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Medizin

Luftverschmutzung könnte Fehlgeburtrisiko erhöhen

Mittwoch, 16. Oktober 2019

/picture alliance/Ke Wei/Imaginechina

Peking – Die Luftverschmutzung in Großstädten kann offenbar Fehlgeburten auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung in Nature Sustainability (2019; doi: 10.1038/s41893-019-0387-y), in der eine Zunahme von Feinstaub und anderen Schad­stof­fen mit einem Anstieg der verhaltenen Aborte einherging.

Schätzungsweise 15 % bis 20 % aller Schwangerschaften enden im ersten Trimenon in einem Spontanabort. Die exakte Zahl lässt sich schwer bestimmen, da nicht alle Frauen einen Arzt aufsuchen und nicht immer feststeht, ob es sich um einen Abort oder um eine verzögerte Menorrhö handelt. Genaue Zahlen gibt es dagegen bei den verhaltenen Ab­orten („missed abortion“), bei dem der abgestorbene Embryo im Uterus bleibt und durch eine Curettage entfernt werden muss.

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In Peking liegt der Anteil bei etwa 7 %. Von den 255.000 Schwangerschaften, deren Da­ten Liqiang Zhang von der „Normalen Universität“ in Peking untersuchte, endeten 17.500 in einer therapeutischen Ausschabung oder Absaugung.

Zhang setzte die verhaltenen Aborte mit dem Luftschadstoffgehalt in der Nähe des Wohn­­­orts der Schwangeren in Beziehung. Dabei trat eine Assoziation zutage. Am deut­lichs­ten war sie beim Schwefeldioxid (SO2). Der Gehalt ist in Peking relativ hoch, weil in der Region viel mit Kohle geheizt wird und der Strom aus Kohlekraftwerken stammt.

Zhang fand heraus, dass die Zahl der verhaltenen Aborte mit zunehmender SO2-Exposi­tion ansteigt. Die Assoziation war nicht linear. Bei einer Belastung von unter 7,1 µg/m3 steigerte jede Zunahme um 10,0 µg/m3 das Risiko um 17 %. Bei einer Belastung von 7,1 bis 19,5 µg/m3 stieg das Risiko pro 10,0 µg/m3 um 41 % und bei einer noch stärkeren Belastung um 52 %.

Die Forscher konnten bei ihren Berechnungen einige Einflussfaktoren wie Alter, Beruf oder Lufttemperaturen berücksichtigen, die für sich das Risiko von Fehlgeburten beein­flussen. Zu anderen Faktoren wie Heizungen, Baumaterialien oder Rauchen standen ihnen keine Infor­ma­tionen zur Verfügung. Die Forscher können deshalb nicht zweifelsfrei beweisen, dass die Luftverschmutzung die Fehlgeburten ausgelöst hat.

Für einen kausalen Zusammenhang spricht jedoch, dass die Zahl der verhaltenen Aborte in den vergangenen Jahren in der chinesischen Hauptstadt parallel zu einer Verbesserung der Luft­qualität zurückgegangen ist, wie Zhang betont.

Die Studie wurde von der chinesischen Regierung gefördert. Dort scheint man, erkannt zu haben, dass die Luftverschmutzung der Gesundheit der Bevölkerung schadet. Die vorge­burtliche Gesundheit ist zu einem Thema geworden, seit die Geburtenrate im Land abge­fallen ist, obwohl die Regierung inzwischen von der früheren Ein-Kind-Politik abgerückt ist. © rme/aerzteblatt.de

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