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Medizin

Impfung möglicher Ansatz gegen Graft-versus-­Host-Immunreaktion

Donnerstag, 17. Oktober 2019

/dpa

Freiburg – Aktive oder passive Impfungen könnten ein Ansatz sein, um das Risiko von Graft-versus-Host-Immunreaktionen nach einer Stammzelltransplantation zu senken. Das berichten Wissenschaftler um Robert Zeiser, Leiter der Abteilung Tumorimmu­nologie der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg, im Fachmagazin Procee­dings of the National Academy of Sciences (doi 10.1073/pnas.1908549116).

Bei einigen Leukämien ist die Transplantation fremder Blutstammzellen laut den Autoren die einzig mögliche Therapie. Doch bei mehr als jedem 2. Patienten kommt es zu einem Angriff der neuen Immunzellen auf den Körper des Patienten (Graft-versus-Host-Immun­reaktion). Aktiviert oder verstärkt werden kann diese gefährliche Abstoßungsreaktion, wenn Darmbakterien durch die geschädigte Darmwand ins Blut übergehen.

Die Forscher erprobten im Tiermodell einen neuen Ansatz, um die Immunreaktion zu ver­hindern: Die Forscher verabreichten Mäusen einen medikamentösen Antikörper, der an die ins Blut eingedrungenen Bakterien bindet. Die Tiere erhielten also eine passive Im­pfung.

So markiert, wurden die Bakterien schnell vom Immunsystem erkannt und gezielt zer­stört. Eine gefährliche Abstoßungsreaktion blieb weitgehend aus, die für die Genesung wichtige Vielfalt der Bakterien im Darm wurde nicht angegriffen. „Der Einsatz der Anti­kör­per könnte den bisher genutzten Antibiotika überlegen sein. So werden vor allem die Bakterien abgetötet, die in die Darmwand einwandern, ohne die Darmflora zu beschä­di­gen“, sagte Zeiser.

Auch eine aktive Impfung zeigte Erfolg. Dafür haben die Forscher den Tieren die bakteri­ellen Oberflächenproteine in niedriger Dosierung gespritzt. „Das Immunsystem lernt auf diese Weise, die Bakterien gezielt zu bekämpfen und die überschießende Reaktion bleibt aus“, so Zeiser. In der Folge entwickelte nur eines von 10 Tieren die gefährliche Graft-versus-Host-Immunreaktion.

„Die Impfungen sind ein völlig neuer Ansatz, mit denen wir ein großes Risiko von Stamm­transplantationen in den Griff bekommen könnten“, sagte Zeiser. Bis entsprechende Im­pfungen bei Patienten eingesetzt werden könnten, werde es allerdings voraussichtlich noch einige Jahre dauern. © hil/aerzteblatt.de

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