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Medizin

Das Pankreaskarzinom könnte auf Platz 2 der Krebstodesursachen vorrücken

Donnerstag, 24. Oktober 2019

bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse, 3D-Darstellung Pankreaskarzinom /Kateryna_Kon stock.adobe.com
Pankreaskarzinom /Kateryna_Kon stock.adobe.com

Seattle – Jedes Jahr erkranken weltweit 450.000 Menschen an einem Pankreaskarzinom, an dem die meisten auch sterben. Der äußerst aggressive Tumor lässt sich laut einer Analyse der Global Burden of Disease Study 2017 in Lancet Gastroenterology & Hepatology (2019; doi: 10.1016/S2468-1253(19)30347-4) zu einem Drittel auf 3 modifizierbare Risikofaktoren zurückführen.

Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse waren früher eher selten. Mittlerweile gehört das Pankreaskarzinom zu den häufigeren Krebsarten. Wegen der hohen Mortalität ist es in den USA bereits die vierthäufigste Krebstodesursache. Sofern sich die Entwicklung fortsetzt und keine besseren Therapien gefunden werden, worauf derzeit wenig hindeutet, könnte das Pankreaskarzinom in absehbarer Zeit auf Platz 2 der Krebstodesursachen aufsteigen.

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Ein Team um Mohsen Naghavi vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle hat in einer Studie die Entwicklung seit 1990 rekapituliert und nach den Ursachen für den starken Anstieg gesucht.

Ergebnis: Die jährliche Zahl der Erkrankungen und der Todesfälle ist von 1990 bis 2017 um das 2,3-Fache angestiegen. Im Jahr 2017 sind weltweit schätzungsweise 448.000 Menschen am Pankreaskarzinom erkrankt und 441.000 daran gestorben. Das Pankreaskarzinom hat von allen soliden Krebserkrankungen die schlechteste Prognose.

Der größte Teil dieser Zunahme ist auf die stetig steigende Lebenserwartung der Bevölkerung zurückzuführen. Die Erkrankung hat ihren Altersgipfel bei Männern zwischen 65 und 69 Jahren und bei Frauen zwischen 75 und 79 Jahren. Dieses Alter wird auch in Ländern mit geringerem Einkommen von immer mehr Menschen erreicht, weshalb dort die Inzidenz und die Sterblichkeit am stärksten zunimmt.

Fehlende bildgebende Verfahren begrenzen Diagnostik in ärmeren Ländern

Der Anstieg ist vermutlich noch steiler als die Krebsstatistiken anzeigen. Denn Pankreaskarzinom ist schwer zu erkennen. Zur Diagnose werden Computer- oder Magnetresonanztomografie benötigt. Ohne diese bildgebenden Verfahren dürfte in ärmeren Ländern die Suche nach dem Ursprung der Lebermetastasen, an denen die Patienten rasch sterben, unterbleiben, zumal auch die pathologischen Kapazitäten vielerorts begrenzt sind.

Neben dem steigenden Alter in der Bevölkerung gibt es 3 modifizierbare, also vermeidbare Risikofaktoren. Der wichtigste Auslöser, das Rauchen, ist seltener geworden. Der Anteil der Erkrankungen, die auf diesen Risikofaktor zurückzuführen sind (population attributable fraction, PAF), ist nach den Berechnungen von Naghavi von 26,6 % in 1990 auf 21,1 % in 2017 gesunken. Das bedeutet aber, dass noch immer ein Fünftel der Erkrankungen auf das Rauchen (oder Exrauchen) zurückzuführen ist.

Die beiden anderen modifizierbaren Risikofaktoren sind häufiger geworden. Auf zu hohe Blutzuckerwerte (sprich einen Typ-2-Diabetes) waren 2017 insgesamt 8,9 % aller Pankreaskarzinome zurückzuführen gegenüber einer PAF von 7,7 % im Jahr 1990.

Beim erhöhten Body-Mass-Index (also Übergewicht und Fettleibigkeit) kam es zu einem Anstieg der PAF von 5,0 % auf 6,2 %. Zusammengenommen könnten demnach 36,2 % und damit mehr als ein Drittel aller Pankreaskarzinome allein durch eine Veränderung des Lebensstils vermieden werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 26. Oktober 2019, 11:28

Was für eine epidemiologische Wundertüte?

Wenn die Zahl der Pankreaskarzinom-Fälle in den erfassten 195 Ländern von etwa 195.000 im Jahr 1990 auf 448.000 im Jahr 2017 gestiegen ist, bedeutet dies in 28 Jahren (1990 und 2017 zählen mit!) einen jährlichen Anstieg von 9.036 Fällen.

Ein Anstieg von 130 Prozent zu postulieren, ist m.E. unzulässige Dramatisierung für einen Zeitraum von 28 Jahren. Berücksichtigt werden muss
- der medizinische Fortschritt mit exakterer und häufigerer Diagnosefindung
- der demografische Faktor mit zunehmender Lebenserwartung
- die altersabhängige Erkrankungshäufigkeit
- die steigenden Prävalenz von Adipositas, metabolischem Syndrom, Diabetes und Alkoholmissbrauch als wesentliche Risikofaktoren.

Wenn beim Kolorektalkarzinom in den erfassten 195 Ländern die altersstandardisierten Inzidenzen in 28 Jahren von 1990 bis 2017 um 9,5 Prozent angestiegen sind, ist das ein jährlicher Anstieg von 0,34%. Die alterstandardisierte Sterberate sank im gleichen Zeitraum um 13,5 Prozent, das sind 0,48 Prozent pro Jahr.

Jetzt bleibt nur noch zu erwähnen, dass Männer mit hohem Alkoholkonsum, Rauchen und einer Ernährung arm an Kalzium, Milch und Ballaststoffen ihr Risiko für Darmkrebs erhöhen.

Wieso wird die bovine Milch nicht mehr verteufelt? Und wo ist denn bloß das "böse rote Fleisch" als "Haxe des Bösen" geblieben?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Bergen aan Zee/NL)
Avatar #792712
Koeken
am Freitag, 25. Oktober 2019, 12:52

Koeken

Der Alkoholmissbrauch als signifikanteste Ursache wird gar nicht erwähnt ??? (Stichwort Alkoholinduzierte akute/chronische Pankreatitis, desweiteren Pankreasfibrose/Zirrhose/Zysten).
Avatar #35331
samtrinczek
am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 23:00

Pankreaskarzinom

Dem, was "Naturfreund" schreibt, kann ich nur zustimmen! Ich selber stand kurz vor dem Pankreaskarzinom und hatte das große Glück eine Ärztin kennen zu dürfen, die auf Naturmedizin umgestiegen war. Sie war die einzigste, die mein Problem erkannt hat. Weder im Krankenhaus, noch bei verschiedenen Ärzten, die ich konsultierte, wurde mein Problem erkannt.

Das erste, was sie mir empfahl war: eine komplette Nahrungsumstellung auf eine leichte Vollwertkost. Das habe ich SOFORT getan und seit dem (2003) geht es mir wesentlich besser. Meine ganzen Werte haben sich gebessert und ich halte mich heute noch an die Kost. Mittlerweile habe ich bessere Werte (gemäß meinem neuen Hausarzt) wie mancher, der um einige Jahre jünger als ich ist und ich merke es auch an mir persönlich. Es geht mir nicht nur besser, ich fühle mich auch so und habe wieder Freude am Leben, was damals nicht mehr der Fall war.
Avatar #769631
Naturfreund
am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 18:07

Krebs

so lange die Regierungen nicht dafür sorgen, daß die Menschen gesund essen können, wird sich daran nichts ändern:

https://www.youtube.com/watch?v=5Tj9v24H-Lo
LNS

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