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Komorbide psychische Störungen bei Diabetikern häufig

Donnerstag, 17. Oktober 2019

/Depression-lightpoet-stockadobecom

Berlin – Psychische Störungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig stellten komorbide psychische Störungen eine Be­hand­lungsbarriere dar, verschlechterten die Prognose des Diabetes und führten zu einer erhöh­ten Mortalität.

Darauf machte Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psy­chologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) heute bei einer Pressekonferenz im Rahmen des „Zukunftstag Diabetologie“ der Fachgesellschaft in Berlin aufmerksam.

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Die DDG will mit der Fachveranstaltung aufmerksam machen auf die Defizite in der psy­chosozialen Versorgung von Diabetikern – auch in den eigenen Reihen: Von 9.186 Mit­gliedern haben nach Angaben von Vizepräsident Neu nur 120 einen fachpsycholo­gischen Hintergrund.

„Trotz dieser recht eindeutigen Befundlage gibt es keine flächendeckenden psychosozia­len und fachpsychotherapeutischen Angebote für Menschen mit Diabetes“, bemängelte Kulzer, Leiter des Forschungsinstitutes der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim.

Den Daten der internationalen DAWN-2-Studie zufolge, der bislang größten Untersu­chung zu psychosozialen Belastungen von Menschen mit Diabetes, ist fast die Hälfte aller Patienten mit Typ-1-Diabetes und etwa jeder 4. Patient mit Typ-2-Diabetes in Deutsch­land aufgrund der Erkrankung stark belastet. „Der sogenannte Diabetes Distress ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Depressionen, die Wahrscheinlichkeit dafür ist dann um das 2,5-Fache erhöht“, erläuterte Kulzer.

Insgesamt leiden dem Experten zufolge 12 % aller Menschen mit Diabetes an einer klini­schen Depression, bei weiteren 18 % treten depressive Stimmungen auf. Auch Angst­stö­rungen, Zwangserkrankungen sowie bestimmte Essstörungen wie Bulimie und Binge Eating kommen demnach bei Diabetes-Patienten häufiger vor als normalerweise.

„Es mangelt an psychologischen Interventionen im Rahmen der Diabetestherapie – im stationären Bereich liegt das vor allem an den fehlenden Abrechnungsmöglichkeiten“, sagte Kulzer. Hier könnten nach Ansicht der DDG multimodale Komplexziffern, in denen psychiatrische, psychosomatische oder psychologisch-psychotherapeutische Leistungen mit einem festgelegten Behandlungsplan abgebildet sind, Abhilfe schaffen – ähnlich wie bei der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie.

Auch spezielle psychologisch/psychotherapeutische Interventionen im Rahmen des Disease-Management-Programms (DMP) Diabetes könnten nach Ansicht der DDG die Versorgung verbessern. „Aktuell sind die Möglichkeiten im DMP sehr begrenzt“, sagte der Vizepräsident der Fachgesellschaft, Andreas Neu, bei der Pressekonferenz.

Aufmerksam machte die DDG auch auf die von der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) vor 2 Jahren beschlossene Zusatzweiterbildung „Spezielle Psychotherapie Diabe­tes“. Umgesetzt wird sie von den Psychotherapeutenkammern Bayern, Baden-Württem­berg und Rheinland-Pfalz.

Nach Angaben von Andrea Benecke, Vizepräsidentin des Vorstands der BPtK und der Lan­despsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, haben nur 56 Psychologische Psychothe­rapeuten bislang diese Zusatzweiterbildung absolviert, die meisten davon in Rheinland-Pfalz. Als Grund für das relativ geringe Interesse nennt sie die kapazitäre Auslastung der meisten psychotherapeutischen Praxen. © PB/aerzteblatt.de

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