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Politik

Drogenbeauftragte will sich für mehr substituierende Ärzte stark machen

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Daniela Ludwig /picture alliance, Lisa Ducret

Berlin – Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, stellte sich heute in Berlin den Fragen von Pressevertretern. „Es gibt ein hohes Gesprächsbedürfnis von allen Seiten und ich habe den Eindruck, es dreht sich alles um Cannabis.“ Doch zu diesem Thema habe sie sich nach erst vier Wochen im Amt noch keine endgültige Mei­nung gebildet. Zuvor wolle sie mit allen Beteiligten reden, „offen und ohne Tabus“. „Über allem muss schweben, was gut für Kinder und Jugendliche ist“, sagte Ludwig.

Neben Cannabis gibt es Ludwig zufolge „große Themen in der Drogenpolitik“, wie Tabak- und Alkoholabhängigkeit und Internetsucht. „Wir wollen jetzt die notwendigen Schritte gehen, die für ein umfassendes Tabakwerbeverbot notwendig sind. Dieses sollte auch ein Werbeverbot für E-Zigaretten einbeziehen, unabhängig davon, ob sie Nikotin enthalten oder nicht“, erklärte die Drogenbeauftragte.

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Der neue Schulbus-Bericht aus Bayern habe erneut deutlich gemacht, wie attraktiv E-Zi­garetten gerade für Jugendliche seien. Der Bericht befragt nach Bundesländern Schüler und Lehrer zum Umgang mit Suchtmitteln. „Jugendliche sollten nicht durch Plakate an der Bushaltestelle zum Konsum angeregt werden“, sagte Ludwig.

Zusammen mit der Drogenbeauftragten gab Tim Pfeiffer-Gerschel, Leiter des Institutes für Therapieforschung und der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogen­sucht (DBDD) einen Einblick in den jährlichen Bericht der DBDD zur Situation illegaler Drogen in Deutschland, der in Kürze erscheinen wird. Der sogenannte REITOX-Bericht 2019 „birgt keine dramatischen Entwicklungen“, so der Experte. Ergebnisse aus dem Be­richt flossen bereits in kürzlich erschienene Originalarbeiten im Deutschen Ärzteblatt ein.

Keine Opioidkrise in Deutschland

„Wir haben keine Opioidkrise in Deutschland – anderes als in den USA, wo inzwischen große Teile der bürgerlichen Mittelschicht opioidabhängig sind“, sagte Pfeiffer-Gerschel. In Deutschland sei die Größenordnung eine ganz andere, die Gesamtzahl sei über ein Jahrzehnt stabil, die Suchtkranken würden immer älter.

Ein Problem ist nach Aussage des Suchtexperten allerdings die Versorgung von Opioidab­hängigen in Substitutionsbehandlung. Die Anzahl der gemeldeten Substitutionspatienten liegt dem DBDD-Bericht zufolge bei etwa 90.000 im Jahr und ist seit 2007 angestiegen.

Die Zahl der substituierenden Ärzte hingegen hat sich seitdem stetig verringert. „Rund 14 Prozent der substituierenden Ärzte substituieren die Hälfte der entsprechenden Patien­ten. Diese Entwicklung führt absehbar zu einem Ärztemangel, insbesondere wenn diese Ärzte in Rente gehen“, sagte Pfeiffer-Gerschel.

„Es gibt viel zu wenig substituierende Ärzte – wir müssen hier viel mehr in die Fläche gehen“, erklärte deshalb die Drogenbeauftragte. Sie wolle das Problem angehen und mit Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen ins Gespräch kommen, kündigte sie an.

Bei weiteren Maßnahmen, die das Überleben von Drogenkonsumenten sichern könnten, wie Drug-Checking von Party-Drogen, Naloxon-Vergabe bei Opioidüberdosierungen und Drogenkonsumräumen will Daniela Ludwig zunächst selbst Erkenntnisse aus Modellpro­jekten ziehen, bevor sie Empfehlungen geben will. Für Drug-Checking-Modellprojekte lägen dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium aus verschiedenen Bundesländern Anträge vor. „Damit müssen wir uns jetzt befassen“, sagte die Drogenbeauftragte. © PB/aerzteblatt.de

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