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Schuldiger für Lieferengpässe bei Arzneimitteln gesucht

Freitag, 18. Oktober 2019

/BillionPhotos.com, stock.adobe.com

Berlin – Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hat darauf hingewiesen, dass die Liefer­eng­pässe bei Arzneimitteln nicht auf die Ausschreibungen der Krankenkassen zurückzufüh­ren sind. Das zeige eine aktuelle Analyse des Verbandes.

Demnach gab es Ende September laut einer Übersicht des Bundesinstituts für Arznei­mittel und Medizinprodukte (BfArM) bei 529 Arzneimitteln Lieferengpässe. Tatsächlich nicht lieferbar war dem vdek zufolge von den gelisteten Medikamenten jedoch eine we­sentlich geringere Zahl. Abzüglich der bereits wieder lieferbaren und der zurückgerufe­nen Medika­mente errechnete der Verband noch 156 Arzneimittel auf der Liste.

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Ein Großteil davon sei jedoch in anderen Packungsgrößen oder von einem anderen Her­steller erhältlich. Von den so verbleibenden 89 Wirkstoffen habe für 69 Wirkstoffe kein Rabattvertrag der Krankenkassen vorgelegen, hieß es. Es habe also auch kein Zusammen­hang mit Ausschreibungen der Kassen bestanden. Letztendlich kommt der vdek auf 20 Wirkstoffe, deren Lieferschwierigkeiten von den Herstellern mit Produktionsproblemen begründet wurden.

„Die Behauptung, Lieferengpässe hätten mit den Arzneimittelausschreibungen der Kran­kenkassen zu tun, entbehrt jeglicher Grundlage“, erklärte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsit­zende des vdek. Die Analyse zeige dies klar und deutlich. „Tatsächlich helfen die Rabatt­ver­träge der Kassen, Lieferengpässe zu verhindern“, sagte Elsner. Durch die vertraglichen Lieferverpflichtungen erhielten Arzneimittelhersteller eine bessere Planbarkeit, was letzt­lich die Liefersicherheit und damit die Versorgungssicherheit für die Patienten erhöhe.

Elsner unterstrich, dass ein Lieferengpass nicht immer bedeute, dass für die Patienten keine Medikamente zur Verfügung stünden. Oft gebe es Alternativen zu Präparaten mit einem Lieferengpass. Dennoch bestehe politischer Handlungsbedarf: „Lieferengpässe bei Arzneimitteln dürfen die Versorgung der Versicherten nicht gefährden“, so die vdek-Vor­standsvorsitzende.

Der Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat wenig Verständnis für die Analyse. „Der Verband der Ersatzkassen irrt mit seiner Aussage, Lieferengpässe bei Arz­nei­­­mitteln seien nicht auf Rabattverträge zurückzuführen“, sagte BPI-Hauptgeschäfts­führer Kai Joachimsen.

So habe das Rechtsgutachten „Zehn Jahre Arzneimittel-Rabattverträge“ von März bereits das Gegenteil nachgewiesen. Nach der „Scharfschaltung“ der Arzneimittel-Rabattverträge im Jahr 2007 sei im rabattvertragsgeregelten Markt eine Marktkonzentration eingetreten, die die Arzneimittelversorgung massiv beeinträchtigt, sagte er.

„Wer Marktbedingungen schafft, bei denen immer weniger Anbieter auf noch weniger Wirkstoffhersteller zurückgreifen müssen, weil die Payer für mehr nicht zahlen, der schafft Lieferengpässe. Das untersucht die vdek-Analyse zu Lieferengpässen leider nicht“, so Joachimsen. © hil/sb/may/aerzteblatt.de

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