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Medizin

Intensive Blutdruckkontrolle verhindert MRT-Läsionen im Gehirn

Donnerstag, 17. Oktober 2019

/russellg10, stockadobecom

Farmington – Eine intensive Blutdrucksenkung hat bei über 75-jährigen Hypertonikern mit Zerebralsklerose die Bildung weiterer Hyperintensitäten in der Magnetresonanztomo­grafie (MRT) vermindert. Ein günstiger Einfluss auf die Gebrechlichkeit der Patienten war laut der Publikation in Circulation (2019; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.119.041603) jedoch nicht erkennbar.

Bei den meisten Menschen mit arterieller Hypertonie sind mit zunehmendem Alter im Gehirn „white matter hyperintensities“ (WMH) im MRT nachweisbar. Sie gelten als Zeichen einer ischämischen Schädigung des Gehirns, die zunächst keine Symptome versuchen, auf die Dauer und mit zunehmender Anzahl der WMH jedoch die Gebrechlichkeit der Pa­tienten erhöhen.

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Die INFINITY-STUDIE („Intensive Versus Standard Ambulatory Blood Pressure Lowering to Prevent Functional Decline In the Elderly“) hat untersucht, ob eine intensive Blutdruck­senkung die Bildung weiterer WMH verhindern und den körperlichen und geistigen Ver­fall aufhalten kann.

An der Studie nahmen 199 Hypertoniker im Alter von durchschnittlich 80,5 Jahren teil, bei denen es bereits zu WMHs mit einer Ausdehnung von etwa 20 ml gekommen war. Bei den meisten Patienten lagen kardiovaskuläre Risikofaktoren oder Komorbiditäten vor.

Die Patienten wurden auf eine intensive Blutdruckkontrolle mit einem systolischen Blut­druck­ziel von unter 130 mm Hg oder eine Standardbehandlung mit einem systolischen Blut­druck­ziel von unter 145 mm Hg randomisiert. Die Blutdruckziele wurden zu Beginn der Studie sowie nach 18 und 36 Monaten durch eine 24-Stunden-Langzeitmessung kontrol­liert.

Wie William White vom Calhoun Cardiology Center der Universität von Connecticut Far­mington und Mitarbeiter berichten, wurden die Blutdruckziele bei den meisten Patienten auch erreicht. Bei der ersten 24-Stunden-Messung lag der durchschnittliche systolische Blutdruck unter der intensiven Behandlung bei 127,7 mm Hg. Nach 3 Jahren war er leicht auf 130,7 mm Hg gestiegen. Unter der Standardbehandlung lagen die Blutdruckwerte bei 144 mm Hg und 146 mm Hg.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Mobilität der Patienten. Wie White berichtet, hatte die intensive Blutdrucksenkung keine signifikanten Auswirkungen auf die Gehge­schwin­dig­keit, das Treppensteigen, die Geschwindigkeit beim Aufstehen oder Sitzen, die Stehfähigkeit auf einem Bein oder das funktionsbezogene Gleichgewicht. Auch in zahlrei­chen kognitiven Tests (sekundärer Endpunkt) waren keine Unterschiede nachweisbar.

Die weitere Zunahme der WMH wurde jedoch begrenzt. Unter der Standardtherapie kam es zu einer Vergrößerung um 0,48 % gegenüber nur 0,29 % unter der intensiven Blut­druck­­­senkung.

In einer Sensitivitätsanalyse, die nur Patienten einschloss, die die Blutdruckziele erreich­ten, nahm die WMH um 0,58 beziehungsweise 0,28 % zu. Die Unterschiede waren statis­tisch signifikant und White ist zuversichtlich, dass sie über längere Zeit auch einen güns­ti­gen Einfluss auf die Gebrechlichkeit haben werden.

Die Studie hatte eine zu geringe Teilnehmerzahl, um die Auswirkungen auf klinische Er­eignisse zu untersuchen. Überraschenderweise kam es dann aber doch zu weniger nicht-tödlichen kardiovaskulären Ereignissen (18 versus 5 Ereignisse). Die Risk Ratio von 0,24 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,08 bis 0,68 signifikant.

Ähnliche Ergebnisse wurden kürzlich in der SPRINT-MIND-Studie berichtet. Dort war ein systolischer Zieldruck von unter 120 mm Hg angestrebt worden. Gegenüber der Stan­dard­­therapie (mit Zielwert unter 140 mm Hg) hatte die intensive Blutdrucksenkung das Fort­schreiten der WMH und den Rückgang der Hirngröße verlangsamt. © rme/aerzteblatt.de

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