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Mediziner müssen auf Folgen der Klimakrise vorbereitet sein

Mittwoch, 16. Oktober 2019

/dpa

Berlin – Die Klimakrise sei nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein humanitärer und gesundheitlicher Notfall warnen Ärzte, humanitäre Organisationen und Umweltschützer. „Die Klimakatastrophe kostet Menschenleben und das muss auch durch entsprechende ärztliche Maßnahmen verhindert werden. Wir müssen Ärzte und Ärztinnen auf die medizi­nischen Folgen des Klimawandels vorbereiten“, sagte Günther Jonitz, Präsident der Ärzte­kammer Berlin, bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Humanitären Kongresses 2019.

Der Kongress wird seit 20 Jahren von Ärzte ohne Grenzen, Ärzte der Welt, dem Deutschen Roten Kreuz und der Ärztekammer Berlin veranstaltet. Offizieller Partner in diesem Jahr ist Greenpeace. Mit dem Titel „A Perfect Storm ­– Humanitarian Im­pacts of Climate Change“ widmet sich der Kongress erstmalig schwerpunktmäßig dem Thema Klimakrise.

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Die dramatischen Folgen des Klimawandels seien in Form von Stürmen, Überschwem­mungen, Dürren und Vertreibungen heute bereits zu spüren. Dass die sich häufenden Ex­tremwetterlagen und Katastrophen tatsächlich eine Konsequenz der Klimakrise sind – und keine zufälligen Ereignisse – sei durch zahlreiche Studien mittlerweile belegt, sagte Alexandra Rüth, die beim Deutschen Roten Kreuz die Projektgruppe Humanitäre An­passung an den Klimawandel leitet.

Am schwersten litten Menschen, die ohnehin von Armut, Krankheit, extremen Wetterver­hältnissen sowie einer unsicheren Ernährungssituation betroffen seien, betonte sie. Bis 2050 könnte laut der Internationalen Organisation für Migration die Zahl der Menschen, die aufgrund von klimabedingten Wetterveränderungen ihre Heimat verlassen müssen, 200 Millionen erreichen – heute liegt sie bei etwa 108 Millionen.

Das Risiko, an gesundheitsschädlichen Einflüssen zu erkranken, habe – auch durch den Klimawandel – in den vergangenen Jahren stark zugenommen, berichtete François De Keers­maeker, Direktor von Ärzte der Welt Deutschland.

Unter anderem sei durch steigen­de Tempe­raturen und häufigere Überschwemmungen in vielen Ländern der Welt das Risiko gewach­sen, sich mit durch Wasser übertragene Krank­heiten wie Cholera und durch Insekten über­tragene Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber und die Lyme-Krankheit zu infizieren.

Jonitz wies außerdem auf das ansteigende Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen hin, die bei großer Hitze insbesondere älteren Menschen das Leben kosten könnten.

Dem Klimawandel und den daraus resultierenden ökologischen, humanitären und ge­sund­heitlichen Folgen entgegenzutreten, sei eine gemeinsame Verantwortung aller Staaten, betonte De Keersmaeker. Durch lokale Maßnahmen, ohne eine globale Anstren­gung, lasse sich dem Problem nicht begegnen.

Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, kritisierte, dass es gerade die reichen Industrienationen seien, die das Klimaproblem mit ihrem enorm hohen CO2-Aus­stoß der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich verursacht hätten – jetzt aber die von der Erderwärmung besonders betroffenen Menschen allzu häufig im Stich ließen.

Doch abgesehen von der Verantwortung seien es auch die „westlichen Industrienationen, die über die technischen und finanziellen Voraussetzungen verfügen, um gegen den Kli­mawandel vorzugehen“, ergänzte er.

Hier sei auch die Bundesregierung in der Pflicht: Die Bundesrepublik müsse ihre eigenen Emissionen viel stärker als geplant reduzieren und zugleich ärmere Länder dabei unter­stüt­zen, sich gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu wappnen und ihre Wirtschaft klimafreundlich weiterzuentwickeln. © nec/aerzteblatt.de

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