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Trotz gesetzlicher Verschärfung kein Rückgang beim Stalking

Donnerstag, 17. Oktober 2019

/burdun, stock.adobe.com

Mannheim – In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl der Stalkingopfer nicht zurück­gegangen, obwohl Polizei und Justiz mittlerweile verschärft dagegen vorgehen. Das be­richten Forscher des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim nach einer Studie im Auftrag der Weisser Ring Stiftung.

Die Forscher haben 2018 erhobene Daten aus einer Befragung von Mannheimer Bürgern mit Daten einer Studie aus dem Jahr 2003 verglichen: 10,8 Prozent der Befragten im Jahr 2018 haben angegeben, von Stalking betroffen zu sein. 2003 waren es 11,6 Prozent.

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„Dies spricht einerseits für die Reliabilität der mit unserer Methode erhobenen Ergeb­nisse. Andererseits muss leider auch festgehalten werden, dass die Häufigkeit von Stal­king im Zeitverlauf nicht signifikant abgenommen hat, obwohl gegen Stalker mittlerweile verschärft mit polizeilichen und strafrechtlichen Mitteln vorgegangen werden kann“, sagte Harald Dreßing, Leiter Forensische Psychiatrie am ZI.

Auch die Geschlechterverteilung von Tätern und Betroffenen ist laut Studie in den ver­gan­genen 15 Jahren weitgehend identisch geblieben. Frauen sind mit einem Anteil von 14,4 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer (5,1 Prozent).

„Das Hauptproblem im Zusammenhang mit Stalking ist nach wie vor die Tatsache, dass es meist Ex-Partner sind, die zum Stalker werden“, sagte Dreßing. Auffällig sei, dass mit Cy­berstalking eine neue Methode hinzugekommen sei.

Durch Internet und soziale Netzwerke hätten sich die Möglichkeiten von Stalking also erweitert. „Cyberstalking ist eine zusätzliche Methode, die neben anderen Methoden vom Stalker eingesetzt wird. Die Anzahl der Betroffenen insgesamt erhöht sich dadurch je­doch nicht in statistisch signifikantem Umfang“, so Dreßing.

Nach wie vor seien die gesundheitlichen Auswirkungen bei den Betroffenen erheblich. „Stalking ist psychische Gewalt und eine schwerwiegende Straftat. Die Opfer leiden teils jahrelang unter den Folgen der permanenten Nachstellung und Belästigung. Sie werden verfolgt, belästigt und bedroht. Und das zumeist über einen unerträglich langen Zeit­raum. Für den Weissen Ring als Hilfsorganisation stellt Stalking ein zunehmend wichti­geres Thema in der Opferarbeit dar“, sagte Jörg Ziercke, Kuratoriumsvorsitzender der Weisser Ring Stiftung.

Er wies darauf hin, dass die Organisation ein digitales Hilfsmittel für Betroffene von Stal­king entwickelt hat: Stalking-Opfer können mithilfe einer Smartphone-App Fotos, Videos und Sprachaufnahmen von Stalking-Vorfällen erstellen.

Durch die direkte und unmittelbare Dokumentation mit der sogenannten „No Stalk App“, die seit Mai in den Stores von Apple und Android zum kostenlosen Download bereitsteht, sei eine authentische Beweissammlung möglich. Für Menschen, die von Stalking be­troffen sind, bietet das ZI in Mannheim eine Spezialambulanz an. © hil/aerzteblatt.de

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