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Politik

Schlafapnoe: Tragen einer Unterkieferschiene macht Betroffene fitter

Mittwoch, 23. Oktober 2019

/Paolese - stock.adobe.com

Köln – Menschen, die an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, sind tagsüber weniger müde, wenn sie nachts eine Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) tragen. Das geht aus einem Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hervor.

Demnach sieht das Institut nach vorläufiger Auswertung der Studienlage für das Leit­symp­­tom der obstruktiven Schlafapnoe – die Tagesschläfrigkeit – einen Anhaltspunkt für einen Nutzen der UPS im Vergleich zu keiner Behandlung.

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Dem Institut zufolge führt die Schlafapnoe zu Schlaffragmentierung und damit häufig zu einem nicht erholsamen Schlaf. In der Folge kommt es unter anderem zu Erschöpfung, Tagesschläfrigkeit, unfreiwilligem Einschlafen, zu Einbußen der kognitiven Leistungs­fähig­keit sowie zu erhöhter Unfallhäufigkeit.

Eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe wird zudem mit einem erhöhten Blutdruck, kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall und einer erhöhten Morta­lität in Verbindung gebracht.

Die Therapie einer obstruktiven Schlafapnoe hängt unter anderem vom Schweregrad der Erkrankung ab. Bei leichter Schlafapnoe kommen den Wissenschaftlern zufolge konserva­tive Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, schlafhygienische Maßnahmen oder eine Lage­therapie zum Einsatz.

Bei einem höheren Schweregrad gilt Atemwegsüberdruck-Therapie per Schlafmaske (PAP-Therapie) als Standard. Zudem kann eine leichte bis mittelgradige obstruktive Schlafap­noe gemäß Leitlinie auch mithilfe einer UPS therapiert werden. Die von einem Zahnarzt oder einem Kieferorthopäden angepasste Kunststoffschiene im Mund sorgt dafür, dass der Unterkiefer weiter vorne gehalten wird. Dadurch werden die Atemwege mechanisch offengehalten.

Laut IQWiG tolerieren Patienten diese Methode meist gut und bevorzugen sie oft ge­gen­über der PAP-Therapie. Sie wird allerdings bei schwerer obstruktiver Schlafapnoe bis­her im Allgemeinen nur im Falle einer Unverträglichkeit oder Intoleranz der PAP-Therapie eingesetzt.

In seiner vorläufigen Nutzenbewertung untersuchten die Kölner Wissenschaftler deshalb, ob die Behandlung mit einer UPS einen Nutzen oder Schaden im Vergleich zu keiner Be­handlung beziehungsweise zu einer Placebo-Behandlung hat. Geprüft wurde auch, ob die Behandlung mit einer UPS einen Nutzen oder Schaden im Vergleich zu einer Behandlung mittels positiven Atemwegsdrucks über eine Maske (PAP-Therapie) aufweist.

Zur ersten Fragestellung fanden sie 21 randomisierte kontrollierte Studien (RCT), von 18 dieser Studien gingen Ergebnisse in die Nutzenbewertung ein. Von den 17 RCT zur zwei­ten Fragestellung lieferten 16 verwertbare Ergebnisse für die Nutzenbewertung.

Zusammenfassend sieht der vorläufige IQWiG-Bericht für die Tagesschläfrigkeit einen Nut­zen der UPS im Vergleich zu keiner Behandlung beziehungsweise zu Placebo-Schie­nen. Zudem zeigte die UPS gegenüber der PAP-Therapie nicht unterlegen.

„Für Patienten, die die PAP-Therapie ablehnen, weil sie nachts keine Maske tragen wollen oder weil ihnen das Gerät zu laut ist, kann eine Unterkieferprotrusionsschiene somit eine gute Alternative sein“, sagte Zahnärztin Martina Lietz, Projektleiterin im IQWiG-Ressort Nichtmedikamentöse Verfahren.

Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht können bis zum 20. November abgegeben werden. Im Anschluss erstellt das IQWiG den Abschlussbericht. © hil/sb/aerzteblatt.de

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