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Robert-Enke-Stiftung klärt mit Virtual-Reality über Depressionen auf

Dienstag, 22. Oktober 2019

/picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – Jedes Jahr begehen rund 10.000 Menschen in Deutschland Suizid aufgrund von Depressionen. „Viele Suizide sind vermeidbar, denn psychische Erkrankungen sind be­handelbar. Darauf wollen wir aufmerksam machen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der Vorstellung des Projekts „Impression Depression“ der Robert-Enke-Stiftung gestern in Berlin.

Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen. Ein neues Projekt der Robert-Enke-Stiftung soll mithilfe von Virtual-Reality (VR) über Depressionen aufklä­ren und einen Einblick in die Gedanken und Gefühlswelt der Betroffenen bieten.

So sollen auch Nicht-Betroffene sensibilisiert, und ein besseres Verständnis der Krankheit Depression gefördert werden. Anlass der Aufklärungskampagne ist der zehnte Todestag des ehemaligen Fußball-Nationalspielers Robert Enke, der sich am 10. November 2009 aufgrund einer langjährigen Depression das Leben nahm.

„Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit für mich“, sagte die Witwe des verstorbenen Fußballers, Teresa Enke, bei der Vorstellung des Projekts im Bundesministerium für Ge­sundheit (BMG). „Wir wollen deutlich machen, dass Depression keine Schwäche, sondern eine ernste Erkrankung ist.“

Nach einer Einleitung wird dazu 15 Minuten lang die Gefühls- und Erlebniswelt eines de­pressiv erkrankten Menschen mit Hilfe einer VR-Brille und Kopfhörern dargestellt. Die Teilnehmer tragen dabei eine Gewichtsweste, um auch die erdrückende Schwere nach­voll­ziehen zu können, die Betroffene häufig empfinden. Die Robert-Enke-Stiftung hat das VR-Projekt mit Psychotherapeuten, VR-Experten und Betroffenen entwickelt.

Das Projekt „Impression Depression“ wird ab November in verschiedenen Städten in Deutschland verfügbar sein: Es kann von Hochschulen, Unternehmen und anderen Orga­nisationen angefordert werden. Informationen gibt es bei der Robert-Enke-Stiftung.

Danach gefragt, ob es ausreichende Therapieplätze gebe, sagte Bundesgesundheits­mi­nister Spahn: „Diejenigen, die am dringendsten eine Behandlung benötigen, erhalten sie oft nicht. Es gelingt nicht, die Prioritäten richtig zu setzen.“ Auch deshalb entwickele man mit einer Regelung, die dem Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz angehängt wur­de, „das Thema Lotse durch das System“ weiter.

Die Robert-Enke-Stiftung wurde Anfang 2010 unter dem Vorsitz von Teresa Enke gegrün­det, nachdem ihr Mann sich nach langjährigen Depressionen das Leben genommen hatte. Ziel der Stiftung ist der Aufbau einer Versorgungsstruktur, die es Leistungssportlern, aber auch Menschen außerhalb des Leistungssports ermöglicht, schnell ein Behandlungsan­ge­bot für ihre Erkrankung zu bekommen.

Darüber hinaus engagiert sich die Stiftung in der Öffentlichkeitsarbeit und möchte damit das Thema Depression enttabuisieren. Zu diesem Zweck hat die Robert-Enke-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Rheinisch-Westfälisch-Technischen Hochschule Aachen bereits eine Beratungshotline (0241/8036777) ins Leben gerufen. © PB/jh/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #779070
Psychotherapeutin
am Freitag, 25. Oktober 2019, 12:52

Tragisch

Auf einem psychiatrischen Gemeindetag gab Theresa Enke ursprünglich an, dass ihr Mann sehr wohl einen Behandler für sich gefunden hatte. Nur habe dieser von Nationaltorwart gefordert, die Saison nicht weiterzuspielen und sich in eine Klinik zu begeben. Dies habe man wohl abgelehnt, mit den bekannten Folgen des tragischen Suizids.
Ich finde es unmöglich, wenn die „Enkestiftung“ in dieser Tradition im Verein mit dem Bundesgesundheitsministeriums auf meist ambulanten Behandlern herumhackt und der Bevölkerung den Eindruck vermittelt, eine Depression ist wie ein Schnupfen gut behandelbar - natürlich hauptsächlich mit Medikamenten und den gelotsten zehnstündigen Psychoedukationsversuchen -, die Betroffenen müssen ihr Leben nicht umstellen und wenn es nich klappt sind die Behandler dran schuld. - Werbung dafür jetzt auch noch in VR!
Ich schreibe jetzt immer in die individuelle Patienteninformation nach immer häufiger auftretenden derart gelagerten Fällen: „Zustand nach Kurzzeit- oder Verhaltenstherapie.“
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