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Ärzteschaft

„Ohne-Arzt-Praxis“ im Rems-Murr-Kreis geplant

Donnerstag, 17. Oktober 2019

/agenturfotografin, stock.adobe.com

Spiegelberg – Weil seit langem kein Hausarzt für Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis ge­funden werden konnte, wird dort nun ein neues Modell erprobt: In der „Ohne-Arzt-Praxis“ sollen sich Patienten künftig von einer medizinischen Fachangestellten untersuchen lassen, ohne dass ihr Hausarzt dabei ist.

Der Allgemeinmediziner ist per Video dazugeschaltet und kann die Angestellte anleiten. In dem auf etwa zwei Jahre angelegten Pilotprojekt behandelt zunächst nur Jens Steinat, Allgemeinmediziner aus dem Nachbarort Oppenweiler, Patienten per Teleme­dizin. Für die Erstuntersuchung müssen die Patienten weiterhin zu ihm kommen, die Nachsorge kann dann per Video erfolgen.

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Künftig sollen laut Tobias Gantner, Geschäftsführer der Betreiberfirma aus Heidelberg, mehrere Hausärzte aus der Umgebung ihre Patienten in der gemeinschaftlichen Teleme­dizinpraxis behandeln können. Dies wäre dann bundesweit einmalig.

Wann Steinat den ersten Telemedizin-Termin anbieten kann, ist bislang noch unklar. „Es gibt noch wichtige Rechtsdinge, die wir vorher einwandfrei klären wollen und müssen“, sagte er bei der Vorstellung des Projekts.

Zu klären sei etwa, welche Unter­suchungen konkret angeboten werden können, wie sie abgerechnet werden und wer bei Fehlern haftet. Hier sei man mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Ärztekammer Baden-Württemberg im Gespräch.

Das Projekt wird vom Bund mit 200.000 Euro gefördert. In Spiegelberg mit seinen etwa 2.000 Einwohnern gibt es seit 2013 keinen niedergelas­senen Allgemeinmediziner mehr.

„Es ist sehr schwierig, einen Arzt zu bekommen, der aufs Land rausgeht“, sagte Bürger­meister Uwe Bossert (Freie Wähler). Derzeit würden alle Patienten aus Spiegelberg von Hausärzten aus Nachbargemeinden versorgt. Einen zweiten Standort für eine „Ohne-Arzt-Praxis“ soll es künftig im rund 30 Kilometer entfernten Zweiflingen geben. Wann es dort losgeht, ist allerdings noch unklar. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 19. Oktober 2019, 22:01

Der Sicherstellungsauftrag

ist längst löchrig wie ein Schweizer Käse, Anfang der 90er hat die KBV versäumt, ihn den Kassen vor die Füße zu werfen.
Seit der urprünglich nur "vorübergehenden" Einführung des gedeckelten Gesamthonorars und seiner Festschreibung im SGB V durch Seehofer 1992 dient der Sicherstellungsauftrag nur mehr reiken
der Erpressung der Ärzteschaft, um trotz Nichtbezahlung angemessener Honorare Leistungen zu erzwingen. Immerhin dürfen wegen des Sicherstellungsauftrags Ärzte nicht streiken, um ihre Bezahlung oder Arbeitsbedingungen zu verbessern
"Vertragsbrüchig" sind Politik und Krankenkassen, nicht die Ärzte.
Sich nicht an bestimmten Orten niederzulassen müssen ist das letzte Freiheitsrecht, das dem Freiberufler "Vertragsarzt" geblieben ist. Solang man nicht einmal verbeamtete Lehrer an Orte versetzen darf, an denen Lehrermangel herscht, wird das mit Ärzten erst recht nicht gehen.
Da muss die Politik den KVen schon die Mittel zur Verfügung stellen, um den Sicherstellungsauftrag zu erfüllen.
Ins Gesetz zu schreiben "das Geld reicht, Punkt" genügt halt nicht...
Avatar #760232
penangexpag
am Freitag, 18. Oktober 2019, 12:03

Ärztliche Versorgung

<< „Es ist sehr schwierig, einen Arzt zu bekommen, der aufs Land rausgeht“, sagte Bürger­meister Uwe Bossert (Freie Wähler) >>.
Das Gesundheitssystem in der Bundesrepublik basiert auf der Sicherstellungsverpflichtung der freien Ärzteschaft und deren Kassenärztlichen Vereinigung. Diese Selbstverpflichtung ist nicht auf Speckgürtel beschränkt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen erfüllen also ohre Selbstverpflichtung nicht, sind also vertragsbrüchig. Und das geht schon lange so. Folgerichtig muß der Staat entweder doe Verträge mit den KVBn beenden oder aber öffentlich angestellte Ärzte in die Mangelregionen schicken. Das ist sicher auch besser, als der Versuch der freien Ärzte, durch "medizinische Fachangestellte + Telemedizin" das Problem zu lösen - wobei man es auch meinetwegen mal ausprobieren kann.
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