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Medizin

Tuberkulose-Infek­tionen werden meist im Ausland erworben

Mittwoch, 23. Oktober 2019

/dpa

Berlin – Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 5.429 Tuberkulose-Erkrankungen registriert. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr erneut gesunken, nachdem sie während der Flüchtlingskrise 2015 deutlich angestiegen war. Nach dem jetzt vom Robert-Koch-Institut (RKI) vorgestellten Jahresbericht ist die Tuberkulose in Deutschland eng mit der grenzübergreifenden Migration verbunden.

Deutschland gehört mit jährlich 6,5 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner zu den Niedriginzidenz-Ländern der Tuberkulose. In Afrika südlich der Sahara und in Südasien liegt die Inzidenz bei über 200 pro 100.000 Personen. Die Erkrankung wird dort häufig in der Kindheit latent erworben, zum Ausbruch kommt sie erst im Erwachsenenalter. Viele haben in der Zwischenzeit ihre Heimat verlassen, einige leben heute in reicheren Länder mit einer niedrigen Prävalenz latenter Infektionen bei der einheimischen Bevölkerung, etwa in Deutschland.

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Dies erklärt, warum 3.890 der 5.429 Patienten (73,9 %), bei denen im vergangenen Jahr eine Tuberkulose erkannt wurde, im Ausland geboren wurden. Die häufigsten Geburts­länder waren Eritrea (9,8 % aller Erkrankungen), Somalia (7,6 %) und Afghanistan (4,0 %). Viele Patienten stammen aber auch aus Rumänien (4,0 %) oder der Türkei (3,1 %). Die Inzidenz war bei Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit mit 37,3 pro 100.000 Einwohner fast 18 Mal so hoch wie in der deutschen Bevölkerung (Inzidenz 2,1).

Bei den in Deutschland geborenen Patienten handelt es sich nach Einschätzung des RKI meist um Menschen, die sich in den Kriegs- oder Nachkriegsjahren infiziert haben und im höheren Alter an einer Tuberkulose erkrankten. Die aktuelle Gefahr, sich in Deutschland mit einer Tuberkulose anzustecken, ist gering, was vielleicht auch dem öffentlichen Gesundheitswesens zu verdanken ist, das bei einer offenen Tuberkulose durch eine aktive Fallsuche größere Ausbrüche zu verhindern weiß.

Die meisten Erkrankungen (3.928 oder 82,7 %) wurden 2018 bei einer passiven Fallsuche diagnostiziert, also wenn sich Patienten mit verdächtigen Symptomen beim Arzt vor­stellen. Durch Screeninguntersuchungen etwa bei Asylbewerbern oder Flüchtlingen wurden im vergangenen Jahre 351 Erkrankungen (7,4 %) erkannt.

215 Patienten waren bei der Diagnose jünger als 15 Jahre, die meisten davon (113 Pa­tien­ten) waren unter fünf Jahre alt. Auch hier ist die Inzidenz bei ausländischen Staats­an­gehörigen 14 Mal so hoch wie bei deutschen Kindern (Inzidenz 10,6 versus 0,8). Das RKI warnt allerdings davor, nur bei Menschen mit erkennbarer ausländischer Herkunft an eine Tuberkulose zu denken. Die Berücksichtigung der Tuberkulose in der Differentialdiagnose sei in jedem Lebensalter und ungeachtet der Herkunft wichtig, heißt es in dem „Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2018“.

Die meisten Erkrankungen können erfolgreich behandelt werden: Insgesamt 4.770 Per­so­nen (80,3 %), bei denen im Jahr 2017 eine Tuberkulose diagnostiziert wurde, sind mittler­weile geheilt (Zahlen zu 2018 liegen wegen der langen Behandlungszeiten noch nicht vor). Standard ist derzeit eine sechsmonatige Kombinationstherapie aus zwei Monaten Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol, Pyrazinamid, gefolgt von vier Monaten Isoniazid und Rifampicin.

Erkrankungen durch multiresistente Bakterienstämme (MDR-TB) sind in Deutschland rela­tiv selten. Im vergangenen Jahr waren es 118 Fälle oder 3,1 % aller Erkrankungen. Eine XDR-TB, bei der auch die Zweitlinientherapie versagt, wurde nur in acht Fällen dokumen­tiert. Bei MDR-TB und XDR-TB sind komplexere Behandlungen über eine längere Zeit not­wendig und die Chancen auf eine Heilung sind geringer. Jeder fünfte Patient mit MDR-TB (21,1 %) wurde übrigens in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geboren. Nur 1,1 % der MDR-TB-Patienten wurden in Deutschland geboren.

Insgesamt 129 Menschen sind 2018 in Deutschland an einer Tuberkulose gestorben. Da­runter war laut RKI auch ein 12-jähriges Kind. Die Mortalität der Tuberkulose beträgt in Deutschland 0,2 Todesfälle pro 100.000 Einwohner. Die Letalität lag bei 2,4 % und war damit geringfügig höher als im Vorjahr (2,1 %, 114 Todesfälle). Die Gefahren einer Tuberkulose sollten nicht unterschätzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #661708
Haiko
am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 01:00

Tbc-Impfung in D nicht möglich

Konnte mir keine Tbc-Impfung von meinen Kollegen als Tropenmediziner geben lassen in D. Musste es mir selbst geben, aus Japan geliefert.
LNS

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