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Der Klimawandel verschärft den Hunger

Dienstag, 15. Oktober 2019

/dpa

Berlin – Die Welthungerhilfe warnt vor neuen Gefahren für die Ernährungssicherheit durch den Klimawandel in ohnehin gefährdeten Staaten. „Die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung in einem sich wandelnden Klima erfordert groß angelegte Maßnah­men, um klimawandelbedingte Ungerechtigkeiten zu beseitigen und gleichzeitig Um­welt­veränderungen zu minimieren, die katastrophal für die Menschheit sein könnten“, heißt es in dem heute in Berlin vorgestellten Welthungerindex 2019 der Organisation. Ein herber Rückschlag sei, dass die Zahl der Hungernden seit drei Jahren wieder ansteigt – auf nun 822 Millionen Menschen.

In ihrem jährlichen Bericht bewertet die Organisation die Lage in einzelnen Staaten an­hand von vier Indikatoren: Anteil der Unterernährten sowie Auszehrung, Wachstumsver­zö­ge­rung und die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren. In der Zentralafrikani­schen Republik als einzigem Land wird die Lage als „gravierend“ eingestuft. In vier Län­dern – Tschad, Madagaskar, Jemen und Sambia – ist die Hungerlage „sehr ernst“. Insge­samt sind die Index-Werte seit dem Jahr 2000 um 31 Prozent gefallen. Unter den 117 berücksichtigten Ländern weisen 43 ernste Hungerwerte auf.

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„Die Verantwortung für den Klimawandel und seine Folgen sind sehr ungerecht verteilt. Die Menschen, die ihn am wenigsten verursacht haben, leiden am stärksten unter seinen Auswirkungen“, warnte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme. Sie verwies auf Dürren, Überschwemmungen und Stürme. Nötig ist nach Einschätzung der Welthun­gerhilfe eine bessere Vorbereitung auf Katastrophen und eine gerechte Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen. Der Klimawandel müsse abgeschwächt werden, ohne die Ernäh­rungssicherheit zu gefährden.

„Die globale Ernährungssicherheit und der Klimawandel sind die beiden Überlebensfra­gen der Menschheit“, zitierte die Organisation eine Stellungnahme von Entwicklungs­minis­­ter Gerd Müller. Aus den Dürreregionen Afrikas seien demnach bereits 20 Millionen Menschen geflohen. Er verwies auch auf Folgen von Kriegen wie in Syrien und dem Jemen.

„Der Index zeigt, dass Hunger wieder auf dem Vormarsch ist. Wir müssen abbiegen von der Straße der Ignoranz und Bequemlichkeit“, forderte der entwicklungspolitische Spre­cher der FDP-Bundestagsfraktion, Christoph Hoffmann. Um eine wachsende Weltbevölke­rung zu ernähren, müsste die Landwirtschaft in Staaten der Entwicklungszusammenarbeit intensiviert werden. „Neue Biotechnologie dabei auszuschließen, wäre im Sinne des Wortes tödlich.“

Die Grünen forderten Außenminister Heiko Maas (SPD) auf, den Kampf gegen anhaltende Hungersnöte in vielen afrikanischen Ländern zu verstärken. „Das Auswärtige Amt steht in der Pflicht, seine Ankündigung umzusetzen, dass Deutschland sich mehr um diese vergessenen Krisen kümmern wird“, sagte die menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen, Margarete Bause, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Zahl der Menschen, die unter Hunger und „mittlerer oder schwerer Ernährungsun­sicherheit“ leiden, sei zwischen 2014 und 2018 um 300 Millionen auf über zwei Milliar­den angestiegen, teilte das Hilfswerk Brot für die Welt heute mit. Frauen und Mädchen seien stärker betroffen als Männer. Verantwortlich dafür sind vor allem fehlende recht­liche Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land. © dpa/aerzteblatt.de

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