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Medizin

PrEP-Lücke: Hunderttausende MSM in der EU ohne schützende Medikamente

Dienstag, 15. Oktober 2019

Zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wird meist Emtricitabin in Kombination mit Tenofovir eingesetzt – zwei nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren. /mbruxelle, stockadobecom

Stockholm – In 10 von 14 Ländern der EU können Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, sich Medikamente zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) verschreiben lassen. Doch noch immer sind laut Umfrageergebnissen in Eurosurveillance (2019; 24: 1900598) etwa 500.000 Mitglieder der wichtigen Risikogruppe ungeschützt, obwohl sie die Medi­kamente gerne einnehmen würden.

Neben HIV-Tests und einer konsequenten Behandlung aller Infizierten gilt PrEP als wichtigste Maßnahme zur Eindämmung der HIV-Pandemie. UNAIDS fordert, dass bis 2020 weltweit mindestens 3 Millionen eine PrEP betreiben sollen. In erster Linie ist dabei an MSM gedacht, da es in dieser Gruppe besonders viele Infektionen gibt.

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In der Europä­ischen Union und assoziierten Ländern (EU/EAA) wird der Anteil auf 38 % geschätzt. Die Erfahrungen aus Australien zeigen, dass das Interesse an der PrEP bei den MSM hoch ist und die Einnahme der Medikamente die Zahl der Infizierten senken kann.

Doch von einer europaweiten Einführung der PrEP kann noch nicht die Rede sein. Zwar erhalten in den EU/EAA Interessierte in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden sowie Nordirland und Schottland die Mittel auf Rezept. Außerhalb der EU/EAA ist dies aber nur noch in Bosnien und Herzegowina, der Republik Moldau und in Island der Fall. Die meisten MSM, die eine PrEP betreiben, gibt es derzeit in Frankreich (9.078), Deutschland (etwa 8.000) und Groß­britannien (etwa 6.000 Personen).

In der EMIS-2017 („European Men-Who-Have-Sex-With-Men Internet Study“) wurden HIV-negative MSM gefragt, ob sie bereit wären, die Medikamente einzunehmen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Das größte Interesse bekundeten MSM in Russland, Weiß­russ­­­land und der Türkei. In diesen Ländern ist jedoch die Verfügbarkeit mit am gerings­ten.

Die Differenz zwischen Interesse und Verfügbarkeit, die Rosalie Hayes vom National AIDS-Trust in London als „PrEP-Lücke“ bezeichnet, ist in Russland mit 44,8 % am größten. Am geringsten ist sie in Portugal mit 4,3 %, was allerdings auch daran liegt, dass das Interesse der HIV-negativen MSM, sich auf diese Weise vor einer Infektion zu schützen, in Portugal auffallend gering ist. Nur etwas mehr als 5 % würden sich dafür interessieren (die Gründe für die mangelnde Motivation hat die Studie nicht untersucht).

Europaweit beträgt die PrEP-Lücke etwa 17,4 %. Ausgehend von der Annahme, dass 2,77 % der erwachsenen männlichen Bevölkerung zu den MSM gehören (unter Berücksichti­gung einer Selbstselektivität) errechnet Hayes eine Zahl von 500.000 MSM (95-%-Kon­fidenz­intervall 420.000 bis 610.000), die mit hoher Wahrscheinlichkeit PrEP verwenden würden, wenn sie denn Zugriff auf die Medikamente hätten (was ohne Kostenerstattung meist an den hohen Preisen der Medikamente scheitert). © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 16. Oktober 2019, 23:44

Kontraproduktiv!

Die HIV-PrEP verführt zum Verzicht auf Kondome beim oft promisken Sexualverhalten dieser Gruppe und leistet Lues, Gonorrhoe, Hepatitis B und C und anderen STD Vorschub!
Es ist schon kurios, dass Menschen mit einem hochriskanten Sexualverhalten nicht etwa Hilfe zur Behandlung der möglicherweise vorhandenen Sexsucht erhalten, sondern auf Kosten der Allgemeinheit ein Mittel, das ihnen erlaubt, weiter riskanten Sex zu haben.
Andererseits erhalten Menschen, die zB wegen eines Diabetes unter einer Impotenz tatsächlich leiden, keine Erektionshilfen "auf Kasse", weil das private Lebensführung , also "lifestyle" ist...
Drogenabhängige, die ein Heroinersatzpräparat "auf Kasse" bekommen, müssen sich dafür strengen Regularien unterwerfen und nachweisen, dass sie regelmäßig an einer psychosozialen Behandlung teilnehmen.
MSM-Patienten müssen nur erklären, dass sie nicht bereit sind, auf "Bare-Backer-Parties", Chem-Sex oder Dark-Room-Feten zu verzichten, und erhalten ein Medikament für 600 EUR pro Monat von ihrer sonst ständig klammen Kasse...
LNS

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