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Ärzteschaft

Homöopathie aus Weiterbildungs­ordnung in Sachsen-Anhalt gestrichen

Montag, 21. Oktober 2019

/dpa

Magdeburg – Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt hat eine neue Weiterbildungsordnung be­schlossen und verzichtet künftig auf die Zusatzbezeichnung Homöopathie. Da wissen­schaftliche Nachweise zur Wirksamkeit fehlten, sei die Kammerversammlung dem Vor­schlag des Vorstandes gefolgt und habe die Homöopathie aus der Weiterbildungs­ordnung gestri­chen, teilte die Ärztekammer nach einer Kammerversammlung mit.

Ärzte könnten sich dennoch weiter auf dem Gebiet der Homöopathie betätigen. Nach Bremen sei Sachsen-Anhalt das zweite Bundesland, das die Zusatzbezeichnung nicht mehr vorsieht.

Die beschlossene neue Weiterbildungsordnung bringe eine Neuausrichtung mit sich. Statt des Nachweises von abgeleisteten Zeiten zählten nun Inhalte und Kompetenzen. Sie wür­den digital statt in Papierform erfasst.

Auf der Grundlage der Weiterbildungsordnung erwerben die Mitglieder der Ärztekammer Sachsen-Anhalt ihren Facharzt. Die Weiterbil­dungs­ordnung setzt fast eins zu eins ein Muster der Bundesärztekammer um. Ziel ist, die Weiterbildung bundesweit vergleichbar zu gestalten. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 25. Oktober 2019, 22:15

Vergebliche Liebesmüh

Lieber Kollege S.R., Vernunft ist bei Religion und Esoterik vergeblich - Martin Luther sagte einst, "die Vernunft isr des Teufels höchste Hur', ein wahrer Christenmensch muss seiner Vernunft die Augen ausreißen"...
ERST soll die Homöopathie ein Konzept vorlegen, wie Ähnlichkeitsregel und Potenzierung funktionieren könnten, ohne die ganze Welt neu erfinden zu müssen.
Bis dahin sind alle Studien nur Spielchen nach dem Motto "wer findet den Fehler"
Und der findet sich in jeder Studie: Ob in der Randomisierung, der Verblindung, der Auswahl der statistische Werkzeuge, dem Studiendesign, nachträgliche Definition von Subgruppen... selbst Manipulation der Daten
Es gibt keine einzige allen Ansprüchen genügende Studie zur Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln - und damit der Homöopathie insgesamt, wenn sie über eine besondere Form von Gesprächstherapie hinausgeht.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 23:10

Verschwörungsfakten?

Offensichtlich kann MITDENKER nicht von der australischen Metastudie lassen, um sich vom angeblichen Zusatznutzen der Homöopathie zu überzeugen. Dabei handelt es sich um große Mengen Papier, die naturgemäß schwer zu verdauen sind. Zum Glück haben sich bereits andere Personen damit befasst. Eine ganz andere Sichtweise auf den ganzen Vorgang gibt es auf der Seite von Norbert Aust im Beitrag vom 17.10.19.
http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/blog/

Das Problem bei Metastudien besteht darin, dass sie nur die Trends herausarbeiten können, die bereits in den Rohdaten vorhanden sind. Das bedeutet die Qualität einer Metastudie hängt entscheidend ab von der Qualität der Rohdaten. Und da stehen wir bei den Studien zum Thema Homöopathie vor einem großen Dilemma. Selbst bei den angeblich besten Studien ist die Qualität noch absolut unterirdisch. Ganz besonders meine ich hier eine Studie aus Indien zur Schlaflosigkeit, welche im Forum mehrfach von MITDENKER präsentiert wurde. Dankenswerterweise hat sich Norbert Aust auch mit dieser „Studie“ detailliert befasst und dies in seinem Beitrag vom 17.03.19 detailliert herausgearbeitet. Hier eine kurze Zusammenfassung der Analyse: Bei dieser Studie wurde auf den ersten Blick sauber gearbeitet. Auf den zweiten Blick stellt sich allerdings heraus, dass die Methode der Randomisierung für diese Fragestellung ungeeignet war. Zufallszahlen sind gut für eine große Gruppe von normalverteilten Zahlen. Die Studienpopulation war aber (bezogen auf die Schlafdauer) der linke Rand der Normalverteilung mit einigen Ausreißern. Durch einen Zufall waren mehrere deutliche Ausreißer in der „Verumgruppe“. Die Gruppen waren also bereits vor Studienbeginn nicht wirklich vergleichbar. Durch die Intervention haben sich beide Gruppen verbessert, die „Verumgruppe“ mit der schlechteren Ausgangslage allerdings etwas mehr als die „Placebogruppe“. Dieses Phänomen nennt man „Regression zur Mitte“. Natürlich haben die Autoren der Studie alles getan, um mittels statistischer Tricks dies zu Verschleiern, hier ist der Blick auf den Volltext erforderlich, wenn möglich mit Blick auf die Rohdaten.

Wenn also wie gewünscht in einer derartigen Metastudie alle Studien berücksichtigt werden, dann bekommt man auch eine Antwort. Es ist aber nicht die Antwort auf den spezifischen Zusatznutzen der Homöopathie sondern die Antwort, wie groß der Einfluss einer schlechten Statistik bzw. eines schlechten Studiendesigns auf das Ergebnis einer Studie ist.

Bei der ganzen Diskussion um diese Metastudie sollte man sich allerdings ein Detail auf der Zunge zergehen lassen: Metastudien haben die Aufgabe schwache Effekte nachzuweisen, wenn Einzelstudien und selbst Multicenterstudien keine ausreichende Signifikanz liefern. Also Hand aufs Herz: Hier geht es nicht um eine seltene Indikation, hier geht es um die grundlegende Wirksamkeit der Homöopathie. Wenn ich als Mikrobiologe meine ganze Hoffnung auf die prinzipielle Wirksamkeit von Antibiotika auf eine obskure Metastudie setzen würde, ich würde vor Scham im Boden versinken und schnellstmöglich den Beruf wechseln.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 00:11

Zwei Anmerkungen

Der Beitrag von FredHolgerLudwig zur Verteidigung der Homöopathie ist aufschlussreich und beweist, dass die Entscheidung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt alternativlos ist. Wir Ärzte bekommen unser Geld nicht dafür was in der Bevölkerung anerkannt und nachgefragt ist. Dann könnten wir auch alle Alkoholiker lebenslang auf GKV-Kosten mit Alkohol substituieren. Die GKV gibt das Geld für die Einhaltung des WANZ-Prinzips. Die Homöopathie ist weder wirtschaftlich noch zweckmäßig. Sie ist nicht wirtschaftlich, weil ein Arzt für ein derartiges Ritual überqualifiziert und zu teuer ist, gerade in Zeiten eines Ärztemangels sollten derartige Rituale an nichtakademische Berufsgruppen delegiert werden. Die Globuli sind im Vergleich zu echten Wirkstoffen preiswert, aber im Vergleich zur Basis aus Zucker sind sie hoffnungslos überteuert und der Preis sollte sich an Placebos orientieren. Die Homöopathie ist nicht zweckmäßig, weil ihr ohne wissenschaftliche Basis eine klare Liste an Indikationen und Kontraindikationen fehlt. Die Forderung nach „fachlichen qualifizierten Medizinern“ beim Einsatz der Homöopathie ist einerseits ein Misstrauensvotum gegenüber Heilpraktikern und gleichzeitig ein Eingeständnis, dass eine über 200 Jahre alte Behandlungsmethode ohne klare Indikationen, ohne klare Kontraindikationen und ohne belastbare Leitlinien dasteht. Wer will, kann gern auf www.awmf.org die Leitlinien nach Schlagworten wie „Homöopathie“, „Akupunktur“ und „Alternativmedizin“ durchsuchen. Das Ergebnis ist höchst aufschlussreich. Bei einer speziellen Formulierung muss ich allerdings FredHolgerLudwig beipflichten: in der Begründung steht: „ Da wissenschaftliche Nachweise zur Wirksamkeit fehlten...“. Das Placebos durchaus eine Wirksamkeit haben, müsste es heißen „Da wissenschaftliche Nachweise zu einer spezifischen Wirksamkeit fehlten...“. Das ist zwar nur eine Formalie, aber eine essentiell wichtige.

Wenn die bisherigen Anwender der Homöopathie sagen würden, die Homöopathie ist notwendig als ritualbasierte Placebotherapie bei Beschwerden aus dem psychosomatischen Beschwerdekreis und dient der Einsparung nebenwirkungsreicher Wirkstoffe, dann könnte man über eine inhaltliche Neuausrichtung dieser Zusatzbezeichnung reden. Um Placebotherapien in die Schulmedizin zu integrieren, ist eine kritische Grundhaltung zu diesen Placebotherapien erforderlich. Die ärztlichen Verfechter der Homöopathie zeigen aber mit ihrem Auftreten, dass ihnen diese notwendige innere Distanz zur Homöopathie fehlt. Deshalb ist und bleibt die ersatzlose Streichung der Homöopathie die einzige Alternative.

Die Verschwörungstheorien von MITDENKER sind einfach nur erheiternd. Auch bei Verschwörungstheorien sollte man das Prinzip der Ökonomie beachten. Was ist einfacher, eine Bundesärztekammer zu unterwandern oder jede einzelne Landesärztekammer? Das ökonomische Prinzip ist übrigens als Ockhams Rasiermesser bekannt. Was die Haltung von Montgomery und Spahn zur Homöopathie betrifft, beide sind Berufspolitiker und somit per Definition Opportunisten. Zudem hat Montgomery bei Fragen der Ethik zu oft die Position des Klerus vertreten, um ein glaubwürdiger Verfechter der Naturwissenschaften zu sein.

Viel interessanter ist die Frage, wie es dem „Münsteraner Kreis“ gelingen konnte, dies zu erreichen. Sicher nicht allein durch konspirative Unterwanderung. Wir leben in interessanten Zeiten, dies kann man als Chance, aber auch als Fluch sehen. Eine Konsequenz dessen ist, dass viele Menschen nach einfachen Antworten auf ihre Fragen suchen. Das Internet bietet alles, inclusive Echokammern und einfachen Antworten. Als direkte Folge geistern einige faktenbefreite Dummschwätzer mit einem messianischen Sendungsbewusstsein durch die Internetforen. Auch das Ärzteblatt ist davon betroffen (wie auch viele andere Medien). Ganz schlimm ist es hier beim Thema Impfen, aber auch andere Themen wie Homöopathie, Cannabis und Rauchen werden von diesen Personen heimgesucht.

Der Blick in die sozialen Medien täuscht, eine kleine lautstarke Minderheit gibt hier den Ton an, weil die schweigende Mehrheit entweder andere Probleme hat oder es scheut, sich auf aggressive Auseinandersetzungen einzulassen. Die Reaktion der Landesärztekammern ist in meinen Augen keine konspirative Unterwanderung, sondern eine natürliche Gegenreaktion von Menschen, die ihren Verstand noch nicht komplett abgeschaltet haben und nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Die Aktivitäten des „Münsteraner Kreises“ hätten keine Erfolgsaussichten, wenn sie nicht bei vielen lokalen Ärztevertretern offene Türen einrennen würden.
Avatar #787913
FredHolgerLudwig
am Dienstag, 22. Oktober 2019, 11:50

Nicht nachvollziehbar

Für mich ist die Entscheidung der Landesärztekammer Sachsen-Anhalt nicht nachvollziehbar. Faktisch handelt es sich um eine Entscheidung zulasten der Patientensicherheit. Wir brauchen Ärzte mit Fachwissen in Homöopathie, weil diese Therapieform in der Bevölkerung anerkannt und stark nachgefragt ist. Es ist wichtig, dass Patienten mit dem Wunsch nach homöopathischer Behandlung fachlich qualifizierte Mediziner aufsuchen, weil diese auch die Grenzen komplementärer Verfahren kennen. Die Behauptung, es gäbe keinen wissenschaftlich hochwertigen Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie bleibt auch dann noch falsch, wenn sie von der Landesärztekammer geäußert wird.
Avatar #787913
FredHolgerLudwig
am Dienstag, 22. Oktober 2019, 11:38

Nicht nachvollziehbar

Für mich ist die Entscheidung der Landesärztekammer Sachsen-Anhalt nicht nachvollziehbar. Faktisch handelt es sich um eine Entscheidung zulasten der Patientensicherheit. Wir brauchen Ärzte mit Fachwissen in Homöopathie, weil diese Therapieform in der Bevölkerung anerkannt und stark nachgefragt ist. Es ist wichtig, dass Patienten mit dem Wunsch nach homöopathischer Behandlung fachlich qualifizierte Mediziner aufsuchen, weil diese auch die Grenzen komplementärer Verfahren kennen. Die Behauptung, es gäbe keinen wissenschaftlich hochwertigen Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie bleibt auch dann noch falsch, wenn sie von der Landesärztekammer geäußert wird.
Avatar #79783
Practicus
am Montag, 21. Oktober 2019, 23:39

@Existencia

Da sehen Sie mal, wie effektiv die moderne Medizin ist - immerhin wurden Sie bei Ihrem letzten Krankenhausaufenthalt so gut behandelt, dass Sie trotz totaler "Non-Compliance" noch nach 6 Jahren am Leben sind! Wohl ein paar Stents bekommen und mit Glück trotz Medikamentenabstinenz (noch) keine Thrombose...
Oder die Herzkrankheit waren bloß Panikattacken... Hauptsache, Sie erzählen hier nette Anekdoten und beschimpfen Ärzte, gelobt sei die Meinungsfreiheit auch für die Unwissenden und Beladenen
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 21. Oktober 2019, 23:28

Überfällige Entscheidung

Die Entscheidung, sich auf die Weiterbildung Homöopathie einzulassen, ist eine bewusste Entscheidung für ein Glaubenssystem und gegen die Naturwissenschaften. Nach dem misslungenen Versuch in den 30-er Jahren mittels Arzneimittelprüfung das Similaritätsprinzip zu beweisen (siehe Donner-Bericht) ist steht seit über 80 Jahren die Homöopathie außerhalb der Naturwissenschaften und der Schulmedizin. Wer sich gegen die Naturwissenschaft entscheidet, sollte daher überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre den Beruf zu wechseln und Seelsorger zu werden.
Avatar #555822
j.g.
am Montag, 21. Oktober 2019, 22:59

Vorreiter

eine von der Vernunft gesteuerte Regelung, hoffentlich folgen die übrigen Länder nach. - Danke an Sachsen-Anhalt
Avatar #778412
Existencia
am Montag, 21. Oktober 2019, 22:23

Weiterbildung? Nein danke!

Die "Ärzte" in Bremen und Sachsen-Anhalt sind eindeutig Nestbeschmutzer und vor allem Patientenverräter. Die Pharmaindustrie will aus reiner Geldgier den Menschen alternative Möglichkeiten zu ihren Chemiegiften entziehen und sogenannte "Ärzte" putzen denen den Hintern gegen Patienteninteressen. Was für eine rückgratlose, bigotte Bande entwickelt die Ärzteschaft da eigentlich? Ich bin selbst Herzpatient und ich lebe noch, weil ich die ganzen Chemiegifte gegen Alternativen ausgetauscht habe. Beweis: Innerhalt einem Jahr vier Mal im KHs, nach Umstieg auf alternative Medizin: sechs Jahre ohne Bescherden. Noch Fragen ihr "Ärzte"?
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