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Politik

Viel Zuspruch für Reform der Anästhesie- und OP-Assistenz­ausbildung

Montag, 21. Oktober 2019

/Ratthaphon Bunmi, stock.adobe.com

Berlin – Die geplante Ausbildungsreform für Anästhesietechnische und Operationstechni­sche Assistenten (ATA, OTA) stößt bei Experten auf viel Zuspruch. Das geht aus der Anhö­rung zu einem entsprechenden Gesetzentwurf hervor, die heute im Gesundheitsausschuss des Bundestages stattfand.

Mit dem Gesetzentwurf aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium soll die Ausbildung zum ATA oder OTA bundesweit vereinheitlicht und damit die Qualität der Berufsausübung auf einem einheitlichen Niveau gesichert werden. Vorgesehen ist, dass die Ausbildung drei Jahre dauert, theoretische und praktische Unter­richtseinheiten sowie eine praktische Ausbildung im Krankenhaus oder in einer ambulan­ten Einrichtung umfassen soll.

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Ziel der Ausbildung ist es, den künftigen ATAs und OTAs die „fachlichen und methodi­schen Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und zur Mitwirkung insbe­son­dere in den operativen oder anästhesiologischen Bereichen der stationären und ambulanten Ver­sor­gung“ zu vermitteln.

Zugangsberechtigt zu dem Ausbildungsgang sind Frauen und Männer mit mittlerem Schul­abschluss oder mit Hauptschulabschluss, wenn sie danach eine Berufsausbildung abge­schlossen haben. Die Ausbildung wird vergütet und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Schulgeld muss künftig nicht mehr gezahlt werden. Geplant ist, dass die Aus­bildungs­reform Anfang 2021 in Kraft tritt. Für Schulen, Lehrer und jetzige Auszubildende gibt es Übergangs- und Bestandsschutzregelungen.

Substitutionsdebatte vermeiden

Die betroffenen Berufsverbände und Schulen, Ärzteverbände und die Deutsche Kranken­haus­gesellschaft begrüßten den Gesetzentwurf. Forderungen nach Änderungen oder Kritik gab es nur im Detail. So war es den Ärzteverbänden wichtig, bei der Festschreibung der Kompetenzen der ATAs und OTAs „eine Substitutionsdebatte“ zu vermeiden und klar festzu­legen, dass diese ausschließlich auf ärztliche Anordnung tätig werden.

Außerdem regten sowohl die Bundes­ärzte­kammer als auch der Deutsche Bundesverband der Schulen für Anästhesietechnische Assistentinnen und Assistenten (DBVSA) an, dass auch Ärzten die Lehrtätigkeit an diesen Schulen offensteht.

Der Gesetzentwurf sieht für die Leitung und den Unterricht an einer ATA- oder OTA-Schu­le zurzeit noch eine pädagogische Hochschulqualifikation vor. Zudem stellte Christiane Spichale vom DBVSA klar, dass ATAs und OTAs nicht auf den Stationen der Krankenhäuser einsetzbar seien. Sie plädierte deshalb dafür, das im Gesetzentwurf vorgesehene Pflege­praktikum zu streichen.

Eindeutige Kompetenzen für Notfallsanitäter

CDU/CSU und SPD wollen darüber hinaus dem Ausbildungsreformgesetz für ATA und OTA eine Änderung des Notfallsanitätergesetzes anfügen. Notfallsanitätern soll es danach künf­tig erlaubt sein, in (lebensgefährlichen) Notsituationen heilkundliche Maßnahmen durch­­­zu­führen, die von der zuständigen Länderbehörde, dem Ärztlichen Leiter Rettungs­dienst oder einem verantwortlichen Arzt standardmäßig vorgegeben sind und letztlich auch von diesen verantwortet werden.

Zurzeit handelten Notfallsanitäter häufig in einem rechtlichen Graubereich, wenn sie in Notsituationen mit invasiven Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes über­brücken müssten, heißt es dazu in einem Antrag der Regierungsfraktionen.

Hier gingen die Meinungen der Sachverständigen jedoch auseinander. Für Thomas Stad­ler vom Bayerischen Roten Kreuz greift die vorgeschlagene Gesetzesänderung zu kurz. Es ließen sich nicht alle Notfallsituationen mit standardisierten Vorgaben abbilden, sagte Stadler. Die Notfallsanitäter benötigten grundsätzlich die Erlaubnis, im Notfall heilkund­liche Maßnahmen durchzuführen.

Auch Melanie Werhehim von verdi erklärte, Notfallsanitäter müssten in lebensbedrohli­chen Situationen selbstständig über den Einsatz lebensrettender Maßnahmen entschei­den können, auch in Abwesenheit ärztlichen Personals. Erik Bodendieck von der Bundes­ärzte­kammer sprach sich gegen einen solchen „Einstieg in die Substitution ärztlicher Tätigkeit“ aus. „Wir sehen hier keine Rechtsunsicherheit“, sagte er.

Dietmar Pennig von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie teilte diese Ansicht. Man dürfe die bewährten notfallmedizinischen Strukturen nicht durch Substitution auf­wei­chen. Notärzte hätten eine strenge 24-monatige Weiterbildung durchlaufen und da­durch gegen­über den Sanitätern einen „enormen Wissensvorsprung“. „Ärztlich tätig sein darf nur der Arzt“, forderte Pennig.

Der Bundesrat hat sich dagegen auf Initiative der Bundesländer Bayern und Rheinland-Pfalz in einem Beschluss für eine Änderung des Notfallsanitätergesetzes ausgesprochen, die es Notfallsanitätern erlaubt, mit invasiven Maßnahmen das Leben eines Menschen zu retten, ohne dass ein Arzt anwesend ist. © HK/aerzteblatt.de

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