meist überlebt werden und früher unentdeckt blieben.

Ein internationales Forscherteam hat die WHO Mortality Database ausgewertet, die die Todesursachen in den Sterbeurkunden erfasst. Diese verzeichnen für die Jahre 2013 bis 2015 fast 40.000 Todesfälle an einer Lungenembolie auf 650 Millionen Einwohner der WHO-Region Europa (zu der auch die zentralasiatischen Länder zählen).

Stefano Barco von der Universitätsmedizin Mainz und Mitarbeiter ermitteln eine alters­standardisierte jährliche Mortalitätsrate von 6,5 auf 100.000 Einwohner. Im Jahr 2000 hatte die Mortalitätsrate noch bei 12,8 auf 100.000 Einwohner gelegen.

Worauf der Rückgang beruht, kann die Studie nicht ermitteln. Es könnte eine Kombina­tion aus einer geringeren Erkrankungsrate und einer besseren Behandlung sein. Die Zahl der Erkrankungen könnte zurückgegangen sein, weil die Menschen gesünder leben (weni­ger kardiovaskuläre Risikofaktoren) und/oder weil in den Kliniken auf eine Thrombose­pro­phy­laxe geachtet wurde. Auch die Verbesserung der Therapie der Lungenembolie könnte die Mortalität beeinflusst haben.

Auffallend sind die großen regionalen Unterschiede. In Italien beträgt die Mortalität ak­tu­ell nur 2,0 auf 100.000 Erwachsene, in Bulgarien sind es 24,7 auf 100.000 Einwohner. Deutsch­land belegt mit 9,4 Todesfällen auf 100.000 Einwohner den sechst schlechtesten Wert von 41 Ländern.

In allen Ländern steigt die Mortalität an einer Lungenembolie mit dem Alter exponentiell an. In Deutschland kommen in der Altersgruppe der über 85-Jährigen auf 100.000 Perso­nen pro Jahr 120,8 Todesfälle an einer Lungenembolie.

Jüngere Menschen sterben sehr viel seltener an einer Lungenembolie. Sie sterben aber auch seltener an anderen Erkrankungen. Auffällig ist, dass bei Frauen im gebärfähigen Alter der Anteil der tödlichen Lungenembolien an allen Todesfällen relativ hoch ist. Im Alter von 15 bis 55 Jahren sind bei Frauen 8 bis 13 von 1.000 Todesfällen auf eine Lun­genembolie zurückzuführen, bei Männern sind es im gleichen Alter nur 2 bis 7 auf 1.000 Todesfälle.

Dieser Gipfel bei den Frauen ist in Westeuropa deutlich höher als in Süd- und Osteuropa. In der Altersgruppe der 20- bis 30-jährigen Frauen entfallen mehr als 20 von 1.000 To­des­­fällen auf eine Lungenembolie.

Die Ursache kann die Studie nicht klären, da sie keine weiteren Informationen über die betroffenen Personen hat. Es ist allerdings bekannt, dass Schwangerschaft und die Ein­nahme von oralen Kontrazeptiva das Risiko auf eine Lungen­embolie erhöhen. Angesichts der in Westeuropa niedrigen Geburtenraten liegt die Vermu­tung nahe, dass der Mortali­tätsgipfel auf die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva zurückzuführen ist. © rme/aerzteblatt.de

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