NewsPolitikViel Zuspruch für Reform der Anästhesie- und OP-Assistenz­ausbildung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Viel Zuspruch für Reform der Anästhesie- und OP-Assistenz­ausbildung

Montag, 21. Oktober 2019

/Ratthaphon Bunmi, stock.adobe.com

Berlin – Die geplante Ausbildungsreform für Anästhesietechnische und Operationstechni­sche Assistenten (ATA, OTA) stößt bei Experten auf viel Zuspruch. Das geht aus der Anhö­rung zu einem entsprechenden Gesetzentwurf hervor, die heute im Gesundheitsausschuss des Bundestages stattfand.

Mit dem Gesetzentwurf aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium soll die Ausbildung zum ATA oder OTA bundesweit vereinheitlicht und damit die Qualität der Berufsausübung auf einem einheitlichen Niveau gesichert werden. Vorgesehen ist, dass die Ausbildung drei Jahre dauert, theoretische und praktische Unter­richtseinheiten sowie eine praktische Ausbildung im Krankenhaus oder in einer ambulan­ten Einrichtung umfassen soll.

Anzeige

Ziel der Ausbildung ist es, den künftigen ATAs und OTAs die „fachlichen und methodi­schen Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und zur Mitwirkung insbe­son­dere in den operativen oder anästhesiologischen Bereichen der stationären und ambulanten Ver­sor­gung“ zu vermitteln.

Zugangsberechtigt zu dem Ausbildungsgang sind Frauen und Männer mit mittlerem Schul­abschluss oder mit Hauptschulabschluss, wenn sie danach eine Berufsausbildung abge­schlossen haben. Die Ausbildung wird vergütet und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Schulgeld muss künftig nicht mehr gezahlt werden. Geplant ist, dass die Aus­bildungs­reform Anfang 2021 in Kraft tritt. Für Schulen, Lehrer und jetzige Auszubildende gibt es Übergangs- und Bestandsschutzregelungen.

Substitutionsdebatte vermeiden

Die betroffenen Berufsverbände und Schulen, Ärzteverbände und die Deutsche Kranken­haus­gesellschaft begrüßten den Gesetzentwurf. Forderungen nach Änderungen oder Kritik gab es nur im Detail. So war es den Ärzteverbänden wichtig, bei der Festschreibung der Kompetenzen der ATAs und OTAs „eine Substitutionsdebatte“ zu vermeiden und klar festzu­legen, dass diese ausschließlich auf ärztliche Anordnung tätig werden.

Außerdem regten sowohl die Bundes­ärzte­kammer als auch der Deutsche Bundesverband der Schulen für Anästhesietechnische Assistentinnen und Assistenten (DBVSA) an, dass auch Ärzten die Lehrtätigkeit an diesen Schulen offensteht.

Der Gesetzentwurf sieht für die Leitung und den Unterricht an einer ATA- oder OTA-Schu­le zurzeit noch eine pädagogische Hochschulqualifikation vor. Zudem stellte Christiane Spichale vom DBVSA klar, dass ATAs und OTAs nicht auf den Stationen der Krankenhäuser einsetzbar seien. Sie plädierte deshalb dafür, das im Gesetzentwurf vorgesehene Pflege­praktikum zu streichen.

Eindeutige Kompetenzen für Notfallsanitäter

CDU/CSU und SPD wollen darüber hinaus dem Ausbildungsreformgesetz für ATA und OTA eine Änderung des Notfallsanitätergesetzes anfügen. Notfallsanitätern soll es danach künf­tig erlaubt sein, in (lebensgefährlichen) Notsituationen heilkundliche Maßnahmen durch­­­zu­führen, die von der zuständigen Länderbehörde, dem Ärztlichen Leiter Rettungs­dienst oder einem verantwortlichen Arzt standardmäßig vorgegeben sind und letztlich auch von diesen verantwortet werden.

Zurzeit handelten Notfallsanitäter häufig in einem rechtlichen Graubereich, wenn sie in Notsituationen mit invasiven Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes über­brücken müssten, heißt es dazu in einem Antrag der Regierungsfraktionen.

Hier gingen die Meinungen der Sachverständigen jedoch auseinander. Für Thomas Stad­ler vom Bayerischen Roten Kreuz greift die vorgeschlagene Gesetzesänderung zu kurz. Es ließen sich nicht alle Notfallsituationen mit standardisierten Vorgaben abbilden, sagte Stadler. Die Notfallsanitäter benötigten grundsätzlich die Erlaubnis, im Notfall heilkund­liche Maßnahmen durchzuführen.

Auch Melanie Werhehim von verdi erklärte, Notfallsanitäter müssten in lebensbedrohli­chen Situationen selbstständig über den Einsatz lebensrettender Maßnahmen entschei­den können, auch in Abwesenheit ärztlichen Personals. Erik Bodendieck von der Bundes­ärzte­kammer sprach sich gegen einen solchen „Einstieg in die Substitution ärztlicher Tätigkeit“ aus. „Wir sehen hier keine Rechtsunsicherheit“, sagte er.

Dietmar Pennig von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie teilte diese Ansicht. Man dürfe die bewährten notfallmedizinischen Strukturen nicht durch Substitution auf­wei­chen. Notärzte hätten eine strenge 24-monatige Weiterbildung durchlaufen und da­durch gegen­über den Sanitätern einen „enormen Wissensvorsprung“. „Ärztlich tätig sein darf nur der Arzt“, forderte Pennig.

Der Bundesrat hat sich dagegen auf Initiative der Bundesländer Bayern und Rheinland-Pfalz in einem Beschluss für eine Änderung des Notfallsanitätergesetzes ausgesprochen, die es Notfallsanitätern erlaubt, mit invasiven Maßnahmen das Leben eines Menschen zu retten, ohne dass ein Arzt anwesend ist. © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. November 2019
Berlin – Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Berufsgruppen in der medizinischen Versorgung ist ein wesentlicher Faktor für den Behandlungserfolg. Darauf haben Assistenzärzte und Medizinstudierende
Interprofessionelle Kommunikation will gelernt sein
14. November 2019
Berlin – Der Bundestag hat heute eine Reform der Ausbildung von pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) verabschiedet. Damit soll die Ausbildung an die derzeitigen Anforderungen in der
Bundestag verabschiedet PTA-Reformgesetz
13. November 2019
Mannheim – Auch Menschen im Rhein-Neckar-Raum können künftig im Notfall von einer neuen Leistung der DRF Luftrettung profitieren. Der Helikopter Christoph 53 am Standort Mannheim nimmt jetzt
Weiterer Helikopter für Transport von Blutkonserven ausgerüstet
7. November 2019
Berlin – Der Bundestag hat neue Ausbildungsregeln für änästhesietechnische und operationstechnische Assistenten (ATA/OTA) verabschiedet. Union, SPD und Grüne stimmten bei Enthaltung der übrigen
Bundestag verabschiedet einheitliche Ausbildungsregeln für Assistenzberufe im OP
22. Oktober 2019
Berlin – Union und SPD haben die Pläne, dass Notfallsanitäter unter bestimmten Bedingungen bei Patienten in lebensbedrohlichen Situationen eigenständig ärztliche Aufgaben übernehmen dürfen, vertagt.
Notfallsanitäterreform kommt nicht wie geplant
17. Oktober 2019
Berlin – Notfallsanitäter sollen unter bestimmten Bedingungen bei Patienten in lebensbedrohlichen Situationen eigenständig ärztliche Aufgaben übernehmen dürfen. Eine entsprechende Änderung am
Notfallsanitäter sollen ärztliche Aufgaben übernehmen dürfen
15. Oktober 2019
Mainz – Künftig sollen in Rettungswagen in Rheinland-Pfalz ausgebildete Notfallsanitäter an Bord sein. Das sieht der Entwurf eines Rettungsdienstgesetzes vor, den das rheinland-pfälzische Kabinett
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER