NewsMedizinFamiliäre Hypercholes­terinämie: Langzeitstudie bestätigt Vorteil einer Statinbehandlung ab dem Kindesalter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Familiäre Hypercholes­terinämie: Langzeitstudie bestätigt Vorteil einer Statinbehandlung ab dem Kindesalter

Freitag, 18. Oktober 2019

Eine unbehandelte Hypercholesterinämie kann schon im Kindesalter zu einer Atherosklerose führen. /Juan Gärtner, stock.adobe.com
Eine unbehandelte Hypercholesterinämie kann schon im Kindesalter zu einer Atherosklerose führen. /Juan Gärtner, stock.adobe.com

Amsterdam –Menschen mit einer familiären Hypercholesterinämie, der autosomal dominant vererbte Störungen im LDL-Stoffwechsel zugrunde liegen, wird ab dem Kindesalter zu einer Behandlung der deutlich erhöhten Cholesterinwerte geraten. Eine Langzeitbeobachtung aus den Niederlanden im New England Journal of Medicine (381: 1547-1556) zeigt, dass die Behandlung die Patienten bis zum 40. Lebensjahr vor atherosklerotischen Erkrankungen schützt, selbst wenn die Zielwerte des LDL-Cholesterins nur selten erreicht wurden.

Die familiäre Hypercholesterinämie ist das Paradigma für die schädlichen Folgen einer Hypercholesterinämie. Die Betroffenen haben aufgrund verschiedener Gendefekte bereits im Kindesalter deutlich erhöhte Cholesterinwerte. Unbehandelt kommt es bereits im Kindesalter zu einer Atherosklerose. Viele erleiden vor dem 40. Lebensjahr einen Herzinfarkt oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Anzeige

Vor 2 Jahrzehnten konnte ein Team um John Kastelein vom Academisch Medisch Centrum in Amsterdam in einer Placebo-kontrollierten Studie zeigen, dass eine Behandlung mit Pra­vastatin die LDL-Werte bei Kindern im Alter von 8 bis 18 Jahren senken kann, ohne dass dies negative Auswirkungen auf Wachstum, Muskel- oder Leberenzyme, endokrine Funk­tionsparameter oder die pubertäre Entwicklung (Tanner-Staging, Menarche, Hodenvolumen) hat. Bereits nach 2 Jahren Behandlung zeichneten sich leichte Vorteile in der Intima-Media-Dicke der Carotis gegenüber der Placebo-Gruppe ab, die ein Marker für die Atherosklerose ist (JAMA 2004; 292: 331-337).

Der Placebo-Arm der Studie wurde nach 2 Jahren aus ethischen Gründen beendet. Seither wird allen 214 Teilnehmern zu einer Cholesterin-senkenden Behandlung geraten, die lange nur mit Statinen möglich war. Die Forscher konnten 20 Jahre später 184 der damaligen Teilnehmer erneut untersuchen. Die Patienten sind jetzt im Mittel 31,7 Jahre alt. Die meisten nehmen weiterhin Statine ein. Der mittlere LDL-Cholesterinspiegel liegt derzeit im Mittel bei 160,7 mg/dl und damit um ein Drittel niedriger als vor dem Therapiebeginn in der Kindheit. Damals hatte der LDL-Cholesterinspiegel im Durchschnitt bei 237,3 mg/dl gelegen.

Nur 37 Patienten (20 %) hatten den empfohlenen Wert von unter 100 mg/dl erreicht. Dennoch konnte nach den weiteren Untersuchungen eine beschleunigte Atherosklerose verhindert werden. Die Intima-Media-Dicke der Carotis hatte zwar um 0,0056 mm pro Jahr zugenommen. Aber auch bei den 95 nicht von der familiären Hypercholesterinämie betroffenen Geschwistern wurde eine allmähliche Zunahme um 0,0057 mm pro Jahr gemessen.

Bisher ist es nur bei einem Patienten zu einem Herz-Kreislauf-Ereignis gekommen. Der Patient, ein Nichtraucher, der seit dem Ende der randomisierten Studie keine Statine mehr eingenommen hatte, musste sich im Alter von 28,6 Jahren wegen einer Angina pectoris einer perkutanen koronaren Intervention unterziehen. Von den Elternteilen mit dem gleichen Gendefekt, hatten im gleichen Alter bereits 41 (26 %) ein Herz-Kreislauf-Ereignis erlitten: Bei den meisten war dies ein Herzinfarkt (27 Patienten) oder eine Angina pectoris (7 Patienten) gewesen. Bei einem Patienten war der Herzinfarkt bereits im Alter von 20 Jahren aufgetreten. 11 Elternteile waren vor dem 40. Lebensjahr gestorben, alle an einem Herzinfarkt.

Auch wenn die beiden Vergleichsgruppen nicht ideal sind – Geschwister und Eltern könnten infolge eines anderen Lebensstils andere kardiovaskuläre Risiken aufweisen – ist laut Kastelein kaum daran zu zweifeln, dass die lebenslange Statin-Behandlung die Kinder bisher vor dem Schicksal ihrer betroffenen Elternteile bewahrt hat. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. November 2019
Augsburg – Das Schlaganfallrisiko steigt einer Augsburger Studie zufolge bei trocken-warmen Wetterlagen an. Dies gilt allerdings nur für ischämische Schlaganfälle. Hämorrhagische Schlaganfälle treten
Studie beobachtet mehr Schlaganfälle bei trocken-warmem Wetter
25. Oktober 2019
Berlin – Direkt wirkende orale Antikoagulanzien (DOAK) werden in Deutschland häufiger verordnet als Vitamin-K-Antagonisten. Darauf hat jetzt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in
Direkte orale Antikoagulanzien häufiger verordnet als Vitamin-K-Antagonisten
21. Oktober 2019
Birmingham/Alabama – Die Hoffnung, dass der kardioselektive Betablocker Metoprolol herzgesunde Patienten vor Exazerbationen einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung schützt, hat sich in einer
Studienabbruch: Kardioselektiver Betablocker erhöhte Rate von schweren COPD-Exazerbationen
16. Oktober 2019
Mannheim – Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) setzt sich für mehr Anstrengungen bei der Primär- und Sekundärprävention von kardiovaskulären Erkrankungen
Mehr Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen notwendig
15. Oktober 2019
Mannheim – Patienten, die an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden, haben ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dies werde jedoch
Periphere arterielle Verschlusskrankheit oft unterschätzt
10. Oktober 2019
Münster – Die Verwendung von Paclitaxel-beschichteten Ballons oder Stents zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) war bei deutschen Kassenpatienten nicht mit einem Anstieg
Paclitaxel-Stents: Kein erhöhtes Sterberisiko unter Barmer-Patienten
8. Oktober 2019
Bonn – Umweltzonen in Städten wirken sich offenbar auf die Gesundheit der Bevölkerung positiv aus. Das berichten Wissenschaftler des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) nach einer
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER