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Medizin

Blutdrucksenker: Wirkung bei abendlicher Einnahme oft günstiger

Mittwoch, 23. Oktober 2019

/jd-photodesign, stock.adobe.com

Vigo –Viele Menschen mit Bluthochdruck nehmen ihre Medikamente morgens ein. Güns­tiger kann es einer aktuellen Analyse zufolge oft sein, sie abends vor dem Schlafen­gehen zu schlucken. Die erzielten Blutdruckwerte seien dann im Mittel besser, berichten die Forscher im European Heart Journal (DOI: 10.1093/eurheartj/ehz754). In der Folge sank die Gefahr einer ernsthaften Folgeerkrankung demnach deutlich. Zu empfehlen sei, den idealen Zeitpunkt über eine Langzeit-Blutdruckmessung bestimmen zu lassen.

Menschen mit zu hohem Blutdruck müssen meist täglich Medikamente nehmen. Diese halten die Werte über den Tag hinweg und auch nachts niedriger. Ein spanisches Forscher­team um Ramón Hermida von der Universität Vigo untersuchte nun im Rahmen des Forschungsprojektes „Hygia“an über vierzig medizinischen Zentren in Spanien, wann Blutdrucksenker am besten eingenommen werden sollten. Andere Einflussfaktoren wie Alter, Diabetes, Nierenerkrankungen, Rauchen und Cholesterinwerte wurden herausgerechnet.

Von den mehr als 19.000 Studienteilnehmern mit Bluthochdruck nahmen die Hälfte die Medikamente abends, die übrigen nach dem Aufwachen. Im Mittel gut sechs Jahre lang überprüften Ärzte mindestens einmal im Jahr den Blutdruck der Probanden - mit Blutdruckmessgeräten, welche die Patienten über 48 Stunden am Körper behielten. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe, die ihre Medikamente abends einnahm, bessere Werte erzielte. Der durchschnittliche Blutdruck tagsüber und nachts war in dieser Gruppe niedriger und die Werte fielen während des Schlafs stärker ab.

Die Forscher stellten zudem fest, dass die abendliche Medikamenteneinnahme im Mittel das Risiko ernsthafter Folgeerkrankungen minderte. Zu diesen zählen Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Eingriffe aufgrund von verstopften Blutgefäßen. 1752 Patienten der Studie erlitten ein solch schweres kardiovaskuläres Ereignis. Das Risiko, daran zu sterben, lag in der Gruppe, die ihre Medikamente abends nahm, fast um die Hälfte niedriger.

Der Blutdruck unterliegt im Tagesverlauf regelmäßigen Schwankungen, dem sogenannten circadianen Rhythmus. Morgens und nachmittags werden meist besonders hohe Werte gemessen, im Schlaf sinkt der Blutdruck normalerweise unter 120 mmHg. Erstautor Ramón Hermida sieht darin einen Grund für falsche Einnahmezeiten: „Dass Ärzte oft zur morgendlichen Einnahme raten, fußt auf dem fehlgeleiteten Ziel, den morgendlichen Blutdruck abzusenken."

Frühere Studien hätten aber bereits gezeigt, das ernste Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt vor allem mit erhöhten nächtlichen Werten in Zusammenhang stehen. Dies sehen die Autoren der Studie nun bestätigt. „Folglich sollten Rund-um-die-Uhr-Blutdruck­messungenempfohlen werden, um die wirkliche arterielle Hypertonie zu diagnostizieren und um das Risiko einer solchen Erkrankung einzuschätzen", so Hermida.

Die Forscher weisen einschränkend darauf hin, dass die Studie mit Menschen durchgeführt wurde, die einen geregelten Tag-Wach-Rhythmus einhalten. Die Ergebnisse könnten daher noch keine Aussage darüber treffen, wie Menschen behandelt werden sollten, die zum Beispiel im Schichtdienst arbeiten. Generell sei es wichtig, die Situation für den jeweiligen Patienten individuell zu klären. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 30. Oktober 2019, 11:28

Mangelhafte Hygia Studie

Die Studie "Bedtime hypertension treatment improves cardiovascular risk reduction: the Hygia Chronotherapy Trial" von Ramón C Hermida et al.
https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehz754/5602478
ist äußerst mangelhaft angelegt.

Die Schlussfolgerungen, bei einer oder mehr blutdrucksenkenden Mittelverschreibungen diese zur Schlafenszeit einzunehmen, beziehen sich auf verbesserte Senkung des arteriellen Blutdrucks (ABP), des Blutdrucks im Schlaf, Verlängerung der Schlafdauer und verringertes Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse. ["Conclusion
Routine ingestion by hypertensive patients of ≥1 prescribed BP-lowering medications at bedtime, as opposed to upon waking, results in improved ABP control (significantly enhanced decrease in asleep BP and increased sleep-time relative BP decline, i.e. BP dipping) and, most importantly, markedly diminished occurrence of major CVD events."]

Unberücksichtigt und nicht untersucht blieben mögliche nächtliche vasovagale Synkopen, Miktionssynkopen, Orthostase- und Kollaps-Reaktionen bzw. Sturzneigungen bei hypotoner Kreislaufdysregulation. Meiner 82-jährigen, rüstigen und alleine lebenden Patientin mit gut eingestellter hypertensiver Herzkrankheit, die 2 x nachts Wasser lassen muss, kann ich als "Dipper" die abendliche Antihypertensiva-Medikation nicht empfehlen, auch wenn sie mir darüber einen Zeitungsartikel mitgebracht hat.

Hygieia oder Hygeia (altgriechisch Ὑγίεια Hygíeia oder Ὑγεία Hygeía – „Gesundheit“) ist übrigens in der griechischen Mythologie eine der Töchter des Asklepios. Sie ist eine Göttin der Gesundheit und gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Ihre Schwester Panakeia ist die Göttin der Medizin und Zauberei (nach WIKIPEDIA)

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 23. Oktober 2019, 23:02

In meiner Praxis...

bekommen Patientinnen und Patienten mit Hypertonie, die im LZ-RR "Non-Dipper" sind, wegen ihrer fehlenden Blutdruck-Nachtabsenkung schon längst ihre Antihypertensiva abends und nicht morgens.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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